Dass ich die Neuwortschöpfung „Femizid“ ablehne, dürfte der Leserschaft meiner „Briefe gegen Gewalt“ bekannt sein: Denn während das sprachliche Vorbild „Genozid“ beinhaltet, dass alle Angehörigen einer Volkseinheit gezielt ermordet werden, treffen diese beiden Generalisierungen auf diese Frauenmorde nicht zu.

Ich verstehe und unterstütze schon auch, dass mit diesem Neologismus versucht wird, von der medial wie polizeilich üblichen Formulierung „Beziehungstat“ wegzukommen – obwohl sie durchaus zutrifft: Es handelt sich ja immer, wenn auch oft gut getarnt, um eine Gewaltbeziehung. Dass diese schwer zu bearbeiten sind, hat Robin Norwood in ihrem Langzeit-Bestseller „Wenn Frauen zu sehr lieben“ ausführlich aufgezeigt; allerdings hat sie den Angst-Aspekt zu wenig bearbeitet – nicht nur den der Frauen, sondern auch den der Anverwandten wie auch Nachbarn, die sich erst dann zur Einmischung aufrappeln, wenn es meist zu spät ist.

Ich bevorzuge meine Wortschöpfung „Strafmord“ Weiterlesen

An meinem ersten Arbeitstag in der Volkswirtschaftlichen Abteilung der Oesterreichischen Nationalbank 1968 (vorher hatte ich bei Gericht und in einer Großversicherung Arbeitserfahrungen gesammelt), wo wir damals die Arbeit eines Tages gelegentlich auf eine Woche aufteilten (ob sich das zwischenzeitlich geändert hat, wage ich zu bezweifeln), warnte mich meine Zimmernachbarin Dr. Hermann, „Wenn Sie sich zu wenig gefordert fühlen, liegt das an ihnen selbst – suchen Sie sich Arbeit!“

Daran erinnere ich mich jedes Mal, wenn irgendwo von „verlorenen“ Zeiten – Schulzeiten oder anderen Beziehungszeiten – geklagt wird. Den Ursprung orte ich im ewigen Ärger von Eltern, deren Kinder ein Schuljahr wiederholen müssen und damit ein Jahr später ins eigene Geldverdienen kommen (oder auch nicht, denn diese Erwartung erweist sich oft als Illusion). Später höre ich ähnliche Frustrationsäußerungen von Frauen, die meinen, ihre „schönsten Jahre“ an einen „undankbaren“ Mann vergeudet zu haben. Im Klartext heißt es aber nur, dass die dabei aktuellen Lernaufgaben nicht erfüllt wurden – von einem selbst, aber auch von der Nahumwelt, Verwandten, Freundeskreis aber auch Gemeindemitgliedern.

Der Spruch von der „verlorenen Zeit“ ist eine klassische „Anleitung zum Unglücklichsein“ (wie der Bestseller des weltberühmten österreichischen Psychotherapeuten Paul Watzlawick lautet) Weiterlesen

Zuerst ein Bekenntnis: Ich trage keine Sneakers, ich gehe bevorzugt barfuß oder in Stiefeln – und hege meine Altbestände, selbst produziertes Vintage (meine ältesten Schuhe stammen wohlgepflegt aus 1956 – ich bin seit damals nicht mehr gewachsen) und kaufe nur bei Zerfall. Ich schreibe also nicht „pro domo“.

Mich irritiert allerdings, dass so viele KommentatorInnen dem Schuhwerk des neuen Gesundheitsministers ein Statement oder einen Code unterstellen, wie die gelernte Volksschullehrerein und selbsternannte Machtexpertin Bauer-Jelinek oder die Modehistorikerin Vinken (Kurier, 25.04.2021, S. 8). Ich erinnere mich an eine Teilnehmerin an einem Bauer-Jelinek-Macht-Seminar, die mir empört berichtete, dass diese mit Ausschnitten aus Versandhauskatalogen den Frauen einreden wollte, wie sie sich „machtkompetent“ zu kleiden hätten – nämlich genau so, wie es den sozialdemokratischen Politikerinnen der 1970er und 1980er Jahre Spott von der konservativen Seite einbrachte: dunkles Kostüm, weiße Oberteile, Brosche links oder alternativ schmale Perlenkette. Quasi Tarnanzüge, um in den Reihen der Männer im grauen Flanell nicht aufzufallen.

