Da sah ich unlängst im Fernsehen einen Bericht über Trainings zum Überleben bei langandauernden Stromausfällen oder anderen Situationen, in denen die Errungenschaften der Zivilisation plötzlich weggefallen sind. Dabei kam ein offensichtlich aus Deutschland stammender Trainer zu Wort, der die männlichen Teilnehmer an seinem Überlebenskurs mit Namen ansprach – die einzige Frau hingegen mit „Mäuschen“. Vermutlich wollte er „nett“ sein … oder der Frau vermitteln, dass sie in diesem Herrenklub nichts verloren hat.

Kosenamen haben immer tiefere Bedeutung. Ich erinnere mich etwa an einen Bekannten, der alle seine Geliebten mit „Chérie“ (zu deutsch: Liebling) ansprach – sicherheitshalber. Ich nehme an, dass er auch seine Ehefrau so nannte – so konnte er sich auch nicht im Schlaf enttarnen. Bei Tiernamen hingegen wird es meist peinlich: Sie schreiben Eigenschaften und damit Bewertungen zu. In meinem Buch „Madonna UND Hure“ (aus 1997 und längst vergriffen) habe ich aufgezeigt, dass Männer, wenn sie über Frauen sprechen, diejenigen, die sie als „Jagdbeute“ attraktiv finden, mit Namen von Wildtieren oder zumindest dem „epitheton ornans“ („schmückendem Beiwort“) „wild“ kennzeichnen, die uninteressanten hingegen mit denen von Haustieren.

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In meinem Buch „Heilkraft Humor“ habe ich versucht, die wesentlichen verschiedenen „Äußerungen“, die als witzig verteidigt werden, zu differenzieren, und dazu in Erinnerung gerufen: Schon Sigmund Freud hat in seiner diesbezüglichen Abhandlung Witze als tendenziöse von nicht tendenziösen unterschieden. Erstere wollen beschädigen, verletzen, vielleicht sogar sozial vernichten – letztere hingen sind „nur“ lustig ohne tiefere Bedeutung, oft sogar albern (wie beispielsweise die seinerzeitigen Häschen-Witze).

Schwierig wird es bei Satire. In meinem Buch habe ich auf Böhmermanns Erdogan-Lied Bezug genommen, das ich extrem geschmacklos gefunden habe. Ebenso finde ich die Aufforderung „Tötet Baby-Hitler“, nämlich Sebastian Kurz, extrem degoutant. (Und die Verteidigung, das wäre klarerweise keine Hetze, weil Mord ja verboten sei, erweist sich als Beleidigung für die Intelligenz des Publikums, das ja tagtäglich von Morden liest und hört.)

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Die ehemalige Nationalratsabgeordnete der Grünen Sigi Maurer ist also (nicht rechtskräftig) wegen Verleumdung verurteilt worden, weil sie den Wahrheitsbeweis nicht antreten konnte, dass ihr Kläger der Urheber des kotz-ordinären Mails war (siehe mein „Brief gegen Gewalt“ Nr. 37 vom 10. Juni 2018), das sie über Facebook veröffentlicht hatte – denn Facebook gilt als Medium (Öffentlichkeit!), daher wird Medienrecht angewendet.

Als ich 1991 von Ernest Borneman wegen übler Nachrede, Kreditschädigung etc. geklagt worden war, wurde ich in allen Instanzen freigesprochen – in der ersten sogar durch den, wie es hieß, der FPÖ nahestehenden Medienrichter Ernest Maurer (welche Namenszufälle!);  er hatte mir zugestanden, in dem inkriminierten Interview mit der Kulturkritikerin Sabine Perthold als politisch engagierte Frauen- und Kinderrechtlerin gesprochen zu haben und zitierte dazu ein früheres analoges Urteil, das für Peter Michael Lingens mit eben solcher Politberufung positiv ausgegangen war. Ich hatte Borneman als „senil“ bezeichnet – und konnte diese Diagnose zwar theoretisch begründen aber mangels neurologischer Untersuchung nicht praktisch durch den gesetzlich geforderten „Wahrheitsbeweis“ fundieren. Ich denke, diese Argumentation wäre auch bei Sigi Maurer wohlangebracht.

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Vor Jahren saß ich auf einer Schiffsfahrt notgedrungen eng Rücken an Rücken mit einem Mann. Plötzlich tippte mich die links neben ihm sitzende Frau (wesentlich jünger als ich) an und sagte, „Bitte rücken Sie mit Ihrem Sessel zurück – Sie bedrängen meinen Mann!“ Ich antwortete mit der Frage: „Kann Ihr Mann nicht für sich selbst sprechen?“ Daraufhin dreht sich der Mann um – ein bekannter ORF-Korrespondent, der mich vor Jahren sogar einmal interviewt hatte – und entschuldigte sich für die „Fürsorglichkeit“ seiner Gattin.

