Als ich Bezirksrätin der SPÖ Favoriten war (1973–1987), gründete ich als flankierende Maßnahme zur Fristenlösung – ich gehörte ja auch dem Aktionskomitee zur Abschaffung des § 144 STG an – 1975 die Familienberatungsstelle in der Puchsbaumgasse 30 (die wurde dann von meinem Nachfolger als LeiterIn in den Zentrumsbau Ada Christen Gasse 1 verlegt).  Da wurde ich doch im Klub der Mandatare aufgefordert, den dort Ratsuchenden rote Nelken zu verkaufen – was ich ablehnte. Wieso, empörte sich Maria Urban, eine alte Genossin (gut 30 bis 35 Jahre älter als ich damals war), die ein Milchgeschäft führte – sie verkaufe die doch auch ihren Kunden. Sie hatte den geistigen Übergriff auf Personen in schwierigen Lebenslagen nicht verstanden. (Vor 14 Tagen habe ich übrigens im Rahmen einer Fortbildungstagung für Psychiater zu Grenzüberschreitungen in Beratung und Therapie referiert – Verletzungen der finanziellen Selbstbestimmung gehört da auch dazu!)

Daran musste ich denken, als ich tagtäglich von dem politischen Druck las, höhere gesetzlich Obergrenzen für Parteispenden – denn da das Geld ja „kein Mascherl“ hat, kann man zwischen Wahlkampfspenden und Parteispenden nicht unterscheiden – einzuführen.

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Unter Stalin war es üblich, unliebsame Genossen aus Fotos heraus zu retuschieren. Ähnliches geschah der Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer orthodox-jüdischen Zeitung anlässlich eines Gruppenfotos von Regierungschefs, auf dem sie als einzige Frau hervorstach. Und auch in Niederösterreich ist es unlängst vorgekommen, dass ein Kommunalpolitiker der „anderen“ Partei aus einem Foto entfernt wurde …

Heute lese ich im Standard auf Seite 4, kleine Meldung ganz unten: Titel „Expertin will für Uno mehr Macht für Ermittlungen“. Und dann: „Genf – Aus Anlass der Ermordung des saudischen Regimekritikers Jamal Khashoggi im Oktober 2018 hat die zuständige UNO-Menschenrechtsexpertin in Genf mehr Macht für die Uno gefordert, damit sie solche Fälle strafrechtlich untersuchen kann. Die UNO-Mitgliedsländer könnten eine ständige Einheit schaffen, die Ermittlungen aufnehmen kann. Eine solche könne durch eine Resolution der Vollversammlung oder des Menschenrechtsrats geschaffen werden.“ Der Name der mutigen Expertin ist ausgelassen worden – der des „Anlassfalles“ nicht. Ich sehe darin die gleiche Geisteshaltung, unliebsame Personen zu „löschen“.

Sie heißt Agnés Callamard. Weiterlesen

Seitdem ich am 18. Juni im Kurier (Seite 17) von der Unterschriftenaktion in unserem Nachbarort Dörfles (Großgemeinde Weikendorf) gegen den Zuzug einer palästinensichen Familie las, sinne ich hin und her, ob ich dazu etwas schreiben soll. Ich verstehe die Ängste eines 80-Haushalte-Orts – ich sehe aber auch den Stillstand der seelisch-geistigen Entwicklung zu weltoffenen, innovativen – auch sozial innovativen – Menschen , wenn man ohne persönliche Wahrnehmungen und Erfahrungen sondern nur auf Grund von Vorurteilen die Ängste bestehen lässt. Das mindeste wäre doch gewesen, sich die Familie einmal persönlich anzusehen … „Vorsingen“ heißt das auf der Universität, wenn man sich unbekannterweise aus eigenem um einen Lehrauftrag bemüht, und genau so ist es bei Musikwettbewerben … warum also nicht hier auch?