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Wieder einmal bin ich gegen meinen Willen umarmt worden – von einer bislang unbekannten Frau im Alter meiner Söhne, im Windfang meines Hauses, daher ohne räumliche Ausweichmöglichkeit, und auch so schnell, dass ich mich nicht wehren konnte. Mit „Ich muss Sie jetzt umarmen!“ hat sie sich beim Verabschieden diese Freiheit herausgenommen – und schwupp war sie weg. Die Freiheit der einen endet aber dort, wo sie anderen deren Freiheit nimmt.

Meine erschrockene Erstarrung hat sie nicht wahrgenommen oder bewusst ignoriert.

Offenbar ist sie gewohnt, ihren Impulsen sofort nachzugeben, ohne zu fragen, ob sie in das „Revier“ der anderen Person eintreten darf. (Vermutlich klopft sie auch nicht an, wenn sie in ein Zimmer anderer Personen eintritt.) Obwohl in einem Heilerberuf ausgebildet, fehlt ihr die heilsame Achtsamkeit – und die Fähigkeit bzw. der Wille, Energie bei sich zu behalten (beides wäre sogar eine Therapieindikation).

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PfarrerInnen unterliegen bei allem, was ihnen in der Seelsorge anvertraut wurde, der Schweigepflicht – anderenfalls würde niemand sein Gewissen entlasten, weil ja mit Anzeigen oder Zeugenaussagen bei Gericht (die der Wahrheitspflicht unterliegen) gerechnet werden müsste.

Ähnlich ist es in der Psychotherapie: KlientInnen sollen sich von ihren z. B. Wut- oder Hassgefühlen „frei“-reden dürfen, denn eine in diesem Beruf wohlausgebildete Fachperson muss unterscheiden können, wie sich eine Affektäußerung anfühlt – und wie die Darstellung eines kurz vor der Ausführung stehenden detaillierten Kapitalverbrechens (was möglicherweise einen Gewissenskonflikt, wie damit umzugehen sei,  hervorrufen könnte – und spezielle Kompetenz braucht, dieser Person Wege aus ihrer Zielgerichtetheit heraus zu vermitteln … und die unterrichte ich, wann immer man mich dazu einlädt).

So ist es Inkompetenz und ein „Kunstfehler“, was eine (nur universitär ausgebildete) Jugendamtspsychologin bewies Weiterlesen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hätte sofort weggehen sollen, als man sie, weit abgegrenzt von den männlichen Präsidenten (Türkei und EU-Rat) aufs Sofa verbannt hat (s. mein „Brief gegen Gewalt“ Nr. 27) , mailen daraufhin manche Frauen in meiner Facebook-Bubble (Von der Leyen: Panne bei Türkei-Besuch – Erdogan und Michel stellen sie bloß – EU – FOCUS Online).

Das wäre insofern falsch gewesen, weil sie erstens den Männern das ganze „Feld“ überlassen hätte, und außerdem als „beleidigte Narzisstin“ gerahmt („reframed“) worden wäre. Hat man(n) eh versucht.

Ich habe natürlich nachgedacht, wie frau solch eine Situation souverän auflösen könnte, und habe mich erinnert: Es war am 14.07.2016 im Rahmen des Friedensfestes in Augsburg bei dem ich – Autorin des Buches „Mut“, Amalthea Verlag – zu einer Podiumsdiskussion eingeladen war:

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Eine Zeremonie ist eine nach vorgegebenem Ritus ablaufende feierliche Handlung, die oft Symbolcharakter hat, heißt es in Wikipedia. So spekuliert etwa die „Sissi“-Trilogie von Hubert Marischka mit den verletzenden Auswirkungen des Spanischen Hofzeremoniells auf die Filmfigur der jungen Kaiserin von Österreich auf Mitleiden und Solidarität bei weiblichen Kinobesuchern.

Nun wurde Ursula von der Leyen, Ärztin, 62, Präsidentin der EU-Kommission, bei ihrem Besuch, gemeinsam mit Charles Michel, Brüsseler Rechtsanwalt, 45, EU-Ratspräsident, in Ankara mit Hilfe des Zeremoniells auf einen nachgeordneten Rang verwiesen – wie man es vielleicht zwar dem orientalischen Frauenrollenbild im Privaten konzedieren könnte, nicht aber der politischen Funktion, in der eine Frau auftritt, ob es einem passt oder nicht. (Wurde Ursula von der Leyen in der Türkei gedemütigt? (faz.net)) Damit hat die Türkei bzw. ihr Präsident Erdogan, 67, erlernter Beruf umstritten (44 Ehrentitel aber kein Diplom?: Erdogan soll Uni-Abschluss vortäuschen – n-tv.de (n-tv.de) ), wieder einmal bewiesen, dass sie nicht EU-reif ist.

