Nach dem Handballspiel Hollabrunn gegen Bad Vöslau letzthin gab es eine Schlägerei, lese ich in der Horner NÖN 07/2020 auf Seite 71: Nach dem Heimsieg der Hollabrunner mit 32:27 habe ein Vöslauer Spieler einem UHC-Spieler einen Faustschlag „in den Brust- und Bauchbereich verpasst“ und damit zu Boden gestreckt – Polizeieinsatz – Krankenwagen – Brustbeinprellung. Und dann sagte der UHC-Trainer „Ein Wahnsinn, dass es so einem Spieler wie dem (Namen des Schlägers) passiert“ und ebenso der Obmann, diesem Spieler sei „so was noch nie passiert“.

„Passiert“. Klingt so als ob ein böser Dämon sich der Faust des ahnungslosen Spielers bemächtigt hätte – oder sonst eine Naturgewalt über ihn bzw. seine rechte Gerade gekommen wäre. Im Klartext ein Versuch, die Gewalthandlung mit dem angeblich bisher untadeligen Verhalten des offensichtlich Zornigen zu entschuldigen. Aber jedes Verhalten ist ein erstes Mal – und dass es vorher noch keinen derartigen Ausraster gab, sollte auch keine sein, denn immerhin gab es laut dem Bericht auch keinerlei Provokationen, die die Zornesreaktion nachvollziehbar gemacht hätten – außer man versteht den Sieg der gegnerischen Mannschaft als eine solche. Wo bliebe dann aber die Sportlichkeit, die Fairness? Und wo die Größe, Verantwortung für sein Fehlverhalten zu übernehmen?

Es liegt ein Unterschied darin, ob man etwas aktiv tut oder ob einem etwas passiert.

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Nun wird also überlegt, entnehme ich den Medien (https://www.meinbezirk.at/c-politik/scheidungen-sollen-in-oesterreich-bald-schneller-gehen_a3926964) , die „Scheidung aus Verschulden“ abzuschaffen und nur mehr einvernehmlich oder strittig („Zerrüttung“ besteht ja immer) gelten zu lassen – weil ohnedies die meisten Scheidungen einvernehmlich ablaufen.

Das finde ich nicht gut, und zwar aus mehreren Gründen: Die im zitierten Zeitungsbericht angesprochene „Schmutzwäsche“ wird sich dadurch nicht vermeiden lassen – denn sie hat weniger strategische Gründe (z. B. um Unterhalt für den „schuldlosen“ Teil „herauszuschlagen“), als viel mehr emotionale Bedürfnisse nach Wiedergutmachung des seelisch zugefügten Leids – und zwar nicht nur für die Vergangenheit sondern auch für die Zukunft. Erfahrungsgemäß verschlechtert sich für den finanziell schwächeren Teil (fast immer Frauen) nicht nur meist die materielle Lebenssituation, sondern auch die soziale: Während geschiedene Männer fast immer mit offenen Armen im (verheirateten) Freundeskreis aufgenommen werden, gilt dies für Frauen selten. Aber dies alles ließe sich durch Mediation lösen: Eine gelungene Mediation mündet in einem Vertrag – wie ich immer sag / schreibe: „Sich vertragen heißt Verträge schließen!“ – allerdings bleibt offen, ob der dann auch eingehalten wird.

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Ob es „Trauma Bonding“ (https://hilfefueropfervonnarzissten.com/2017/04/26/trauma-bonding/) wirklich gibt, fragte mich vergangenen Donnerstag die profil- Journalistin, nämlich in Verbindung mit dem Prozess gegen Harvey Weinstein, konkret: Dass Frauen, die Klage erhoben hatten, sie wären von ihm zu Sex gezwungen worden, dennoch in „zärtlicher“ Verbindung zu ihm geblieben wären, wie seine Verteidigerin (auch ein strategischer Kniff, eine Frau zu wählen!) vor Gericht vorbrachte.

Ja das gibt es, bestätigte ich aus meiner nunmehr über 50jährigen Berufserfahrung als u. a. Juristin, Sozialtherapeutin und auf Traumata spezialisierte Psychotherapeutin (und auch langjährige Gerichtssachverständige) – aber man müsse differenzieren zwischen dem Stockholm-Syndrom (das beinhaltet, dass die Traumatisierten den oder die Täter nach Beendigung der Gefahrensituation schützen und verteidigen) und dem Schutzverhalten, wenn die Gefahrensituation noch andauert – wie es bei familiärer, sozialer (Nachbarschaft!) oder vor allem beruflicher Abhängigkeit meist der Fall ist.

Bis vor kurzem gab es ja keine Modelle, wie Frauen sich in solchen Krisensituationen Beistand organisieren könnten – nicht nur gegenüber den Tätern sondern auch gegenüber einer verurteilenden Umwelt, die sich mit „Selber schuld!“ mit Mitfühlen distanziert, und auch im Angesicht einer nur unzulänglich (weil nicht interdisziplinär) ausgebildeten Richterschaft. (Meine Vorlesung „Angewandte Sozialpsychologie für JuristInnen“ am Institut für Arbeits- und Sozialrecht, in der ich dies alles behandelte, fiel leider vor vier Semestern universitärem Geldmangel zu Opfer.)

