Nunmehr lese ich fast täglich in den Salzburger Nachrichten mehr oder weniger feindselige Kommentare zu der Forderung, Straßen und Plätze und noch mehr umzubenennen, wenn der Namensgeber eine „NS-Vergangenheit“ aufgewiesen habe – was auch immer jemand darunter subsummieren will. (Heute etwa steht darin, dass sich Uni-Historiker mit den KollegInnen solidarisch erklären, die den der Debatte zu Grunde liegenden Bericht verfasst haben, weil der ÖVP-Bürgermeister Zusatzinformationen im Stadtplan für ausreichend hält und außerdem angeblich einem einzigen parteinahen Historiker sein Gehör schenken will – für mich nur ein Einschüchterungsversuch mittels medialer Mini-Öffentlichkeit.)

Das Grundproblem bleibt nach wie vor im Dunkeln – und dabei ist es die Ursache vieler Erkrankungen wie auch Delikte: Einen Menschen auf irgendein Detail seiner / ihrer Vergangenheit hin zu „etikettieren“ und damit ins Out zu drängen. In der Schule heißt das Bullying, anderswo Mobbing, Bossing, Staffing … nur für die Politik gibt es noch kein Code-Wort. Damit würde nämlich dieser Stil aus der behaupteten „Vergangenheits-Bereinigung“ herausgehoben und als das gezeigt, was er eigentlich ist: eine Anpatzerei.

Mich erinnert das auch an den Psychiater-Witz, in dem einer auf einer Party fragt, „Herr Doktor – bin ich verrückt?“ und der antwortet, „Kommen Sie in meine Ordination – ich werd‘ schon was finden!“

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Eigentlich sollte im Deutschunterricht bereits Achtsamkeit auf Wortwahl nicht mit dem Ziel poetischer Ästhetik vermittelt werden – ich hoffe, diese Herausforderung gilt noch? – sondern vor allem auf die Wirkkraft von Autosuggestionen. So lese ich etwa im heutigen Kurier auf Seite 31 (Artikel „Wie Hypnose das Sexleben verbessert“) den Satz: „Einsam nur zu masturbieren, das macht zwar satt, schadet aber dem Appetit auf einen realen Partner“. Und dann sagt die interviewte Ärztin und Hypnose-Psychotherapeutin: „So wie beim gierigen Runterschlingen einer Speise wird viel konsumiert, es macht aber nicht glücklich“.

Nun stimmt es schon nicht, dass Masturbation satt macht – außer man verwendet das Wort „satt“ im Doppelsinn von „angespeist“. Und wenn man eine Speise runterschlingt, heißt das noch lange nicht, dass es gierig geschieht und auch, dass es viel sein wird: Essgewohnheiten werden oft schon im Elternhaus geprägt, beispielsweise wenn immer Zeitdruck vermittelt wird, egal aus welchen Gründen, und es nie die ausgleichende Balance z. B. eines Buffets gibt, das nicht gleich abgeräumt wird und von dem man sich immer wieder nachnehmen kann.

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Der 29jährige dänische Spitzenfußballer Christian Eriksen ist während des Europa-Matches kollabiert – Ursachen noch unbekannt – aber bekannt ist, wie das Bemühen der Nothelfer „ausgesehen“ hat. Das wurde nämlich ausführlich im ORF gezeigt.

Seit ein, zwei Jahren wird die „Schaulust“ von Passanten kritisiert, die bei Autounfällen oder Zusammenbrüchen von Menschen auf offener Straße nur glotzen oder Selfies machen, die Einsatzkräfte behindern und auf Kritik nur „verlegen“ – ein behübschendes Eigenschaftswort! – lachen, dabei ist es eigentlich eine besondere Form der strafrechtlich relevanten „Unterlassung der Hilfeleistung“: § 95 StGB (Strafgesetzbuch), Unterlassung der Hilfeleistung – JUSLINE Österreich

Nun frage ich mich jedes Mal, wenn ich auf Facebook die selbstgemachten Dokumentationen fremder Unglücksfälle sehe: Liegen die Filmer auf der Lauer? Wieso helfen sie nicht anstatt zu filmen? Oder haben alle Überwachungskameras und delektieren sich an der Not anderer? Und warum stellen sie das dann öffentlich? Um andere einzuladen, genauso zynisch, grausam und menschenverachtend zu reagieren wie sie? Oder sind sie nur durch das ihnen selbst – vielleicht sogar von ihren Eltern oder Geschwistern – als „lustig, lustig“  angetane Leid abgestumpft?

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Die vergangenen Tage haben ein österreichisches Un-Sitten-Bild aus den Tiefen menschlicher Seelen bzw. Chats aufsteigen lassen, dass leider dem von Jan Böhmermann entspricht, über das er so gerne im ZDF witzelt (obwohl es diese Häme genauso in Deutschland gibt, ich erinnere mich an den sozialen Mordversuch an Gabriele Pauli).