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Da lese ich doch am Freitag, 21. Juni 2019, im Kurier von „bekannten Nachnamen“ und Familientradition in den Reihen der Mandatare der FPÖ: die Väter Gudenus, Mölzer und Steger mit Söhnen und Tochter, die Brüder Scheuch, die Geschwister Haubner und Haider sowie Berlakowitsch und Jenewein oder Trattnig und Huber (von dem hatte ich noch nie was gehört) und zuletzt das Ehepaar Strache. Ganz klein werden – ohne Foto – die Prölls, Krainers und Haslauers auf ÖVP-Seite und auf SPÖ-Seite nur Vater Peter und Sohn Andreas Schieder samt Frau Sonja Wehsely genannt. (Dass Peter Schieders Schwester Jutta Bezirksvorsteher in Penzing war und deren Mann Gewerkschaftssekretär war offenbar nicht bekannt.)

Dabei war und ist gerade das Wiener Rathaus ein Familienbetrieb Weiterlesen

Es gibt Menschen, denen ist es ein hoher Wert, anderen Menschen eine Freude zu machen – egal ob diese das wollen oder nicht, die aber sehr ärgerlich werden, wenn man ihre Umarmungen oder Küsse abwehrt. Mir hat sogar einmal einer dieser Grenzüberschreiter an den Kopf geworfen, ich hätte wohl eine „Berührungsphobie“, nur weil ich von dem mir völlig Fremden nicht abgetatscht werden wollte. Gottlob gibt es heute Bücher für Kinder wie „Kein Küsschen auf Kommando“ und „Kein Anfassen auf Kommando“, nicht nur um kleine Kinder vor sexuellen Übergriffen zu schützen, sondern um überhaupt darauf aufmerksam zu machen, dass Anstand im Abstand besteht.

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Es gibt Berufe, bei denen müssen die Ausübenden unentwegt üben. Ballett-Tänzer*innen etwa und andere Akrobat*innen, Konzertpianist*innen … und Chrirurg*innen. Freiberuflich arbeitende üben dann daheim – und besonders Musiker*innen sind dann leider oft mit Lärmbelästigungs-Beschwerden ihrer Nachbarn konfrontiert – auch eine Art von Mobbing. Besonders pikant dann, wenn dieselben Nachbarn abends laut Ö 3 laufen lassen … und das ist auch eine Art „Gewohnheitssache“.

Mobbing sind laut Definition regelmäßige feindselige Akte über einen langen Zeitraum (mindestens 3 bis 6 Monate), die die betroffene Person an der Ausübung ihrer Pflichten behindern. Nur rüpelhaftes Benehmen gehört nicht dazu.

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Seitdem der Ozean-Regierung (türkis und blau) das Vertrauen entzogen wurde, werfen vor allem die „misstrauenden“ Parteien der Siegerpartei der letzten Nationalratswahl vor, bereits im Wahlkampfmodus zu agitieren (obwohl deren Parteiobmann gar nicht mit Sitz und Stimme im Parlament vertreten ist). Kritisch wie ich bekannterweise bin, achte ich jetzt darauf, ob und wie sich die letzthin stimmenschwächeren Parteien von Wahlkampftönen enthalten … oder wie schlau sie es anstellen, einen kurzen Wahlkampf im September zu fordern und vorab bereits zu umgehen.

Im heutigen Kurier vom Sonntag fand ich ein zwei Seiten langes Interview mit SPÖ-Vorsitzender Rendi-Wagner und darin auf die Frage „Wofür steht die SPÖ eigentlich noch?“. Ihre Antwort: „… den Menschen Sicherheit zu geben. Sicherheit, eine gute Ausbildung zu bekommen. Sicherheit im Alter, dass sie gut gepflegt werden. Oder dass sie sich die Miete für die Wohnung leisten können.“ Rendi-Wagner ist Ärztin. Das erklärt ihr Defizit-Denken: Jemandem fehlt etwas, daher gibt man ihm etwas. Ressourcen-orientiertes Denken, wie es heute ganzheitsmedizinisch geübt wird, bedeutet hingegen, Menschen zu ermächtigen, möglichst eigenbestimmt und ohne Abhängigkeit von Fürsorgenden selbst für ihre Sicherheit zu sorgen. Die angebotene Geisteshaltung, „Wir sorgen für dich!“ verlockt zum „rasten und rosten“ im Vertrauen auf paternalistische Versprechen von Zuwendungen – die jedoch außerhalb aller Macht liegen.

