Sich von Altgewohntem zu trennen, fällt vielen nicht leicht – vor allem deshalb, weil sie – noch – nicht gelernt haben, mit „Leere“ umzugehen. (Zur Erinnerung: Ich definiere „lernen“ als Bildung von neuen Wahrnehmungs- und Handlungsnervenzellen). Ich spreche dann von „Entzugserscheinungen“. Wer schon einmal eine Fastenkur gemacht hat, sollte diesen Effekt der ersten drei Tage kennen: Man empfindet sich „erkältet“ – es fehlt ja gewohnte Energiezufuhr – fiebrig, schwach, vielleicht auch depressiv … und sollte eigentlich erkennen, wie abhängig man von der jeweiligen Substanz oder dem jeweiligen Verhaltensmuster war.

Wenn man diese ersten drei Tage oder auch die erste Woche, je nach „Suchtmittel“, ohne Rückfall überstanden hat, beginnt man die „Entgiftung“ zu genießen – außer man kehrt gedanklich immer wieder zu der vorherigen „Völle“ zurück, verklärt sie auch (und löscht alles Negative, das damit verbunden war) und belügt sich selbst.

Dazu können dann noch andere Verluste kommen: Der Kreis Gleichgesinnter etwa – oder der Kreis möglicher Kritiker, wenn man sich nicht mehr deren „Spielregeln“ anpasst – nicht mehr grenzenlos mittrinkt, mitfrisst, mitraucht, mithurt (und wenn es nur maulhuren ist) oder aber auch an einer Beziehung festhält (Beziehung zu ideologischen Gruppierungen mitgemeint).

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In einer Anfrage für ein demnächst kommendes Interview wurden mir folgende Fragen angekündigt:

Interessant sind dabei Fragen wie:

    • Welche Rolle spielt Resilienz in einer Krise wie der aktuellen?
    • Wie können Unternehmer – vor allem jene, die seit Monaten ihre Betriebe geschlossen halten müssen – aktuell ihre psychische Widerstandskraft stärken? Welche Techniken und Methoden können helfen, Optimismus zu bewahren, ohne den Kopf in den Sand zu stecken?
    • Frauen sind in der Krise stärker belastet – das trifft auch auf Unternehmerinnen zu. Was können die Betroffenen – im speziellen wieder selbstständig tätige Frauen – tun, um gestärkt aus der Krise zu kommen, um auch genug Power zu haben, um danach richtig durchstarten zu können?

Die Beantwortung ist gar nicht so einfach – denn ich warne, seitdem dieser „Modebegriff“ populär aufgetaucht ist, davor, dass das Phänomen der seelischen Widerstandskraft mancher Menschen als Anforderung missbraucht werden kann – oder als Werbeslogan für Seminare oder andere einschlägige Dienstleistungen.

Dass Arbeitgeber oder andere Vorgesetzte (z. B. Eltern) sich wünschen, dass ihre „Untergebenen“ (Kinder) von vornherein alles Widrige aushalten, sie sich deshalb nicht um besondere Achtsamkeit oder seelische Erste Hilfe kümmern müssen, ist aus deren Sicht zwar verständlich … es widerspricht aber deren (gesetzlich verankerten) Fürsorgepflichten.

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