Damit kein Missverständnis entsteht: Ich meine mit diesem Leitwort Jugendliche, die Probleme HABEN – nicht aber, dass sie welche machen.

Wenn es jemandem gut geht, ist er oder sie friedlich, weil seine bzw. ihre Grundbedürfnisse befriedigt sind.

Nur aus einem Krisengebiet „weg“ zu sein, entspricht noch lange nicht dem Grundbedürfnis nach Sicherheit, denn der Mensch besteht nicht nur aus einem Körper aus Knochen und Muskeln etc., sondern auch aus Nerven, Bindegewebe und inneren Organen und die reagieren primär, also bevor sich der Gesamtkörper in (Kampf- oder Flucht-) Bewegung setzt. Sicherheit bedeutet, sich geborgen, beschützt und nicht angefeindet zu fühlen.

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„Interessanter und wahrscheinlich auch produktiver ist der Versuch, jene zu verstehen, die Trump und seine europäischen Ideologie-Kumpels überhaupt ermöglichen.“, schreibt profil-Edelfeder Angelika Hager in ihrer nunmehrigen Safari durch die männliche Psyche, „Kerls!“, und führt diskret aus, „die sich damit auch ein Zipfelchen ihrer verloren gegangenen ,maskulinen Energie‘ zurückerobern wollen.“ Aus vielen Recherchen und Interviews mit Experten und Expertinnen weiß sie: „Frauenverachtung, Fusel und Hass auf alles Fremde und Fremdartige dienen als Treibstoff solcher Truppen und zementieren das Zusammengehörigkeitsgefühl.“

Genau auf dieses Zusammengehörigkeitsgefühl – den kritikresistenten Corps-Geist – scheint es Georg Dornauer ja auch angelegt zu haben, als er sich die kranke Tiroler Landesrätin von den Grünen „nicht in der Horizontale vorstellen wollte“ – bruhaha!

Eigentlich trifft dieser – von ihm nachträglich verleugnete – Sexismus aber die eigenen Geschlechtsgenossen, denn denen unterstellt er ja, genau so eine Zipfelchen-Ideologie zu vertreten wie er.

Alle, die einmal NLP-gelernt haben oder zumindest sprachkritisch sind, wissen: Verneinungen sind ein Kunstgriff, wenn man möchte, dass die Botschaft hängen bleibt. Klassisches Beispiel: „Denk nicht an Blau!“ Na – woran haben Sie gedacht?

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„Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“ lautet ein Sprichwort, dessen Quelle sich eigentlich im Neuen Testament – Lukas 6, 45 – findet, nur hat Martin Luther das griechische „aus dem Überfluss des Herzens spricht der Mund“ alltagstauglich eingedeutscht. Allerdings geht der Mund nicht nur aus Herzenswärme über, sondern oft auch aus Unterleibshitzen, wie beim Tiroler SPÖ-Vorsitzenden Georg Dornauer (* 1983), der seinen „Sager“, er wolle sich die kranke Grün-Landesrätin Gabriele Fischer (* 1968) „nicht in der Horizontalen vorstellen“ als ganz unschuldig und gar nicht-sexistisch camouflieren will. Dabei sagt der Satz ja schon, dass er sie sich so vorgestellt hat … und die Verwendung des Wortes „will“ entschlüsselt tiefenpsychologisch, dass ihm dieses geistige Bild offenbar zu oft in den Sinn gekommen ist … Aber vielleicht hat Dornauer auch „nur“ einen ageistischen Mutterkomplex? (Ageismus ist die Diskriminierung eines Menschen auf Grund seines Alters.) Dann ist der Sager aber doppelt sexistisch …

In irgendeinem meiner NLP-Lehrbücher wird auf die Sprachfinte hingewiesen, einem Feind gegenüber zu sagen: „Ich könnte mich ja vor Sie hinstellen und sagen, Sie sind dasgrößte XYZ, das mir je untergekommen ist – aber das tue ich nicht, weil ich Sie ja als ABC (da kommt dann eine falsche Schmeichelei, vielleicht auch was sachlich Korrektes) schätze …“ Der direkte Pfeil aus Wortgebilde und Atem kommt jedenfalls an und verletzt – außer der Andere kennt diesen Trick schon und kontert lachend: „Wie gut, dass Ihnen diese Worte so gar nicht über die Lippen wollten!“

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TeenStar“ ist ein weltweit tätiger Verein, der in Schulen und wo immer sie dürfen, das aus ihrem Blickwinkel „richtige“ Sexualverhalten „lehrt“ – und das entspricht, wie jetzt publik wurde, dem fundamental-katholischen Lehrgebäude des 19. Jahrhunderts: Aus TeenStar-Sicht ist Sex vor der Ehe ebenso abzulehnen wie die Verwendung empfängnisverhütender Mittel, Masturbation schädlich und Homosexualität eine Krankheit, die in einer Kombination von Therapie, Seelsorge und (angeblich unterstützender, tatsächlich kontrollierender) Selbsthilfegruppen „geheilt“ werden kann.

