Der wohl wichtigste Grundsatz in den meisten Psychotherapieschulen lautet „bedingungslose Akzeptanz“ und bedeutet, dass die „Seelenbegleiter“ bewusst – und hoffentlich irgendwann „automatisch“ – auf die alltagsübliche Reaktion verzichten, andere zu bewerten.

Den meisten Menschen ist dies ja nicht bewusst, so sehr sind sie aus ihrer Kindheit gewohnt, mit Absolut-Setzungen wie „Du bist schlimm!“ oder „faul“, „stur“ bzw. „lieb“, „fleißig“ oder „brav“ innerhalb einer Bandbreite von unerwünschtem und erwünschten Verhalten „etikettiert“ zu werden. Dabei wird der Unterschied zwischen dem „gewordenen“ Sein einer Person und ihrem aktuellen „gewählten“ Verhalten verwischt.

Eine Person ist aber viel mehr als ihr augenblickliches Verhalten, denn dieses könnte sie ja auch ändern – wenn man sie darum bittet (und ihr auch gute Gründe dazu anbietet) – und wenn sie auch „weiß“, wie man das macht. Das lernt man üblicherweise dann an seinen Vorbildern, wenn die nicht nur „tun“ sondern auch ihren Denkvorgang erklären. Das nennen wir dann Anleitung. Leider wählen die meisten – privaten wie professionellen – Erziehungspersonen die Befehlsform ohne Anleitung zu geben oder gar Strafen „im Nachhinein“ Weiterlesen

Wie den Ängsten von Kindern begegnen, wenn sie fürchten, ihre Eltern mit dem Corona-Virus anzustecken, wurde ich von der Journalistin gefragt, und ich schlug vor, beispielsweise demonstrativ Pflanzen als Distanz- und Schutzzeichen zu platzieren – Methode „Dinner in the castle“. Aber die Aerosole seien doch im ganzen Raum und das stundenlang, protestierte sie sofort empört, und ich merkte an ihrer Atmung, dass sie mich jetzt für eine verrückte Esoterikerin hielt. (Die Plastikschilde in kleinen Bankfilialen – wie etwa meiner – kamen ihr aber nicht in den Sinn!) Ich erklärte ihr daher, dass es nicht um einen „Kampf gegen virale Windmühlen“ ginge, sondern um ein Ritual als Hilfe zur Autosuggestion – und dass dies die Immunkräfte stärke (denn auch wenn dies von Skeptikern als „magisches Denken“ oder bestenfalls Placebo-Effekt abgetan würde, sei die Wirkung mit Blutanalysen aber auch mittels bildgebender Verfahren sichtbar, daher „naturwissenschaftlich“ nachweisbar, zu machen.

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Immer wenn man etwas von sich gibt, gibt man etwas von sich, lautet ein Grundsatz in der Kommunikationswissenschaft – und ebenso in der Psychotherapie. Wenn man den Inhalt meiner bisher rund 65 Bücher (und vieler anderer Texte) darauf hin überprüft, kann man erkennen, was mir am Herzen liegt – aber genau so auch daran, was ich auf Facebook teile. Es sind meist Statements, die ich unterstützen will – und meine Begeisterung für klassischen Tanz und klassische Tänze.

Nach der Wiener Terrornacht postete jemand den rot-weiß-rot eingefärbten Eiffelturm. Das hat mein Herz berührt und ich habe das Bild öffentlich weiter geleitet (wie auch kurz darauf das ebenso beleuchtete Foto des Rathaus von Sarajewo.) Ein Mann hat daraufhin zu dem Paris-Foto „Paris scheint ein fake zu sein“ kommentiert. (Viel später habe ich in einer anderen Kommunikationsleiste gelesen, dass es von einem Fußball-Event stamme.) Ich habe darauf geantwortet: „Ob fake oder nicht, ist hier doch egal: Wichtig ist die gute botschaft (eu angelion), und dass sie wirkt“. Darauf hat eine Frau – Berufschullehrerin! – gekontert: „Nein, das ist nicht egal.“ Und kurz darauf nachgesetzt „Außer du heißt Trump.“

Auf den sinnverwirrten letzten Satz mag ich nicht eingehen, weil das nicht meiner Ethik entspricht (ich war nur überrascht über dieses „Niveau“ einer, wenn auch nur Berufsschul-, Pädagogin).

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Seitdem Covid-19-Infektionen als Pandemie erkannt wurden und die Maßnahmen der Bundesregierung für die meisten Menschen eine gravierende Veränderung ihres gewohnten Lebens bedeutet hat, häufen sich mediale Schlagzeilen zu „psychischen Folgeschäden“ von Einsamkeit – oder umgekehrt Dichtestress. Solche Artikel haben Suggestivwirkung: Sie verstärken Augenblicksstimmungen und haben damit die Tendenz, erlerntes Hilflosigkeits- oder Protestverhalten zu verfestigen. Wichtiger wäre, mehr Überblick über Lernbedarf und Lernmöglichkeiten anzubieten.