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Wenn man offensichtlich Gewalttaten in ihrer Entstehungsgeschichte zurück verfolgt, gelangt man immer zu einer Situation, in der sich der spätere Gewalttäter – kann auch eine Frau sein – jemand oder etwas anderem unterlegen fühlt und mit einer Kraftdemonstration versucht, vor anwesendem oder phantasiertem Publikum (deswegen derzeit die Veröffentlichungen auf Facebook, Instagram oder Youtube etc.) seinem erwünschten Selbstbild von Macht zu entsprechen. Die primitivste Form dazu ist körperlicher Angriff, um die andere Person klein zu machen – was vor allem in einer Gruppe meist nicht schwer ist. Deswegen treten Personen, die so etwas beabsichtigen, ja gerne als „Block“ auf, schreien „mit einer Stimme“ oder agieren als Einheit auf Kommando.

Der Mechanismus, unerwünschte Konkurrenz tot – egal ob mundtot, sozial tot oder physisch tot – zu machen, soll zur Allein-Herrschaft führen. Und allein bleibt man schlussendlich dann ja auch … Die Alternative, zu teilen und sich daher mitzuteilen und Konflikte im Gespräch zu einer neuen, besseren, humaneren Umgangsform des Miteinander zu vereinbaren (da steckt auch die Silbe „ein“ drinnen!), braucht die Fähigkeit, Streitpunkte zu erkennen, zu benennen und sich mit Geduld sprachlich auszutauschen, kurz gesagt: Vernunft. Da wir alles, was wir „können“ von Vorbildern abschauen (und eventuell bei entsprechender Begabung weiter entwickeln), braucht es dazu Modelle – und die fehlen.

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In der ZiB 2 heute sagte Pamela Rendi-Wagner, man werde sich eben daran gewöhnen müssen, dass Frauen entscheiden – Betonung auf „entscheiden“. Sie meinte damit wohl die SPÖ – denn in den Bundesregierungen entscheiden Frauen seit Ende der 1960er Jahre mit Sozialministerin Grete Rehor (ÖVP) als erster Ministerin. Oder Maria Schaumayer (ÖVP) als erster Nationalbank-Präsidentin und in zahlreichen Firmen auch, von den vielen Gewerbetrieben und Kleinunternehmerinnen ganz zu schweigen. Da könnte der Eindruck entstehen, es wäre die „rechte Reichshälfte“ – der ja auch die erste Bundeskanzlerin eher zuzuordnen ist – die Frauen besonders fördere – wie ja auch die „rechtsrechte“ mit der ersten Vizekanzlerin Susanne Riess und Nationalratspräsidentin Heide Schmidt.

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In „Brief“ Nr. 35 habe ich den Begriff Mem, Mehrzahl Meme, erklärt: Begriff- oder Wortschöpfungen, die sich wie Gene im Genpool in Windeseile im „Mempool“ von Gehirn zu Gehirn fortpflanzen. Werbung und Propaganda lebt davon, solche „Ohrenschlieferln“ (und ebenso optische oder gestische Marken) zu kreieren. Auch im individuellen Alltag verankern sich Kose- wie auch Schimpfworte, deswegen frage ich oft meine KlientInnen, „Welches Wort wollen Sie nie bzw. immer wieder hören?“, denn auf diese Weise findet man relativ schnell Zugang zu den dazugehörenden Gefühlen wie auch darunter liegenden alten Verletzungen – oder aber heilenden Situationen.

Wem es gelingt, anerkennende Begeisterung von Journalisten durch solch eine Worterfindungen zu erregen, kann der oftmaligen Zitierung sicher sein – wie Herbert Kickl mit seiner paradoxen Sprach-Kreation „kalte, nüchterne Machtbesoffenheit“. Nüchtern und besoffen? Wie geht denn das? Weiterlesen