Bundeskanzler Mag. Christian Kern lässt sich mit Untertitel „Versteckte Kamera“ als Pizzabote im (vermutlich) Gemeindebau ablichten. Als ich das Video mit Absende-Adresse Georg Niedermühlbichler SPÖ zugespielt bekam, war ich sehr verwundert, ja sogar befremdet: Das ist nicht der Stil, den ich von einem seriösen Politiker erwarte, dachte ich (nicht einmal im Wahlkampf).

Wäre diese Aktion am Faschingsdienstag gelaufen, hätte ich gelacht und das als gelungenen Gag empfunden (auch wenn, wie nun aufgedeckt wurde, der Empfänger der Pizza ein SPÖ-Funktionär und Kandidat mit überraschend wohlaufgeräumter Wohnung ist).

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Manchmal fühle ich mich an ein Pingpong-Spiel erinnert, wenn „Schlag auf Schlag“ Kopftuch – Kreuz – Bibel – Koran – Thora etc. gegeneinander aufgerechnet werden. Jetzt kommt wieder einmal eine aufgefrischte alte Diskussion dazu: Religionsunterricht gegen Ethikunterricht, Verpflichtung gegen Freiwilligkeit … alles gut geeignete Themen, um Emotionen hoch gehen zu lassen.

Lisa Nimmervoll schreibt dazu im heutigen Standard, Ethikunterricht als „Ersatzdienst“ für die „vom rechten Glauben Abgefallenen“ sei als „Bestrafung“ für bewusst gewählte Religionsfreiheit eine Zumutung und geschichtsvergessen. Ich stimme ihr zu – aber ich konkretisiere: Religionsfreiheit – und die inkludiert auch das Recht, keine Religion („Bindung“) haben zu wollen – bedeutet auch, Religion „bekennen“ zu dürfen. Gerade 2017, dem Jahr, in dem wir an 500 Jahre Reformation und Protestantismus erinnern, heißt Geschichtsbewusstsein auch Gedenken an Religionsverbote: Protestantenverbrennungen, Protestantenvertreibungen (unter zwangsweiser Zurücklassung der Kinder zwecks Rekatholisierung), Verbot eigener Gotteshäuser bzw. ihrer straßenseitigen Sichtbarkeit … heißt aber auch Gedenken an protestantische Fehlhaltungen und Fehlhandlungen.

Geschichtsbewusstsein bedeutet aus meiner Sicht, im Religionsunterricht nicht eine Religion vorzustellen und – wie oft zu Recht befürchtet – (mit Notendruck) zu propagieren, sondern Religion allgemein und in spezifischen Unterschiedlichkeiten darzustellen. Das gebietet das soziale Bekenntnis zu gegenseitiger Wertschätzung als Beitrag zu mehr Frieden (und Achtsamkeit auf die individuelle spirituelle Gesundheit, wie sie auch von der Weltgesundheitsorganisation gefordert wird) in einer immer stärker global vernetzten Welt.

Meist werden ja die Begriffe Glaube, Bekenntnis, Religion, Religionsgesellschaft bzw. Kirche und dazu noch Spiritualität undifferenziert gleichgesetzt. Allein diese gedankliche Mixtur gehört im Sinne einer bewussten Wahl auseinander geklaubt. Man könnte pointieren, diese Vermengung ergäbe sich aus dem Allumfassungs-Anspruch der katholischen Kirche – katholisch heißt ja allumfassend. Aus meiner Sicht sollte Religionsunterricht jedoch im Sinne von Religionswissenschaft konzipiert sein – mitsamt den Überschneidungen zum Geschichts- und Philosophieunterricht. Und er könnte in einem ganzheitlichen Ethikunterricht beheimatet sein – oder umgekehrt auch in jedem der zitierten Fächer. Das ist nur eine Frage des Lehrplans und der verfügbaren Stundenanzahl.

Ich schließe mich nicht denjenigen an, die Ethikunterricht als Unterrichtsprinzip ablehnen. Ethikfragen gehören in jedem Fach und in jedem Bereich gestellt!

Als ich in den 1990er und 2000er Jahren „Didaktik der Gewaltprävention“ an der Universität Wien unterrichtete, konnte ich aufzeigen, wie in jedem Unterrichtsfach die Phänomene von Gewalt ebenso thematisiert werden können, wie ihre Motive und ihre Verhütung. Ich plädiere nach wie vor dafür, Gewaltprävention als Unterrichtsprinzip – und ebenso als Basis aller gesellschaftlichen Bemühungen – zu verankern. Darum geht es ja doch auch bei allen ethischen Fragestellungen. Dann stellt sich die Frage Religions- oder Ethikunterricht vermutlich nur mehr aus dem Rückwärts-Blick durch das Teleskop der Zeit. Gefragt ist aber der Vorwärts-Blick auf die zunehmenden Verhaltensweisen, die zu Besorgnis Anlass geben.

Die äußerlichen Bekenntnis-Zeichen zu verbieten, löst das Problem nicht. Es werden nur alternative Formen erfunden und vermarktet werden. 2017 etwa propagieren die Modeschöpfer „Statement-T-Shirts“.

Der vietnamesische Arzt hatte sich gewehrt, wie wir den Tagesmeldungen ab 12. April entnehmen konnten: Zuerst dagegen, dass er wegen der Überbuchung aus dem Flugzeug der United Airlines aussteigen sollte, dann gegen seine gewaltsame Entfernung durch drei an Bord gerufene Polizisten. Wegen der Folgen – Gehirnerschütterung, gebrochene Nase, zwei ausgeschlagene Zähne – werde er nun die Fluglinie klagen, hieß es tags darauf. Und kurz darauf wurde publiziert, dass dem alten Mann (69 Jahre!) 10 Jahre lang seine Arztapprobation in den USA entzogen worden war und er wegen illegaler Rezeptausstellung auf Bewährung verurteilt worden war und sich in dieser Zeit als Pokerspieler seinen Lebensunterhalt verdient hatte. (Bei Ex-Tennis-Ass Boris Becker wird dieser Art des Gelderwerbs applaudiert.)

Ich frage mich: Hat sich da jemand mit „anrüchigen“ Vergangenheitsinformationen Geld verdienen wollen – oder schlägt das Imperium Fluglinie untergriffig zurück, um „präventiv“ für die Schadenersatzforderungen den Kläger anzupatzen?

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Üblicherweise hat jeder Mensch eine Idealvorstellung von sich selbst, und die hängt weitgehend von der erfahrenen Namensgebung ab. Von dem berühmten Soziologen Norbert Elias stammt der Satz, „Gib einer Gruppe einen schlechten Namen und sie wird ihm nachkommen“ (in „Etablierte und Außenseiter“).  So gab ein schwer misshandeltes 4jähriges Mädchen, als es von den Fürsorgebeamten um seinen Namen gefragt wurde, den Namen „Idiot“ an (http://edition.cnn.com/2016/08/18/health/arkansas-abused-child-trnd/). So etwas ist meist ein echter Fluch – was bedeutet, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit in Erfüllung gehen wird.

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