Die an die Öffentlichkeit gelangten Unterlagen seien schon seit Monaten in Überarbeitung, verteidigten sich die TeenStar-Verantwortlichen gegen die Kritik an den wissenschaftlich unhaltbaren Inhalten ihrer „Sexualkunde“ (Salzburger Nachrichten, 22.11.2018, S. 10).

Als langjährige Vorsitzende der Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung, Univ. Prof. für Sexualtherapie und Gerichtssachverständige kann ich nur mehr heftigst gegen diese  mentale Gewalt gegen Kinder protestieren – Kopfschütteln allein ist zu wenig: Denn wenn auch die individuellen Überzeugungen einzelner Personen oder Personengruppen im Sinne von deren Meinungsfreiheit zu respektieren sind, geht es nicht an, Unwahrheiten unwidersprochen zu lassen.

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Und wieder fällt den sogenannten ExpertInnen nichts anderes ein als Strafen – wo doch jedermensch weiß, dass Strafdrohungen noch nie jemand abgehalten hat, verbotene Untaten – es gibt ja auch tolerierte! – zu begehen.

Die einen halten sich für so superschlau, dass ihnen niemand auf die Schliche kommt – die anderen sind so vom Affekt übermannt, dass sie zumindest augenblicklich jeglicher Vernunft entbehren – und wieder andere sind dauerhaft psychisch beeinträchtigt, und dass letzterer Zustand immer mehr Menschen ergreift, zeigte beispielsweise die letzte Statistik der Gründe, deretwegen Jungmänner für den Dienst mit der Waffe untauglich erklärt wurden.

Durch Strafe lernt niemand, wie er oder auch sie sich anders verhalten könnte, sollte oder müsste.

Gewaltprävention ist aber eine Bildungsaufgabe.

Es geht immer darum, bessere, lustvollere als die primitivsten Verhaltensweisen zu erlernen.

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Morgen Dienstag, 13. November, lädt die Bundesregierung zu einem Gipfelgespräch zur Verbesserung gesetzlicher Maßnahmen gegen Hasspostings etc., entnehme ich dem Kurier (12. 11., Seite3). Die problematische Verurteilung der Ex-Abgeordneten Sigrid Maurer zeigt also doch noch Wirkung … (vgl. meine „Briefe gegen Gewalt“ Nr. 37 „Anpöbelung“ vom 10.06.2018 und Nr. 80 „Üble Nachrede“ vom 09.10.2018 unter www.haltgewalt.at).

Als ich 1991 von Ernest Borneman, dem ich vorgeworfen habe, „auf dem Gewaltauge blind zu sein“, wegen übler Nachrede geklagt und durch alle Instanzen verfolgt wurde – noch dazu mit der unwahren Behauptung, ich wäre eine rachsüchtige Ex-Geliebte von ihm – wurde ich immer freigesprochen, in erster Instanz etwa von dem in FPÖ-Nähe gerückten Medienrichter Ernest Maurer, der mir als feministischer Kämpferin gegen Sexismus und Gewalt gegen Frauen unter Berufung auf ein vorangegangenes Urteil, das Peter Michael Lingens betraf, quasi Politikerinnen-Status zusprach.

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„Die vorläufige Suspendierung jener Pädagogin aus Oberpullendorf“ – damit nur ja leicht erkennbar ist, um wen es sich handelt! – „deren Ex-Freund unter ihrem Namen im Internet ein ,Sex-Tagebuch‘ veröffentlichte, wurde von der Disziplinarkommission bestätigt.“, lese ich als kleine Meldung in den Salzburger Nachrichten (06.11.2018, Seite 9), und „Für den Rechtsanwalt der 57jährigen kam die Entscheidung sehr überraschend. Der Jurist will nun Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einreichen.“ Das war der ganze Text. (Dass der Täter sich durch Selbstmord der Justiz entzogen hatte, wurde nicht mehr erwähnt.)

„Wo leben wir denn, in Mitteleuropa oder im Orient? Im 21. Jahrhundert oder im 19. oder gar im 17.?“, frage ich mich, nicht nur überrascht, denn dieses Wort ist viel zu verharmlosend, sondern schockiert, befremdet und empört: Was hat denn diese Frau verbrochen, dass sie suspendiert wird? Sie ist doch das Opfer einer perfiden Abart von Cyberkriminalität. Dafür fehlt derzeit noch ein Fachwort, denn was ihr widerfahren ist, ist mehr als Cybermobbing, mehr als Cyberstalking – es ist sozialer Cybermord. Die Disziplinarkommission macht den Totengräber. Die Logik dahinter gleicht den Ehrenmorden an vergewaltigten Frauen, wie sie aus manchen vorderasiatischen Ländern berichtet werden.

