Briefe gegen Gewalt

Halt! Gewalt!

Da las ich doch am 16. März im Kurier ein Interview mit Stefan Verra (nämlich zur Bewerbung seines neuen Buches), laut Wikipedia studierter Schlagzeuger, Instrumental- und Gesangspädagoge, in dem er seine Interpretationen von Details der Körpersprache von Kurz, Strache und Van der Bellen (sowie Trump, Lagarde und Macron) quasi als Dogma darlegt.

Als seine subjektive Sicht ist das zu respektieren – so wie auch die Sicht des ursprünglichen Tänzers und späteren Pantomimen Samy Molcho, der mit seinen Körpersprache-Interpretationen sich schon seit den 1980er Jahren „weltberühmt in Österreich“ machte. Seine Entschlüsselungen basieren auf dem Ansatz, wie er bestimmte Emotionen darstellen würde – und das ist vielen Menschen einsichtig, daher glauben sie daran.

Viele Menschen suchen nach Checklisten, mit denen sie sich insgeheim Sicherheit und Macht gegenüber anderen Menschen erhoffen – gleichsam als Geheimwissen für Überlegenheit, Weiterlesen

Halt! Gewalt!

Mit großer Freude habe ich soeben der ZiB 1 entnommen, dass Ex-Bildungs- und Ex-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek meinen seinerzeitigen Vorschlag in der Wiener Zeitung vom 21.12.2017 (!) gefolgt ist und die eingetragene Partnerschaft als Überbegriff für alle Optionen von Lebensgemeinschaften aufmachen will.

Worum es mir damals ging – und was ich in meinem Buch „Sexuelle Reformation – Freiheit und Verantwortung“, LIT Verlag Jänner 2017 (meiner gekürzten und popularisierten evangelisch-theologischen Masterarbeit) ausführlich erläutert habe: Man kann Adam und Eva im Garten Eden als Ehepaar deuten – oder als Prototyp für alle Männer und alle Frauen, egal, wie sie zueinander stehen, und da gibt es mehr Möglichkeiten als nur diese eine „private“, wie wir ja alle wissen sollten.

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Halt! Gewalt!

Da lese ich doch heute auf https://orf.at/stories/3113790/ eine demonstrative Zusammenfassung der Argumente, die immer wieder gegen gendergerechte Sprachformen aufs Tapet gebracht werden – so wie wir wohl alle in der Volksschule das „generische“ – ich würde fast scherzen, das „genärrische“ – Maskulinum eingetrichtert bekommen haben. Ich kann mich noch gut erinnern, dass einige schlaue Mädchen sich damals wunderten, wieso Frauen bei Männern immer „mitgemeint“ sein sollten. Damals, 1950–1953, gab es in Laa an der Thaya noch keine Koedukation, sehr wohl aber in der Übungsvolksschule in Wr. Neustadt, wohin wir zu Allheiligen übersiedelten, nachdem mein Vater dort Gymnasialdirektor geworden war.

Später im Gymnasium lernten wir dann auch die Lautverschiebungen – wie sich die deutsche Sprache vom Althochdeutschen zum Mittelhochdeutschen entwickelt hatte. Dass es das Verdienst Martin Luthers war, durch seine Bibelübersetzung während seiner Haft auf der Wartburg die Einigung der vielen deutschen Dialekte bewirkt zu haben, hörten wir nicht. Das erfuhr ich erst im Studium der evangelischen Theologie. Zwecks Nachvollziehbarkeit einige Erinnerungen: Damals in den 1950er Jahren wurde unser einziger evangelischer Mitschüler noch vor der ganzen Klasse von manchen Professoren verächtlich als Ketzer apostrophiert, und ich, die von meinen konfessionslosen Eltern immer vom Religionsunterricht abgemeldet worden war (ich war, während mein Vater in Kriegsgefangenschaft war, auf Druck der frommen Großmütter gegen dessen Willen getauft worden, nachzulesen in meinem Buch „Als Pfarrerlehrling in Mistelbach“), wurde mit dem Ruf „Heu, du hast a Sünd!“ von meinen Volksschulkolleginnen verunsichert, wenn ich genauso wie sie auch den gemeinsamen Ball an die schmucklose Kirchenmauer werfen wollte.

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Halt! Gewalt!

Heute, am Vorabend des Internationalen Frauentags, nach tagelangen medialen Jubelberichten von „mächtigen alten Männern“ (selbstbezogene Wortschöpfung des Altabgeordneten Peter Pilz), wie sehr sie starke Frauen, nämlich ihre Mütter! schätzten – bei Kolleginnen lässt diese Wertschätzung noch immer auf sich warten – lesen wir, dass es leider, leider  keine rechtliche Handhabe (wie bei andere Straftaten „gegen die sexuelle Selbstbestimmung“) gegen den 27jährigen Fußballtrainer gäbe, der mit dem Handy in seiner scheinbar „zufällig“ in der Umkleidekabine hängengebliebenen Jacke seine Trainees nackt filmte, natürlich „nur für den Eigengebrauch“ (Kurier, 06. März 2019, Seite 18).

Vorwärts in die Vergangenheit!, drängt sich mir die bittere Feststellung auf: In die 1950er Jahre nämlich, als schwitzhändige Jugendliche noch durch Schlüssellöcher lugten, um Frauen bei der Körperwäsche zu beobachten.