In Johannes 8, 7 spricht Jeus die mahnenden Worte: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Daraufhin gehen die Pharisäer hinweg, und Jesus sagt zur Ehebrecherin, „Geh hin und sündige nicht mehr!“

Steinigen ist Mord, egal, ob es ein (von Menschen gemachtes) Gesetz verlangt, oder dem Hass eines „Kain“ entstammt – einem Hass auf solche, die als beliebter, klüger, erfolgreicher, mächtiger angesehen werden, oder von denen man sich ungerecht behandelt fühlt (ob es nun stimmt oder nicht). Ich habe in den letzten Jahren viele SpitzenbeamtInnen als Coach, Supervisorin oder Therapeutin betreut, die von neidischen Untergebenen oder Kollegen in Krankheit bzw. Berufsunfähigkeit gemobbt wurden. Nur wenige konnten sich „ins Ausland retten“. Österreich hat dadurch viel intellektuelles Potenzial verloren.

Der international hoch angesehene, in Österreich (wohin der Deutsch-Amerikaner der Liebe wegen übersiedelt war) weitgehend ignorierte Pädagoge Frederick Mayer (1921–2006) sagte immer, „Der Neid – das ist die österreichische Krankheit“. Neid kann krebsartig bis zu Hass auswuchern.

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Ein Journalist hatte mich angerufen und mir ein „ordentliches Honorar“ angeboten, wenn ich für sein Blatt einen Kommentar zu den Chats aus der ÖBAG-Spitze schreiben würde.

Ich habe kurz geschwankt … das hat der erfahrene Medienmann gemerkt und gekonnt begonnen, Empörung zu schüren … aber ich habe dennoch abgelehnt – und das möchte ich hier begründen.

Ich kenne ja das Sprichwort, „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“ – aber ich will nicht spotten, schon gar nicht öffentlich, das überlasse ich den echten, den Berufskabarettisten, die haben den professionellen Humor, dass es witzig ist und nicht bloß aggressiv und überheblich.

Aggressiv und überheblich empfinde ich diese nunmehr veröffentlichten SMS und Chatverläufe ja auch – aber das regt mich nicht (mehr) auf: Die dahinter liegende Denkweise kenne ich nur zu gut, vor allem auch von Spitzenpolitkern der Partei, die ich 62 Jahre meines Lebens unterstützt (und wegen zunehmend frauenfeindlicher Äußerungen verlassen) habe, und auch von dem einen oder anderen „Spindoktor“ aus den 1980er Jahren (wobei es diese Bezeichnung damals noch nicht gab), Freunde meines Ehemannes, die, wenn sie aus den USA kurz mal nach Österreich kamen, in unserem Wohnzimmer saßen und „launig“ berichteten, wie sie ihre künftigen Ränke (Stichwort Waldheim) schmieden wollten.

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Die Neos fordern ein Verbot der „Konversionstherapien“, mit denen homosexuell l(i)ebende Menschen angeblich auf heterosexuell umgepolt werden können (Der Standard, 01.06.2921, S. 10). Für mich fällt das wieder mal unter „Dornröschen-Syndrom“: Spindeln verbieten, damit sich Dornröschen nicht daran stechen kann – und dann passiert ihr das doch. Aufklärung wäre besser.

Psychoanalytisch gesehen sind wir alle „multisexuell“ – wir tragen in uns alle Optionen, in wen wir uns verlieben und wie wir einander nahekommen, und das kann sich im Laufe des Lebens ändern, nicht nur in Richtung Coming Out als schwul oder lesbisch, sondern auch umgekehrt. Ich lernte im Laufe meiner über 50 Jahre beratender und psychotherapeutischer Berufspraxis einige schwule Männer kennen, die sich zu ihrem eigenen Erstaunen (und auch Sorge vor Entdeckung in der gay community) in eine Frau verliebt, diese auch geheiratet, und dann manchmal wieder mit Männern „betrogen“ hatten; die Wiener Schriftstellerin Karin Rick hat diesem Wandel-Thema weiblicher sexueller Orientierung sogar ein ganzes Buch gewidmet, „Der Rückfall“ (Wiener Frauenverlag).

Was macht es manchen Leuten so schwer zu respektieren, dass sexualmündige Menschen (mit 14 Jahren und großjährige sowieso) ihr Sozial- und Sexualleben selbst bestimmen? (Wobei ich bei der Silbe „sexual“ primär die Geschlechtsidentität anspreche, nicht die variablen Praktiken; staatlich wird sie nunmehr nicht nur als männlich und weiblich zur Kenntnis genommen, sondern auch eine dritte Option zugelassen; in anderen Kulturen gibt es sogar noch mehr Möglichkeiten!)

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Gestern, Donnerstag, 27. Mai, habe ich 6 Interpretationen zum Evangelium des Matthäus 13, 31 – 14, 13 für Radio Klassik aufgenommen. Gesendet wird aber erst in der letzten Juli-Woche.