Daran musste ich denken, als ich das Posting gegen angebliches „Kern-Bashing“ las, mit denen Eveline Steigenberger-Kern ihren Mann muttergleich „befürsorgte“: „Christian Kern-Bashing scheint der neue ö. Volkssport zu sein. Ich bleibe dennoch beim Laufen und Schifahren.“ (https://krone.at/1781560). Sie bleibt dennoch? Hat das etwa irgendjemand von ihr verlangt? Denn andersrum und tiefenpsychologisch gedeutet, drängt sich die Frage auf: Was verursacht bei Frau Steigenberger-Kern die Idee, ihren Ehemann auch „öffentlich beschimpfen“ (so die Übersetzung des Anglizismus laut wikipedia) zu sollen? Hätte sie vielleicht insgeheim Anlass dazu? Etwa weil er ihr zu wenig „ausdauernd“ (auf „laufen“ bezogen ) „sportlich“ kämpferisch (aufs „schifahren“ bezogen) ist? Oder weiß sie nur nicht den Unterschied zwischen Kritik und Schimpf (oder will ihn nicht wissen)?

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„Sollen Menschen, die sich in Umweltverfahren engagieren, zwangsweise vor den Behörden ,geoutet‘ werden?“, fragt Andreas Koller in den Salzburger Nachrichten vom 5. Oktober 2018 (Seite 2), nachdem bekannt wurde,  dass künftig Umweltorganisationen nur mehr Parteien- und Beteiligtenstellung in Umweltsverträglichkeitsprüfungsverfahren besitzen sollen, wenn sie über 100 Mitglieder haben, und außerdem deren Namen und Adressen offengelegt werden sollen. Dass dies den neuen Datenschutzrichtlinien widerspricht, werden wohl alle erkannt haben, die personenbezogene Daten „verwalten“ (d. h. in ein geordnetes System gebracht haben). Dagegen protestiert haben bereits Berufenere als ich.

Was mich daran stört – und worin ich eine Form von struktureller Gewalt erblicke – ist die Vorschreibung einer Quantität von Mitgliedern. Das bedeutet nämlich im Umkehrschluss, dass einer Organisation, die aus einer Minderzahl von Experten, sagen wir etwa fünf Biologen, gebildet wurde, die Mitsprache schlicht verweigert wird, hingegen eine Hundertschaft von Bergsteigern die Kompetenz zugesprochen wird (wobei in dieser vermutlich auch nur fünf Experten das fachlich fundierte Sagen hätten – nur „Meinungen“ haben viele, wie dieses Wort ja schon vom Ursprung her aufdeckt).

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Mit großem Interesse habe ich die ORF-Berichterstattung vom niederösterreichischen SPÖ-Parteitag in Schwechat verfolgt – und war entsetzt. Da rief doch die designierte Parteivorsitzende und damit auch Oppositionsführerin Dr. med. Pamela Rendi-Wagner eine Kampfansage ins Publikum und nannte dabei die derzeitige Regierung „asozial“.

Damit kein Missverständnis entsteht: Mir ist klar, dass einige Regierungs-Vorhaben nicht dem entspricht, was die SPÖ als sozial bezeichnet wissen will – trägt sie doch das programmatische Wort in ihrem Namen: „sozial-demokratische“ Partei. (In der Zeit, als ich Mandatarin der SPÖ war, hieß sie noch „sozialistische“ Partei Österreichs.) Auch die Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (NSDAP) beanspruchte diese Bezeichnung für sich. Allerdings besteht ein Unterschied, wenn einem Begriff die Endsilbe „-istisch“ angefügt wird: Dann will man auf eine Steigerung, Übertreibung oder Verzerrung hinweisen. Biologisch ist beispielsweise etwas anderes als biologistisch. Und auch zwischen human und humanistisch besteht solch eine Differenzierung.

Wenn sich daher eine Partei beispielsweise als christlich-sozial bezeichnet, ist das eine andere Selbstdarstellung als würde sie sich christlich-sozialistisch nennen … und dann kann man überprüfen, wie weit ihre Programme und Handlungen der christlichen Soziallehre entsprechen. Das setzt allerdings einen Dialog voraus (der dringlich und sinnvoll wäre) – nicht aber einseitige Etikettierungen.

