Efgani Dönmez kanns nicht lassen. Mein Vergleich mit den lykischen Fröschen, die unentwegt weiterquaken (mein Brief gegen Gewalt Nr. 69, „Froschmänner“ s. www.haltgewalt.at, wo alle meine Briefe zu finden sind) vom 03.09.2018) hat sich bewahrheitet … dennoch wirft seine „Aggressivbeschwerde“ gegen „Binnen-I-Feministinnen, welche nicht Informationsarbeit, sondern Erziehungsarbeit, statt Aufklärungsarbeit einseitig verkürzte Meinungen verbreiten“ (www.oe24.at/oesterreich/politik/Wirbel-um-Anti-Sexismus-Trainings/348099137?sc_src=email_1457217&sc_uid=sZOUbgJkX1&sc_llid=3270&sc_eh=a5d69149b3c4f2131)  Licht auf einen Umstand, der es meiner Ansicht nach wert ist, genau diskutiert zu werden: Wie „erzieht“ man „unerzogene Menschen“?

Christine Bauer-Jelinek, gelernte Volksschullehrerin und selbsternannter Wirtschaftscoach (als Psychotherapeutin verfügt sie offensichtlich über keine Zusatzbezeichnung, ist daher keiner „Schule“ zuzuordnen, was ich sehr schade finde, weil damit fachlicher Diskurs über Grundlagen, Sichtweisen und Ziele ausgeschlossen wird) neigt ausbildungsgemäß zu einem pädagogisierenden Stil (wobei ihre „Stundenzusammenfassungen“ am Ende ihrer Buchkapitel ja durchaus hilfreich sind!). Dass das manchen Lernunwilligen nicht recht ist, kann wohl gut nachvollzogen werden. Nur: Jede Lernverweigerung weist darauf hin, dass die „Didaktik“ der Unterrichtswilligen verbesserungsbedürftig ist.

Weiterlesen

Man solle doch nicht alles gleich hochspielen, lassen sich manche professionelle Kommentatorinnen vernehmen (vgl. profil 37/ 08.09.2018, Seite 11), wenn es um den Vorwurf sexistischer Diskriminierungen geht, manche redeten halt gelegentlich „dummes Zeug“. (Interessanterweise kommen solche Abwiegelungsversuche bei rassistischen Entgleisungen nicht vor!)

Ursprünglich nur auf Frauen bezogen, kann Sexismus heute geschlechtsneutral unterschieden werden in einen direkten, in dem Betroffene ohne sachlichen Grund konkret abgewertet bzw. ausgeschlossen werden, und einen indirekten, bei dem die dementsprechende geistige Einstellung maskiert wird – beispielsweise als Kontaktversuch, naive Frage oder Scherz. Allerdings hat schon Sigmund Freud in seiner Abhandlung über den Witz und seine Beziehung zum Unbewussten zwischen tendenziösen, also eigentlich aggressiv auf Verletzung zielenden, und nicht tendenziösen (einfach nur albern-lustigen) unterschieden. Diese Unterscheidung ist auch bei der Bewertung von Sexismus-Vorwürfen hilfreich. (Das steht auch in meinem Buch „Heilkraft Humor“.)

Weiterlesen

Und wieder hat ein Referent des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl (BFA) einen Afghanen, der als Fluchtgrund seine Verfolgung als Homosexueller angegeben hatte, nicht geglaubt, und diesmal deshalb, weil er auf dessen Smartphone keine Homosexuellen-Pornos gefunden hatte (Der Standard, 8./9. 9. 2018, Seite15).