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Dass man niemand eines strafrechtlich verpönten (von lat. poena, Strafe) Verhaltens zeihen darf, lernt man im Journalismus in der ersten Arbeitsstunde – und eigentlich sollte niemand seine Schulpflicht absolvieren, ohne das auch dort gelernt zu haben. Beispielsweise im Geschichtsunterricht (statt primär Schlachten und Friedensschlüsse).

Überhaupt wäre der Lehrplan zu entrümpeln und den zeitgemäßen Anforderungen anzupassen. Deshalb plädiere ich (bin ja promovierte Juristin) dort Rechtsgeschichte samt soziologischen und psychologischen Hintergründen zu thematisieren. Als ich noch Führungskraft in den Jugendzentren der Stadt Wien war (1977/78–1986), gab es in manchen Zentren quasi „Nachhilfe“-Veranstaltungen mit jungen Polizisten (Frauen gab es damals noch keine bei der Polizei), die den Jugendlichen „locker“ beispielsweise erklärten, dass Nummerntafeln auf Mopeds Dokumente sind und weshalb man sein Moped nicht auffrisieren darf.

Auch im Deutschunterricht wäre es sehr wichtig, klar (und möglichst gewaltverzichtend! „gewaltfrei“ hingegen ist eine PR-Illusion!) formulieren zu lernen.

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Vergangene Woche wurde ich in einem Zeitungsinterview gefragt: „Die Passionsgeschichte ist auch die Geschichte einer Frau, die ihr Kind verliert. Wundert es Sie, dass Frauen dieses Thema kaum für sich reklamiert haben?“, und ich antwortete: „Nein – wir alle, die wir hier Erfahrungen haben, wollen in Ruhe trauern und uns nicht damit wichtigmachen.“

In der Darstellung der Kreuzigung von Matthias Grünewald ist Maria eine, die nicht klagt – sie hält den Mund geschlossen, muss aber gestützt werden, denn sie ist dabei zusammenzubrechen. (Die Kreuzigung, aus dem Isenheimer Altarbild, c.1512-15… (#155221) (meisterdrucke.at)) Josef von Nazareth, der gesetzliche Vater Jesu, fehlt. Er soll schon früher verstorben sein (Josef von Nazaret – Wikipedia). Liegt es daran, dass die Trauer eines Vaters nicht wahrgenommen wird? Oder liegt es am Modell des „starken Mannes“, dass seine Trauer als „Schwäche“ tabuisiert wird? Wo doch der Mut, zu Trauer zu stehen und sie nicht zu verbergen, wahre Stärke bedeutet!

Der Journalist Golli Marboe hat diesen Mutschritt gewagt – sogar einen doppelten, denn er musste und muss immer wieder nicht nur den Tod seines Sohnes tragen, sondern auch die Tatsache dessen Suizids. 28 Jahre war er alt.

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Mit „Ja zur Familie, Nein zu Gender“ haben die Regierungsparteien Polens heute einen Antrag zum Austritt aus der Istanbul-Konvention des Europarats  eingebracht. Die Türkei ist schon vor einer Woche ausgetreten. Nun steht zu befürchten, dass diese Staaten auch „hinter den Kulissen“ andere Staaten, die sie als gleichgesinnt vermuten, zum Austritt bewegen könnten.

Zur Erinnerung: Die Istanbul-Konvention verpflichtet Staaten, Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu ahnden und ihnen Schutz zu verschaffen.  (Istanbul-Konvention des Europarates – humanrights.ch)

Nun könnten diese Staaten natürlich argumentieren, dass diese Gewalt bei ihnen nicht vorkomme – es hängt schließlich davon ab, wie man Gewalt definiert. Dass Gewalttäter vor Gericht 1. derartige Tatsachen (im wahrsten Sinn des Wortes) abstreiten, 2. jegliche „Schuld“ von sich weisen, sondern den Menschen, die sie so zum „Objekt“ verdinglichen, zuschreiben, und 3. auf ihr eigenes Opfersein berufen, ist hinlänglich bekannt und gut beforscht. Sie übernehmen einfach keine Verantwortung Weiterlesen