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Über 3.600 nachgewiesen missbrauchte Kinder und Jugendliche (die meisten unter 14 Jahren) bei über 1.600 Klerikern (ohne geschätzte Dunkelziffern), das ist die erschütternde Anzahl von sexuellen Übergriffen, die eine neue Studie im Auftrag der deutschen Bischofskonferenz zu Tage brachte. Von den Forschern wurde dabei eingemahnt, dass die Thematik weiter bearbeitet gehöre – vor allem seien die kirchlichen Machtstrukturen, die Verpflichtung zur Ehelosigkeit wie auch der problematische Behandlung von Sexualität und besonders Homosexualität in der Kirche zu hinterfragen. (https://www.abendblatt.de/politik/article215410889/Katholische-Kirche-stellt-Studie-zu-sexuellem-Missbrauch-vor.html)

Dass in straffen Hierarchien viele Filter das Aufsteigen von beschämenden Informationen aus dem Untergrund in die Höhen interner oder externen Öffentlichkeit be- bzw. verhindern, betrifft allerdings nicht bloß die „Institution“ Kirche – das fängt schon in der „Institution“ Familie an. Deswegen braucht es ja Orte des Vertrauens, wo man sich furchtlos äußern kann. Genau diesen Ort stellt die katholische Männerkirche nicht dar – dabei wäre jeder Ort der Seelsorge (im weitesten Sinn) die richtige erste Zuflucht – wie auch Arzt- oder Psychotherapie-Praxen, Beratungsstellen und viele andere Gewaltschutzeinrichtungen. Nur: Auch dort können Wölfe im Schafspelz sitzen. Oder anders formuliert: Männer, die ihre (sexuelle) Männlichkeit nicht kontrollieren (können oder wollen).

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„Der Preis für Macht und Autorität ist das Ablegen von Weiblichkeit“, wird die Politikforscherin Kathrin Stainer-Hämmerle im Kurier vom 25.09.2018, Seite 2, zitiert, und: „Dass eine Frau in einem Kleid auf der Bühne steht und ruft ,Alle mir nach!‘ widerspräche den gängigen Vorstellung einer Führungsfigur.“ Diesen Behauptungen widerspreche ich sehr energisch – denn mit genau solchen Sätzen werden Legenden gebaut.

Offensichtlich ist der Forscherin das berühmte Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“ von Eugène Delacroix (1798–1863) nicht im Sinne: Da ist die Freiheit als barbusige Frau dargestellt, die den Männern voran geht. Sie „führt“. Weiblicher geht wohl nicht mehr … und wenn man in dem Buch „Symbole der Macht – Macht der Symbole. Die Französische Revolution und der Entwurf einer politischen Kultur“ der kalifornischen Geschichtsprofessorin Lynn Hunt (* 1945) dazu nachliest, weiß man auch, warum. Hunt schreibt über die vielen Darstellungen der Figur der „Freiheitsgöttin“: „Wie eine Heilige der Gegenreformation stand sie für die Tugenden, die von der neuen Ordnung so sehr herbeigesehnt wurden: die Überwindung von lokaler Beschränktheit, Aberglauben und Partikularismus im Namen eines disziplinierten und universellen Kultes.“ (Seite 82.)

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Es war einmal … ein Bundeskanzler, der hielt Stellung trotz Dialyse. Eine Gesundheitsministerin, die führte ihre Geschäfte trotz Chemotherapie. Ein Außenminister, der führte Österreich in die EU trotz schwerster Parkinson-Symptome. Ein Nationalbankpräsident, der lenkte Österreichs Währungspolitik trotz Schlaganfall, Aphasie und Rollstuhl. Menschen mit Verantwortungsgefühl eben.

Es gibt aber auch Menschen, die steigen aus, wenn es für sie nicht mehr stimmt … und wagen sich in eine unsichere Zukunft hinein. Aber sie bestellen vorher ihr Haus. Franz Werfels Novelle vom „Tod des Kleinbürgers“ fällt mir ein, der sein schwindendes Leben hinauszögern will, damit seine Frau in den Genuss seiner Versicherungsprämie kommen kann…

Und dann gibt es Menschen, die schmeißen alles hin, wenn es sie nicht mehr freut. Weiterlesen

Wie kommt es, dass manche Leute wildfremden Anrufern Geld oder kompromittierende Sexfotos von sich selbst anvertrauen, wurde ich unlängst gefragt. Weil sie es schaffen, ihre Ausbeutungs-Opfer in bestimmte Gefühlszustände zu versetzen, lautete meine Antwort, und: Weil viele Leute „Höflichkeit“ höher wertschätzen als Mißtrauen, Zögerlichkeit oder Widerstand.

Es sind vor allem Personen mit altertümlich klingenden Vornamen, die sich diese Telefongaukler heraussuchen, um ihnen Angst zu machen, ihrem Kind oder Kindeskind drohe eine Anzeige und nur sie als vermeintliche Polizisten könnten dies abwenden. Andere geben sich als Inkassobeauftragte aus und behaupten forsch bei Jüngeren, sie hätten eine offene Rechnung einzutreiben. Oder man hätte ihr Auto beschädigt … oder den Gartenzaun … Es geht immer darum, psychischen Druck auszuüben und das gelingt, wenn man der anderen Person so ungute Gefühle macht, dass sie alles tut, um aus dieser Bedrängnis (strafrechtlich je nach Wortwahl: Nötigung oder Erpressung) herauszukommen.

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