Ich frage: Muss man (oder frau) zum Beweis der geschlechtlichen Orientierung Pornos schauen? Und sich vielleicht an ein Biofeedback-Gerät anschließen lassen, damit der Herr Referent (denn ich vermute, dass es ein Mann war, der sicher ist, dass seine eigenen sexuellen Gewohnheiten „normal“ im Sinne von Alltagsgewohnheit sind, d. h. von allen anderen Männern geteilt werden) an den Reaktionszeichen überprüfen kann, bei welchen Bildern die Erregungskurve des jeweiligen Probanden steigt? (Hoffentlich habe ich jetzt die Mitarbeiterschaft des BFA nicht auf diese menschenrechtsverletzende Idee gebracht – die hatten nämlich schon einige Wissenschaftler.)

Weiterlesen

In Ovids Metamorphosen gibt es die Geschichte von den lykischen Bauern, die von der Göttin Altona in Frösche verwandelt wurden, weil sie ihr das Trinken aus einem See verweigerten – aber sie lernen nichts daraus sondern quaken weiter böse Worte: lateinisch klingt dies lautmalerisch „Quamvis sunt sub aqua, sub aqua maledicere temptant“, d. h. Wort für Wort übersetzt: „Wenn sie auch sind unterm Wasser, unter Wasser übelzureden versuchen sie weiter“. (Das „sub aqua, sub aqua“ ahmt das Froschgequake nach.) Daran musste ich denken, als ich die üble Nachrede – das Übelgequake – des 42jährigen Nationalratsabgeordneten Efgani Dönmez las (https://orf.at/stories/2453419/2453420), indem er auf die Frage, wie die 40jährige, verheiratete Diplompolitologin Sawsan Chebli in Deutschland SP-Staatsekretärin geworden wäre, ätzte, man(n) möge sich doch ihre Knie ansehen (Klartext: Möglicherweise weil sie einflussreiche Männer kniend sexuell bedient habe).

Weiterlesen

Zur Kunst der strategischen Infamie zählen Pejorationen, also Bedeutungsverschlechterungen oder auch Verkürzungen oder winzige Veränderungen eines Wortes oder Namens, aus dem sich eine Abwertung ergibt. Beispiele dafür sind „Gutmensch“ statt „(bewusst) guter Mensch“ oder „Emanze“ statt „(geistig von Mannesdominanz) emanzipierte Frau“ (denn rechtlich sind das alle Österreicherinnen seit der Familienrechtsreform 1975). Wenn solch eine sprachliche „Variation“ aber unbewusst „passiert“, spricht man aus psychoanalytischer Sicht von einer „Fehlleistung“, in der sich das wahre denken Durchbruch verschafft. So soll sich Erwin Ringel bei der Frage, welches Zimmer dem Gastprofessor David A. Jonas zugewiesen werden sollte, mit „Wo werden wir ihn denn umbringen?“ statt „unterbringen“ versprochen haben – und tatsächlich verschied Jonas dann in Wien (persönliche Mitteilung von Gernot Sonneck).

Multitasking bedeutet die Ausführung von zwei oder mehreren Aufgaben zur gleichen Zeit. Man könnte scherzhaft von „Muttitasking“ sprechen – denn für Mütter von Kleinkindern ist das alltägliche Herausforderung: Gemüse putzen, Fleisch braten, Salat zubereiten, nebenbei gleich abwaschen und immerzu Kind/er und womöglich noch Haustiere wie auch Insekten und andere Eindringlinge im Auge behalten … und wenn Eltern oder Göttergatte (und die sind natürlich keine Eindringlinge – oder doch natürliche Eindringlinge? – Achtung! Scherz!) anwesend sind, die auch noch charmant mitbetreuen …

Weiterlesen

Von Christian Morgensterns (1871–1914) Gedichten ist vor allem ein „Palmström-Vers“ bekannt, in dem der Titelgeber von einem Wagen überfahren wird, sich juristisch schlau zu machen versucht und entdeckt, dass dort ein Fahrverbot bestand, er daher den Unfall geträumt haben müsste. Daher schließt das Gedicht mit dem berühmten Satz: „Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.“