Mir fällt nur eine Antwort für diese grobe Miss-Handlung der Disziplinarkommission ein: Weiterlesen

Von dem Psychoanalytiker Sándor Ferenczi (1863–1933) gibt es einen verschriftlichten Vortrag „Sprachverwirrung zwischen dem Erwachsenen und dem Kind“, in dem er sexuelle Übergriffe so erklärt, dass kleine Kinder in der Sprache der Zärtlichkeit „sprächen“, wenn sie einen geliebten Erwachsenen beispielsweise umarmen oder küssen, aber manche Erwachsene darauf in der Sprache der Leidenschaft und damit unangemessen, grenzüberschreitend und damit letztlich gewalttätig antworteten.

Man kann nunmehr die Frage stellen: Aus welchen Motiven nehmen sich Erwachsene (oder Mächtigere) diese Freiheit oder besser Frechheit heraus? Weil sie unwissend sind, dass sie damit gesundheitsschädlich wirken? Weil sie es so gewohnt sind – vielleicht aus eigenem Erleben anderen das antun was ihnen angetan (und verharmlost) wurde? Weil sie Grenzen austesten wollen? Weil sie glauben, dass sie sich alles erlauben können – und Kinder (oder Schwächere) alles erdulden müssen? Oder weil ihnen andere „wurscht“ sind? Oder weil sie einfach nicht denken wollen? Oder … Motive gibt es viele, welche im konkreten Fall bestimmend sind, kann man nur in der eigenen Reaktion erspüren oder in gezielter Beobachtung erahnen – denn „zugeben“ und sich entschuldigen setzt ja Selbstreflexion und Bekennermut voraus.

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Da sah ich unlängst im Fernsehen einen Bericht über Trainings zum Überleben bei langandauernden Stromausfällen oder anderen Situationen, in denen die Errungenschaften der Zivilisation plötzlich weggefallen sind. Dabei kam ein offensichtlich aus Deutschland stammender Trainer zu Wort, der die männlichen Teilnehmer an seinem Überlebenskurs mit Namen ansprach – die einzige Frau hingegen mit „Mäuschen“. Vermutlich wollte er „nett“ sein … oder der Frau vermitteln, dass sie in diesem Herrenklub nichts verloren hat.

Kosenamen haben immer tiefere Bedeutung. Ich erinnere mich etwa an einen Bekannten, der alle seine Geliebten mit „Chérie“ (zu deutsch: Liebling) ansprach – sicherheitshalber. Ich nehme an, dass er auch seine Ehefrau so nannte – so konnte er sich auch nicht im Schlaf enttarnen. Bei Tiernamen hingegen wird es meist peinlich: Sie schreiben Eigenschaften und damit Bewertungen zu. In meinem Buch „Madonna UND Hure“ (aus 1997 und längst vergriffen) habe ich aufgezeigt, dass Männer, wenn sie über Frauen sprechen, diejenigen, die sie als „Jagdbeute“ attraktiv finden, mit Namen von Wildtieren oder zumindest dem „epitheton ornans“ („schmückendem Beiwort“) „wild“ kennzeichnen, die uninteressanten hingegen mit denen von Haustieren.

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In meinem Buch „Heilkraft Humor“ habe ich versucht, die wesentlichen verschiedenen „Äußerungen“, die als witzig verteidigt werden, zu differenzieren, und dazu in Erinnerung gerufen: Schon Sigmund Freud hat in seiner diesbezüglichen Abhandlung Witze als tendenziöse von nicht tendenziösen unterschieden. Erstere wollen beschädigen, verletzen, vielleicht sogar sozial vernichten – letztere hingen sind „nur“ lustig ohne tiefere Bedeutung, oft sogar albern (wie beispielsweise die seinerzeitigen Häschen-Witze).

Schwierig wird es bei Satire. In meinem Buch habe ich auf Böhmermanns Erdogan-Lied Bezug genommen, das ich extrem geschmacklos gefunden habe. Ebenso finde ich die Aufforderung „Tötet Baby-Hitler“, nämlich Sebastian Kurz, extrem degoutant. (Und die Verteidigung, das wäre klarerweise keine Hetze, weil Mord ja verboten sei, erweist sich als Beleidigung für die Intelligenz des Publikums, das ja tagtäglich von Morden liest und hört.)

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