Nach der Bedürfnispyramide von Abraham Maslow stehen soziale Bedürfnisse (Kontakte, Austausch, Beistand), aber auch deren Ausgleich durch Rückzug und Ruhe erst auf der dritten Stufe. Vorher – das heißt grundlegender – sind die existenziellen Bedürfnisse (wie die Versorgung mit Lebensmitteln, WC-Papier allerdings nicht unbedingt mitgemeint, denn man kann sich auch auf andere Weise reinigen) und erst danach kommen auf zweiter Stufe die Sicherheitsbedürfnisse.

Die wurden durch den massiven Terroranschlag in der Wiener Innenstadt heute Nacht extrem ins Bewusstsein gehoben Weiterlesen

Seitdem im Versuch, Beleidigungen zu vermeiden (was ziemlich sinnlos ist, denn wie man sich fühlt, entscheidet man selbst, vorausgesetzt man ist sich bewusst, über mehrere Alternativen zu verfügen – und das ist ein Erziehungseffekt!) die Wortschöpfung „verhaltenskreativ“ statt „nervt“ (oder ehrlich: „weiß nicht, wie damit umgehen“) Verwendung findet, wird Kreativität abgewertet. Außer bei erfolgreichen Künstlern oder Wissenschaftlern.

Das finde ich sehr schade – denn die Probleme der Zukunft werden wir nicht mit Pünktlichkeit und Gehorsam, sprich Angepasstheit an militärische Disziplin lösen. (Zur Erinnerung: Als unter Maria Theresia 1774 die allgemeine Unterrichtspflicht – nicht Schulpflicht! Häuslicher Unterricht ist möglich! – eingeführt wurde, waren die ersten Lehrer ehemalige Militärangehörige – und die haben exerziert.) In den Filmen über die Trapp-Familie befleißigt sich Baron Trapp auch solcher Methoden … Inzwischen weiß man, dass auf diese Weise nur derartige Umgangsweisen weiter gegeben werden, nicht aber Inhalte und deren Sinn und schon gar nicht soziale Kompetenzen (ethische mitgemeint).

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In den letzten Tagen häufen sich in meiner Facebook-Wolke die Einladungen, was und wen ich aller liken und welchen privaten Gruppen beitreten möge. (Heute waren es eine „private“ Rendi-Wagner-Fan- und eine Neunkirchner-ÖVP-Gruppe; ich werde weder die eine noch die andere verstärken).

Als ich mir im Februar 2019 aus Forschungsgründen (meine Studie über Bürgernähe in Zeiten der Digitalisierung – die Erstpräsentation wurde Corona-bedingt seit März verschoben und hoffentlich endlich Mitte November öffentlich gemacht) ein fb-Profil zulegte, bekam ich noch alle dieser Einladungen auf meinen privaten account weitergeleitet und konnte so festhalten, wer mich wozu – erfolglos – aufgefordert hat. Plötzlich hörte dies auf – und damit war mir „historischer“ Nachvollzug nicht mehr möglich.

Nun like ich nur, was ich kenne und was mich wirklich begeistert – insgesamt war es bisher sicher unter zehn Mal. Zuerst mailten mich echte Freunde aus der „linken Reichshälfte“ an, die ich wirklich lang und gut kannte – und die genau wussten, was ein Testimonial von mir wert ist, aber auch, dass ich mich mit Rücklegung meines Mandates 1987 „neutralisiert“ hatte, daher bekamen sie keines. Dann folgten immer mehr Fremde, die offensichtlich beides nicht wussten, und die bekamen keines, weil ich weder sie noch ihre Aktivitäten kannte – aber vielleicht haben die einen Messenger-Verteiler, über den alle angemailt werden, die sie da drin haben.

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Ein angeblicher Psychotherapeut soll in Waidhofen an der Thaya zumindest drei Klientinnen „massiv ausgenützt und sich an ihnen vergangen haben“, heißt es im Kurier vom 22. Oktober, und im Standard vom gleichen Tag wird noch darauf hingewiesen, dass dies in Hypnose geschehen sei. Damit sich weitere Opfer melden können, wurde ein Foto des Verdächtigen veröffentlicht.

Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung – aber ebenso der Verdacht auf einen „Serientäter“. Autoritätsberufe, in denen es zu großer seelischer Nähe kommt, sind Übergriffs-gefährdet. Das gilt für Ärzte, Lehrer, Jugendleiter, Kleriker … denen allen der „Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses“ (§ 212 StGB: https://www.jusline.at/gesetz/stgb/paragraf/212) strafrechtlich verboten ist – vielen allerdings nur in einer „Institution“. Rechtsanwälte und Detektive fallen nicht unter diese Regel – dabei sind sie oft in enger Berufsbeziehung zu verzweifelten Frauen, und die Gefahr des „übermäßigen Tröstens“ taucht auch hier auf, oft als Heilmethode maskiert. (So wird nämlich oft rechtfertigt, dass aus Beistand Beilager wird.) Weiterlesen