An diesen Satz musste ich denken, als ich im Kurier (24.08.2018, Seite 2) las „Anhaltende Kritik: Ein Mann, sieben Funktionen“.  Untertitel: „Harald Mahrer: Rote sprechen von ,Postenschacher‘, Macht des Notenbank-Präsidenten ist relativ“. Dass die SPÖ sich aus welchen Gründen auch immer (Rat der Spin-Doktoren?) entschlossen hat, ihre Oppositions-Rolle leider nur als ewige Nörglerin anzulegen, hat sich im vergangenen Halbjahr der türkis-blauen Regierung deutlich gezeigt: Das will ich als deren Strategie respektieren. Was ich aber nicht unwidersprochen lassen will, ist das Phänomen, worauf sich der Postenschacher-Vorwurf bezieht. Den kenne ich nämlich aus der Zeit, als ich noch Mandatarin der SPÖ war, nur zu gut: Wenn jemand „gefördert“ werden sollte, wurden ihm (nie ihr) viele Funktionen „zugetraut“ (d. h. entsprechend paktiert), damit er möglichst viele Anhänger (d. h. künftige Wählerschaft) gewinnen konnte – wollte man jemand verhindern, egal wie kompetent er war, rief man Postenschacher oder Funktionsvielfraß und unterstellte ihm Karrieregeilheit oder Ärgeres.

Weiterlesen

Vor allem aus dem Bereich von Lehrenden wie vor allem auch Lehrlingsausbilder höre ich immer wieder Klagen, dass die „Jugend von heute“ nicht mehr grüße, nicht mehr pünktlich sei und überhaupt Respekt vor Älteren vermissen lasse. Auf meine Frage, was die Beschwerdeführer dagegen zu unternehmen planten, kommt meist ein unsicherer Blick in die Leere, manchmal noch die zage Frage „Mit dem Jugendvertrauensmann reden?“. Ich schlage dann immer vor, das „Problem“ direkt anzusprechen, als (Fachausdruck) „Selbstoffenbarung“: „Mir ist wichtig, dass wie einander grüßen – und wenn es nur ein Kopfnicken, Lächeln, „Hi“ ist … aber am liebsten wäre mir, wenn Du/Sie mir einen Guten Tag wünscht und umgekehrt.“

Von dem amerikanischen Lyriker und Schriftsteller Robert Bly (*1926), der vor allem durch sein Buch „Eisenhans“ als einer der Väter der „mythopoetischen“ Männerbewegung bekannt wurde (die mit Hilfe von Märchen, Sagen und Mythen Initiationswege zum Mannsein aufzeigen will), stammt auch ein Buch mit dem Titel „Die kindliche Gesellschaft“. Darin schreibt er, die erziehende Stellung der Mutter habe sich ab dem Zeitpunkt verändert, als sich die Unterhaltungsindustrie zwischen sie und die Kinder gedrängt habe, und er bringt ein Beispiel: „Die Musikindustrie erkannte bald, dass sich Riesenprofite machen ließen, wenn jede Generation dazu gebracht werden könnte, ihre eigene Musik zu haben. [ – ] Die Eltern hatten dabei keine Chance. Die Stars der Unterhaltungsbranche waren tausendmal interessanter als die eigenen Eltern. Die Jugendlichen ,verstehen‘ die neue Musik, und bald hören sie nur noch diese. Sechs-, Siebenjährige hören jetzt Rap, dessen Texte offen Hass auf Frauen artikulieren. Tatsächlich beziehen unsere Kinder die meisten Werte aus Musik, Video und Kinofilmen …“ Weiterlesen

Wenn jemand gesellschaftliche Spielregeln bricht (wie US-Präsident Donald Trump bei der Queen https://www.krone.at/1739579), stellt sich die Frage: Macht er das absichtlich um zu zeigen, dass er nichts von Erbmonarchien bzw. gekrönten Häuptern hält – oder ist er nur ungebildet oder unbelehrbar – oder will er das überspielen wie in einem Slapstick? Oder wie in einem Wildwest-Film, in dem der linkische bis ungehobelte Held erst von einer liebenden Frau „gezähmt“ werden muss?

