Einträge von Rotraud A. Perner

Damnatio memoriae

Wenn im alten Rom jemand in Ungnade fiel, wurde sein Name gelöscht: Er sollte der Vergessenheit anheimfallen. In der frühen Sowjetunion wurden solche Personen aus Fotografien weg retuschiert – und im heutigen Israel geschieht so etwas in ultraorthodoxen Zeitungen mit Frauen (sogar Angela Merkel wird aus Staatbesuch-Fotos entfernt). In meiner vorjährigen Forschung zur Bürgernähe im […]

Lebensüberdruss

Mitten in die Debatten um Freiheit – bezogen auf trotzige Verweigerung des Mund-Nasenschutzes oder Kontaktregelungen (Datenbekanntgabe bei Gasthausbesuchen ist da schon eine viel heiklere Angelegenheit) – platzt nun die Information, dass sich der Verfassungsgerichtshof nach zeitlicher Verschiebung nunmehr mit einer Klage auf das Recht auf einen selbstbestimmten Tod beschäftigen werde. Wieder einmal stehen sich zwei […]

Zensur?

Gestern postete eine Freundin auf Facebook ein herzergreifendes Video, in dem sie berichtete, dass und wie sie am Besuch einer Kabarettvorstellung im Wiener Stadtsaal gehindert wurde, weil sie keinen Mund-Nasenschutz trug – trotz ihrer Aufklärung, dass sie durch ärztliches Attest rechtfertigt sei. Sie wurde verbal beleidigt, ihr wurde Betrug unterstellt (d. h. öffentlicher Vorwurf einer […]

Die Angst vor den Vorgesetzten

In den letzten Tagen ist mir aufgefallen, dass Mails von mir, in denen ich nicht einmal kritisiert sondern nur geschrieben habe, dass Vorschläge von mir an TopmanagerInnen – die mich um derartige gebeten hatten oder von ihren Vorgesetzten dazu beauftragt worden waren – über längere Zeit nicht berücksichtigt wurden. Das zu sagen, finde ich OK […]

Der neue Sport: Wer hasst besser?

In meinem neuen Buch „Komme was da wolle … Krisenkompetenz“ (ab Mitte nächster Woche im Buchhandel) kritisiere ich den unbedachten Umgang mit Suggestivworten wie „Krise“, „Trauma“ oder „Einsamkeit“: Sie besitzen Ansteckungspotenzial, d. h. sie lösen Identifikationsgefühle aus. Etwas Ähnliches scheint derzeit, wo ein Straftatbestand gegen Hass im Netz eingeführt werden soll, viele statt zur Besinnung […]

Hass und Häme

In meiner Facebook-„Echokammer“ habe ich soeben ein Meuchelfoto von Karoline Edtstadler entdeckt mit Kommentaren wie z. B. „Cruella“. Die Kanzleramtsministerin hat auf diesem Foto halbgeschlossene Augen. In Wien nennt man dies, wenn man wohlwollend ist, „fades Aug‘“. Aber die das Foto ins Netz gestellt haben, sind nicht wohlwollend, auch nicht heiter oder witzig – sie […]

Die Erde untertan machen?

Der 1922 in Wien geborene und 1997 in Frankfurt gestorbene jüdische Religionswissenschaftler Pinchas Lapide schreibt in seinem Buch „Ist die Bibel richtig übersetzt?“ zu Genesis 1,28  „Macht euch die Erde untertan!“, kein anderes Wort aus dem Schöpfungsbericht sei so verzerrt worden, denn die Erde würde in dieser Übersetzung in einer „bibelwidrigen Entwürdigung“ als „willenloser Untertan […]

Komplexe Probleme am Beispiel Moria

Das Wort Sünde wird einer Lehrmeinung nach vom Wortstamm „sondern“ wie gesondert, absondern, absonderlich abgeleitet. Aus dieser Sicht bewirkt der biblische Sündenfall die Erkenntnis der Gegensätze, nicht nur von Gut und Böse, sondern von allem, weil alles aus Teilen zusammengesetzt ist. Wenn man diese wahrnimmt, besteht bereits die Verlockung in „richtig“ und „falsch“, in „entweder“ […]

„Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, …

… sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt.“ (1 Joh 4, 1) Etwas zu prüfen, braucht Zeit und eine passende Methode. Beides fehlt oft. Das liegt daran, ob man aus einem „bildungsfernen“ Elternhaus stammt, sagen die einen. Nein, sagen andere, es liegt am […]

„Aus einem Mund kommt Loben und Fluchen …

… Das soll nicht so sein, liebe Brüder. Lässt auch die Quelle aus einem Loch bitteres und süßes Wasser fließen?“ (Jak 3,10 – 11) Wir haben die Wahl zwischen Gut und Böse – das ist die Folge des Sündenfalls aus der Einheit in die zweigeteilte Welt. Wenn ich meine tägliche Lektüre dreier raschelnden Tageszeitungen und […]