In Matthäus 13, 54 kommt Jesus in seine Vaterstadt und als er dort zu lehren und heilen beginnt, fragen manche, vermutlich aggressiv, Woher hat er denn das? Wo er doch „nur“ der Sohn des Zimmermanns ist? Und nicht, ergänze ich, der Sohn eines Edlen, Lehrers, Arztes oder Priesters? (Von dieser Bibelstelle stammt auch der Satz vom Propheten, der nichts im eigenen Land gilt.)

Bekannt?

Ich nenne das das Aschenputtel-Syndrom: Erst die Erbsen, dann die Linsen, dann die Bohnen … dann vielleicht … aber dann doch lieber noch lange nicht.

Das haben Frauen jahrhundertelang aushalten müssen, nicht studieren, nicht wählen, nicht außerhäuslich leiten und führen … außer wenn ein Mann mit ihnen sein Geld verdienen konnte (oder sich ersparte).

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Dass es mit der Kindheit zu tun hat, wenn man dauernd an sich zweifelt, wird heute wohl schon Allgemeinwissen sein. Dass man sich aber auch selbst wie Münchhausen am Schopf aus diesem selbstschädigenden Verhaltenssumpf herausziehen kann, werden viele – schon wieder – bezweifeln.

Nun hat die Psychodrama- und Hypnotherapeutin Astrid Bartolot-Zips ein funkelnagelneues Buch geschrieben: „Ich genüge!“ (delta x Verlag) und dabei gleich einige von ihr entwickelte Ansätze vorgestellt: die Yarger-Code und die Klicker-Transformationshypnose. Beide kann man anhand dieses Buches einüben und eben „allein-genügsam“ praktizieren.

Wer in NLP ausgebildet ist, wird manches dabei als bereits bekannt empfinden – nur ein bisschen mit anderen „Techniken“ (vom griechischen techné, das heißt Kunst) angereichert. Aber wie beim 4-Hauben-Koch: Die Mischung und die Würze macht es aus. Und die Grundzutaten!

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Eine Expertenrunde um die zivilgesellschaftliche NGO #aufstehn will das Lueger-Denkmal in der Wiener Innenstadt vom Sockel holen, las ich unlängst auf orf.at, und inzwischen sei mehrmals das Wort „Schande“ auf das Bauwerk gesprayt worden, und Jasmin Chalendi, die Kampagnenleiterin, habe bei einer Pressekonferenz das Ergebnis der siebenköpfigen Kommission mit „Das Ehrendenkmal eines bekennende Antisemiten kann so sicher nicht stehen bleiben“ zusammengefasst. (Lueger-Statue soll vom Sockel geholt werden – wien.ORF.at, 05.05.2021.)

Das hat mich an ein Seminar bei dem derzeitigen Dekan der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Wien, Wilfried Engemann,  erinnert, das den Titel trug „Das kann doch nicht ich gewesen sein“ und in dem wir uns mit Schuld und Sühne auseinandersetzten. (Meine diesbezügliche Seminararbeit „Auf der Suche nach der verlorenen Verantwortlichkeit – Psychotherapeutische Überlegungen zur Selbstkorrumpierung und der reinigenden Kraft der Wahrheit“ findet man auf www.kirchentuer.info unter Texte Theologiestudium.)

Zu den seelischen Abwehrformen, wie sie Anna Freud in „Das Ich und die Abwehrmechanismen“ beschrieben hat, zählen nicht nur die bekannte Verdrängung (dann fehlt jegliche Erinnerung an das Nicht-Bewusstseins-Fähige), oder die Verkehrung ins Gegenteil (man bezeichnet z. B. eine beneidete erfolgreiche Person „unabsichtlich“ als Versager), sondern auch das Ungeschehen-machen (z. B. Vergehen unbewusst durch Zwangshandlungen „löschen“ zu wollen).

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Als ich in den frühen 1970er Jahren – als ich mit meinen Söhnen in Karenz und das Geld knapp war – begann, mit journalistischen und anderen redaktionellen Beiträgen für den Compress Verlag „dazu zu verdienen“, sagte mir der Chef und rückblickend Mentor, ich solle nie das Wort „lügen“ verwenden, denn das wäre der Vorwurf einer strafbaren Handlung und als „Üble Nachrede“ und in der Folge „Ruf- und Kreditschädigung“ strafrechtlich und bei tatsächlichem Schaden auch zivilrechtlich verfolgbar – und das könne teuer werden. Ich solle stattdessen „das ist unwahr“ formulieren.

So genau hatte ich das im Jus-Studium nie gehört, war dankbar, und habe mich seitdem immer daran gehalten.

Beim täglichen Lesen von vier Tageszeitungen merke ich aber, dass sich die Zeiten geändert haben: Da schmeißen manche Nationalrats- oder Landtagsabgeordnete mit dem L-Wort nur so um sich, die Medien „springen auf diesen Zug auf“ und: „So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt“ (Zitat Goethe, Torquato Tasso) – außer man findet das ganz ok – denn wenn daraufhin geklagt wird, müsste die vermutlich absichtlich „schädigende“ Person den Wahrheitsbeweis für ihre Behauptung antreten.

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