Bei Jugendlichen sind es oft Mutproben wie etwa: Wer traut sich mehr, die Lehrerschaft zu provozieren? In Filmen finden das viele Zuseher lustig (weil späte Rache an eigenen Schultyrannen) – aber wenn dann der eigenen Nachwuchs aktuell vor dem Schulverweis steht, meist nicht mehr … (In der von mir konzipierten PROvokativmethode gilt es, mögliche „Kampfangebote“ in „Spielangebote“ umzudeuten nach dem „homöopathischen“ Motto „Verhaltensauffällige Schüler brauchen verhaltensauffällige Lehrer“).

Weiterlesen

Das schlechte Benehmen von Touristen wird immer mehr zum Aufreger, schreibt Birgitta Schörghofer in den Salzburger Nachrichten (25.08.2018, S.20), zitiert aber auch Kritiker der Unarten von Einheimischen. Ich kann mich noch gut an eine Flugbegleiterin erinnern, die bei mir Lebens- und Sozialberatung studierte, und sich über die lautstarken Anpöbeleien alkoholisierter österreichischer Fluggäste beklagte: „Ich habe mich meiner Landsleute geschämt – das ist doch keine Visitenkarte für unser Land!“

Ich spreche bei solchen – wohlwollend formuliert – Grenzverkennungen von umgekehrter Vogel-Strauß-Politik: Man wähnt sich in der Anonymität nicht erkennbar (und belangbar) – so wie Zweijährige ihren Kopf in Mutters Rock verstecken (oder hinter elterlichen Hosenbeinen). Und auf dieses Alter regredieren ja auch viele Menschen unter Alkoholeinfluss, lallen und schlagen um sich (zappeln) wie ein Kind, bevor es sprechen und seine Muskeln beherrschen gelernt hat. Besonders die Schließmuskulatur:  Im August 2011 pinkelte Obelix-Darsteller Gérard Depardieu in den Gang eines startenden Flugzeugs (https://www/sueddeutsche.de/leben/gerard-depardieu-pinkelt-in-flugzeug-ich-will-pinkeln-ich-will-pinkeln/1.1132046). Üblicherweise werden kleine Kinder im Laufe des dritten Lebensjahres von selbst sauber – und lernen auch zu fragen, wenn sie sich etwas nehmen wollen, und zu danken, und zu grüßen … wenn sie Vorbilder haben und wenn sie „gut ankommen“ wollen. Heute fehlt oft beides. Nur zu nörgeln, „Das gehört sich nicht!“ ist zu wenig – da lernt man nichts.

Weiterlesen

Üblicherweise wird jemand als Nestbeschmutzer bekrittelt, der wagt, Unregelmäßigkeiten in der Familie, im Betrieb oder im eigenen Staat öffentlich zu machen. Loyalität, Corpsgeist – ich nenne es „Krähensolidarität“ (denn eine hackt der anderen laut Volksmund kein Auge aus) – gilt als hoher Wert.

Andersrum wird wiederum Außenstehenden Kritikberechtigung abgesprochen – selbst wenn sie nur eine Beobachtung darstellt und keine Wertung.

Derzeit wird Österreichs Botschafterin in der Schweiz, Ex-Außenministerin Ursula Plassnig, z. B. von der Basler Zeitung als „Verwirrte Diplomatin“ und „erstaunlich frech“ bezeichnet (Salzburger Nachrichten,  25.08.2018, Seite 9) , weil sie es gewagt hätte, eigene Beobachtungen und Gedanken über ihr Gastland in einem Interview mit Avenir Suisse zu reflektieren.

Mehr Respekt für die Person wäre angesagt – nicht unbedingt für unbeliebtes Verhalten, das darf schon, aber bitte sachlich, kritisiert werden.

Weiterlesen