Und dann gibt es noch ein Phänomen, das meines Wissens in der Fachliteratur noch nicht ausführlich behandelt wurde: Weiterlesen

Die ehemalige Botschafterin Eva Novotny (*1944), so konnte man am 12. Februar auf Seite 4 des Kurier sehen, hatte auf Facebook geschrieben: „Ich bin fassungslos über die Berichterstattung zur Justizdebatte in der ZiB 1. Und dann bekommt die Eiskönigin noch ein Forum beim Zentrum.“ Und darunter war eine Facebook-Meldung der ehemaligen Biochemie-Professorin Renée Schröder (*1953) abgedruckt „Bosheit sieht man“. Ja – Bosheit kann man sehen – beispielsweise in diesem 3-Worte-Satz. Von beiden Frauen hätte ich absolute Sachlichkeit erwartet – es gibt ja auch genug an der Justiz zu kritisieren (beispielsweise den dringenden Fortbildungsbedarf der Richterschaft für Sexualstrafverfahren).

Von Eva Novotny – unter Bundeskanzler Kreisky die Paradebotschafterin – hätte ich mir diplomatischen Takt erwartet, und auch Sensibilität gegenüber der Reduktion von Frauen auf ihr Äußeres, immerhin ist sie in ihrer aktiven Zeit ja auch oft kritisiert worden: wegen ihrer für eine Frau ungewöhnliche Größe und dementsprechend mangelnden Grazie. (Ich hatte sie damals als Obfrau des BSA Favoriten als Referentin eingeladen und musste sie nachher gegen die unqualifizierten Kommentare der Genossen verteidigen.)

„Eiskönigin“ – das hatten wir doch schon einmal?! Kleine Gedächtnisstütze: Bei Heide Schmidt (*1948) – solange sie der FPÖ angehörte. Kaum löste sie sich von ihrem „Erfinder“ (was für eine Interpretation!) Jörg Haider, hörte diese peinliche Kritik auf. Jetzt trifft es halt Karoline Edtstadler.

Peinlich deswegen, weil sie ins tiefste Mittelalter gehört, als Menschen mit auffallenden hellen Augen – mit dem „malocchio“, dem „bösen Blick“ – als Hexen oder Hexer verdächtigt wurden; man machte dann heimlich „die Hörner“ – eine Art umgekehrter „Wolfsgruss“, eine halb geschlossene Faust mit weggespreiztem kleinen und Zeigefinger, quasi die Teufelshörner als Abwehrzauber. In manchen bäuerlichen Gegenden im südlichsten Italien soll das  angeblich immer noch Brauch sein.

Peinlich aber auch deswegen, weil es zeigt, wie wenig physiologisches Wissen selbst hochgebildete Menschen besitzen: In den Augen – den „Spiegeln der Seele“ – zeigt sich die aktuelle Stimmungslage, sprich chemische Botenstoffausschüttung im Gehirn, und die ist eben anders, wenn man konzentriert arbeitet oder – weil heute Valentinstag ist – mit seinen Herzallerliebsten flirtet. Gilt für alle Geschlechter! (Ich vermeide bewusst das Wort „beide“.)

Ganz im Gegenteil: Ich finde es angenehm, wenn PolitikerInnen nicht künstlich auf Charme machen, um die Wählerschaft zu manipulieren. Man darf und soll auch sehen, dass sie denken – und wenn man schon die Person kritisieren will und nicht die Sache, dann bitte den so oft hasserfüllten Blick von Herbert Kickl.

Ob ich Donald Trump für einen Narzissten halte – oder gar Mahatma Gandhi oder Martin Luther King, fragte mich der Journalist, weil sie doch unentwegt in die Öffentlichkeit drängten? Nein antwortete ich (nachzulesen in der heutigen Furche): Gandhi war Rechtsanwalt, King war Pastor, beide Berufe qualifizieren ihre Angehörigen dazu, überzeugende Reden zu halten – das sei ja wesentlicher Bestandteil dieser Profession, weswegen man sie bezahle. (Außerdem sollte man auch bedenken, dass beide eine „Prophetenberufung“ hatten – nämlich Ungerechtigkeiten aufzuzeigen – und dass sie ihr Risiko, ermordet zu werden, kannten – es gab ja genug Drohungen! Einen Narzissten würde das abschrecken und zu einer mehr oder weniger eleganten „Risikoverschiebung“ anregen – aber das würde man schlussendlich erkennen und ihm übel nehmen.)

Bei Trump beobachte ich nicht das typische narzisstische Lächeln (wie bei Boris Johnson) und die triumphierende Freude an der eigenen Überlegenheit, das Runtermachen anderer (wie bei Nigel Farage). Trump zeigt typische Anzeichen von Anstrengung, Kraft darzustellen, seine Atmung ist gepresst, sein Blick leer, seine Mundwinkel sind beleidigt herabgezogen, seine Gestik ist stereotyp – so etwas ist nicht antrainiert, sondern enttarnt sich als Haltung, nicht genug Anerkennung zu erhalten (und die wird gleich auf das ganze Land verschoben: to make America great again) – aber das würde ich nicht als narzisstische Dauerkränkung pathologisieren, sondern als Verbitterung verstehen – vielleicht wegen des Alterns? Wegen befürchteter Enttarnung als Popanz?

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