Rosemarie Schwaiger zitiert in ihrem Text über „Moralverkehr“ (profil 43 vom 24. Oktober 2016) wohlwollend den britischen Historiker Timothy Garton Ash mit „Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der wir jede Minute ängstlich aufpassen müssen, was wir sagen und was nicht.“

Weiterlesen

Clowns sind dadurch charakterisiert, dass sie die Ordnung des alltäglichen Zusammenlebens ad absurdum führen: Hervorgegangen aus der Figur des mittelalterlichen Hofnarren, dessen Aufgabe es war, den von Speichelleckern umgebenen Herrscher immer wieder daran zu erinnern, dass er auch nur ein Mensch sei und kein Gott, durften sie all das tun, was anständige Menschen unterlassen mussten, wollten sie nicht mit Schimpf und Schande aus der Gesellschaft ausgestoßen werden. Manchmal trieben sie es auch zu bunt und erlitten dann ein gleiches Schicksal …

Weiterlesen

Bob Dylan hat den Literatur-Nobelpreis bekommen – und sofort protestieren oder spotten manche Schriftstellerkollegen (männlich). Oder auch Literaturkritiker_innen. Es lohnt, deren Biografien zu überprüfen. Dann merkt man nämlich, wie sehr sie vermieden, sich selbst mit Dichtwerken oder anderen Schriften als Bestandsaufnahmen selbst der Kritik zu stellen.

Weiterlesen

1989 war es, als die Enttarnung der sogenannten „Todesengel von Lainz“ für Schock und Entsetzen sorgten: Vier Hilfspflegerinnen (damals noch Hilfsschwester geheißen) hatten ihnen lästige Patient_innen mit Überdosen von Rohypnol oder Insulin vergiftet oder mit einer Form von Waterboarding, die sie „Mundpflege“ nannten, erstickt. Aufgeflogen war der Skandal, weil ein Arzt zufällig mitgehört hatte, wie sich die Täterinnen mit ihren Morden brüsteten.

Weiterlesen

Soeben lese ich in orf online die genaue Beschreibung, wie der Täter eine Frau in einem Favoritner Park vergewaltigt hat.

Ich werde diese Beschreibung hier nicht wiederholen. Ich bin nämlich der Ansicht, dass diese Details nicht veröffentlicht gehören. Es reicht der Hinweis, dass die Frau ins Krankenhaus gebracht werden musste, um die Brutalität erahnen zu können.

Weiterlesen

Zu den besten menschlichen Eigenschaften gehört Neugier. Sie hat zwar oft die Vertreibung aus einem Paradies zur Folge – denken wir nur an das erste Menschenpaar – aber sie hilft, Gutes und Böses zu unterscheiden – allerdings unter der Voraussetzung, dass man vorher überprüft, wie weit man sich dabei „aus dem Fenster lehnt“, heißt: sich aus seiner Bezugsgruppe entfernt.

Weiterlesen

Nach zwei Wochen Computerschreibeverbot wegen „Mouse-Arm“ (wie „Tennis-Arm“) wieder autofahrend, häuften sich gestern die Medienanfragen für Fernsehauftritte, Tenor „Kann man Schizophrenie simulieren?“ Gottlob war ich für eine Festveranstaltung im Pfarrerinnen-Outfit, daher nicht TV-tauglich … denn die Beantwortung dieser Frage ist heikel – und dies aus mehreren Gründen.

Weiterlesen

Ein Wiener Anthropologe hat eine Studie zur Körpersprache von Politikern gemacht um herauszufinden, welche Gesten beeindrucken. Er hätte allerdings nur erfahrene Körpertherapeuten oder Energetiker fragen müssen … aber vielleicht brauchte er nur eine Aufgabe für seine Studierenden, die müssen ja auch lernen, wie man solche Studien aufbaut.

Wir wissen nämlich aus unserer berufsspezifischen Erfahrung genau, welche Gefühle, Gedanken etc. welche Gestik auslösen – und auch, woran man merkt, dass sich jemand etwas hat antrainieren lassen und daher nicht authentisch ist. Aber dass viele Menschen danach gieren, mittels Körpersprache zu beeindrucken, stimmt – deswegen boomen ja auch Körperspracheseminare samt zugehöriger Literatur. Und das finde ich subtil gewaltig: Wenn man von jemand etwas will, sollte man es ihm oder ihr möglichst konkret sagen, damit die andere Person entscheiden kann, ob sie entgegen kommen will oder nicht (und das sollte sie auch wieder konkret sagen).

Weiterlesen

Ein gehbehinderter Mann schleppte sich den Autofahrern zu langsam über die Straße, erfahre ich aus der Krone online vergangenen Sonntag.

In Graz.

Er bekam ein Hupkonzert aus der Warteschlange (statt Hilfe) – und: Er wurde angefahren. Von einer Juristin, die zum Geigenunterricht wollte. Für mich ein klarer Fall für den Schnellrichter – den es bei uns nicht gibt (wie in den USA). Aber wenn jemand beispielsweise seine Schusswaffe nicht „ordnungsgemäß“ verwahrt, wird sie sofort konfisziert – und der Waffenpass und -schein dazu: Man ist nicht mehr vertrauenswürdig.

Weiterlesen

Bundeskanzler Kern schafft das dienstägliche Pressefoyer nach dem Ministerrat ab und die Journalist_innen protestieren gegen diese „Einschränkung der Medienfreiheit“ (Kurier, 31. 8., Seite 2). Ich denke: Wenn man merkt, dass etwas nicht (mehr) stimmt, ist es gut, es zu ändern – und wenn man noch nicht weiß, wie, dann reicht es, fürs erste einmal damit aufzuhören. Sonst wird es zu einer Selbstvergewaltigung.

Aber: Seine Argumentation, „Politik nicht auf ein Hunderennen reduzieren zu wollen“, finde ich ziemlich „gewaltig“.

Weiterlesen