Der durch sexuelle Herabwürdigung mittels seines Computers – bei bestrittener Urheberschaft – der Grün-Politikerin Sigi Maurer berühmt gewordene „Bierwirt L.“ hat Maurer erneut geklagt, war am Samstag, 17.10.2020, Seite 20, in der Tageszeitung Kurier zu lesen. Er hatte nämlich vom Vorbesitzer seines Lokals und gutem Freund erfahren, dass Maurer diesem, als der sich bei ihr gemeldet hatte, weil er Morddrohungen erhalten hatte (ich vermute, weil irgendwer Alt- und Neu-Besitzer des Lokals verwechselt hat) über Facebook-Messenger geantwortet hatte: „Das tut mit leid. Das wünsche ich nicht einmal diesem Arschloch.“

Auf Befragen der Richterin erklärte der Wirt, das habe ihn „schon“ gekränkt – so der Bericht – und er selbst verwende das A-Wort „nur unter Freunden als Spaß“.

Dass Gewalt sich gerne als Spaß verharmlost, habe ich oft genug geschrieben (etwa auch in meinem Buch „Heilkraft Humor“, edition roesner). Es gibt aber auch eine „legitime“ Empörung, erinnere ich mich an mein Jus-Studium, und die würde eine „Entgleisung“ Sigi Maurers entschuldigen – wenn man davon ausgeht, dass sich alle in „geordneten Bahnen“ zu bewegen hätten. Nur: Die Zeit der vorgegebenen Sprach-Schienen ist vorbei; die Grenze liegt heute in der politischen Korrektheit, auf sexistische (oder rassistische oder ageistische etc.) Attacken zu verzichten. Das A-Wort gehört nicht in diese Kategorie. Es ist schon lange gesellschaftsfähig geworden.

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Fast jeder Mensch hat schon Situationen erlebt, in denen man meint, diese nicht überleben zu können – und meist sind es Verlusterlebnisse: Man verliert etwa eine lebenswichtige Beziehung, Existenzgrundlage, Sicherheitsgefühl, Gesundheit … und Lebensmut. (Das und noch mehr habe ich auch in meinem letzten Buch „Komme was da wolle – Krisenkompetenz“ behandelt.) Manchmal heißt es dann, Auslöser wären „nur“ Hormonschwankungen (besonders in der Pubertät oder im Wechsel), aber auch die kann man als Reaktionen auf veränderte Umweltbedingungen (Beziehungen mitgemeint) verstehen, daher gilt es, diese beiden (!) Veränderungen wahrzunehmen (und nicht zu verharmlosen und schon gar nicht zu dramatisieren). Ich sehe das vor allem auch als dringliche Aufgabe für den Biologie-Unterricht.

Lebensfreude und Lebensmut werden der psychischen Gesundheit zugezählt – deswegen wird erwartet, dass man das einfach von Geburt an „hat“. Beides ist aber ein „Prozess“ – manchmal hat man mehr, manchmal weniger, und manchmal hat man das Gefühl, es schrumpft und wird immer weniger und weniger … Aber alles, was wir „können“ (als Können „haben“) müssen wir lernen – d. h. wir müssen dazu Wahrnehmungsnervenzellen entwickelt haben und auch Handlungsnervenzellen für eben diese Situationen, in denen das bisherige Verhaltensrepertoire nicht ausreicht, um mutig selbst in eine dunkelgraue Zukunft zu schauen. Deswegen spreche ich gerne vom „Wetterbericht der Seele“: Auch das trübste Wetter kann sich plötzlich „aufheitern“, wenn sich die Sonne – unsere „natürliche“ Energiequelle (erinnern wir uns an die totale Sonnenfinsternis 1999, wie kalt und leblos sich die Welt plötzlich angefühlt hat!)  – wieder zeigt.

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Heuer forsche ich in meinem Institut u. a. zur Friedenspädagogik im Kindergarten. Dort muss man nämlich ansetzen, wenn man die ursprüngliche Bereitschaft der Kleinsten, einander zu unterstützen, zu trösten und wertzuschätzen (vgl. Joachim Bauer, „Das kooperative Gen“!) gegen die traditionelle Fehlerziehung zu Konkurrenzkampf aufrecht erhalten will.

Dass das in einer Zeit der globalen Vernetzung, der internationalen Zusammenarbeit und damit der – Lernaufgabe! – gemeinsamen Konfliktbewältigungen die unverzichtbare Basis des Überlebens in einer ausgebeuteten Natur und atombewaffneten Gesellschaft darstellt, sollte wohl allen klar sein … und dass die heutige Durchschnittserziehung dazu nicht ausreicht, auch. Die setzt nämlich immer noch auf Verbote, Drohungen und Strafen – aber dadurch lernt niemand, wie respektvolles Zusammenleben gelingen könnte, sondern man lernt nur wieder verbieten, drohen und strafen (vgl. Alice Miller, „Am Anfang war Erziehung“).

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