Das sollte doch heute längst verschwunden sein, 50 Jahre nach der (aus meiner Sicht „dritten“ – siehe mein Buch „Sexuelle Reformation“, LIT Verlag, Münster) sexuellen Revolution! (Derzeit sehe ich uns in der „vierten“, der kommerziellen!) Damals wurde Sexualunterdrückung als das enttarnt, was sie ist, nämlich mentale Gewalt, … oder aber ernst zu nehmendes Anzeichen einer Störung der individuellen psychosexuellen Entwicklung und daher behandlungsbedürftig. In letzterem Fall wäre man für alle Tätigkeiten in Bildungs-, Gesundheits- und Sozialberufen ungeeignet, solange diese Eigenheit besteht.

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Halt! Gewalt!

Da schmeißt eine 80jährige nach einem Streit mit ihrem Lebensgefährten dessen 10 Monate alten Hund aus dem 7. Stock, während der Pensionist … fernsieht (https://wien.orf.at/news/stories/2968166).

Da schleudert ein 20jähriger den Hund seiner Bekannten, auf den er während deren Berufsausübung aufpassen sollte, gegen die Wand, tritt ihn, würgt ihn und taucht ihn ins WC  – und schickt das Ganze als Video dem Frauchen (https://wien.orf.at/news/stories/2967787).

„Wie gibt es denn das?“, wurde ich gefragt, und „Was denken sich die denn dabei?“

Diese „Dynamik“ kann ich aufklären. Auch mir sind im Laufe meiner nunmehr über 50jährigen Berufspraxis mehrere solcher Miss-Handlungen bekannt geworden, und immer waren es Partnerpersonen, die damit drei Ziele erreichen wollten: Erstens wollen sie sich von dem Gefühl der Hilflosigkeit befreien. (Im aktuellen ersten Fall wollte die Frau Geld zurück gezahlt bekommen, im zweiten hatte der junge Hund ins Zimmer gemacht.) Zweitens wollen sie ihr Macht zurück erobern und demonstrieren (deswegen Handlungen, für die es Publikum geben muss), und drittens wollen sie der Person, die sie für ihre Hassgefühle verantwortlich meinen, „das Liebste“ kaputt machen (den Fernseher, den Hund).

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Halt! Gewalt!

„Warum ist hier die Festnahme & Verurteilung ,schockierend‘, nicht aber der Missbrauch selbst???“ schreibt mir ein Mann, und fragt, „Wer hat da hier bei der Formulierung so danebengegriffen – der Vatikan, oder die Medien?“ und mailt mir gleich die Meldung dazu, auf die er sich bezieht:

https://religion.orf.at/stories/2967216/

> Der vatikanische Staatssekretär, Kardinal Pietro Parolin, hat die
> Verurteilung und die Festnahme des Kurienkardinals George Pell in
> Australien wegen sexuellen Missbrauchs bzw. sexueller Belästigung
> zweier Kinder als „schmerzhaft und schockierend“ bezeichnet.

Ähnlich habe auch ich (s. Antigewaltbrief Nr. 15) empfunden … und doch ist in diesen Reaktionen, egal ob von vatikanischen Funktionären oder Laien, noch ein anderes Motiv versteckt – das Grundmotiv jeden Missbrauchs: Dass manche Menschen glauben, sie wären so etwas Besonderes, dass man sie nicht kritisieren oder überhaupt in Frage stellen darf. Darin verpackt ist ein beanspruchter “Größenunterschied“: Kinder „müssen“ Erwachsenen gehorchen, weil sie klein sind – und wenn sie das oft genug gehört haben (und mit Strafen bedroht wurden), glauben sie es auch für jede Situation, egal wie schädlich sie für sie sein mag.

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Halt! Gewalt!

Nun hat also unsere Regierung den für evangelische Christen arbeitsfreien Karfreitag weggezaubert. Wäre ja auch ein zu langes Wochenende geworden … und für den Handel ein Riesenmanko im Verkauf von Ostergeschenken … weil wir Evangelische ja so viele sind … Sind wir natürlich nicht. Wir sind eine Minderheit von nicht einmal 300.000 in Österreich (Kinder und PensionistInnen mitgezählt).

Aber wir wissen ja: Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut. Zumindest wurde das lange Zeit plakatiert, damit wir es wissen.

Und Sarah Wiener hat als Listenzweite der Grünen für die EU-Wahl den Lied-Refrain aus der „Dreigroschenoper“ von Bert Brecht in Erinnerung gerufen „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“. (Die zweite Hälfte des Zitats hat sie bekanntlich weg gelassen … wäre ja auch unschön für eine potenzielle Politikerin!)

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Halt! Gewalt!

Gestern geriet ich in ein Gespräch mit einem Rechtsanwalt (und Ex- Nationalratsabgeordneten), der sich über die geplante Mindeststraferhöhung für Vergewaltiger erregte: 2 Jahre Haft wäre doch unmenschlich. Für meine Hinweise auf die arge Gesundheitsschädigung war er uneinsichtig. Er hatte nur den Mann im Gefängnis im Blick.

Dann erging er sich über Freisprüche „in dubio pro reo“ (d. h. im Zweifelsfall für den Angeklagten), wenn es keine klare Beweislage gäbe. Genitale Verletzungen – wie in einem jüngsten Fall (s. mein Brief gegen Gewalt „Schulungsbedarf“ vom 28.01. s. www.haltgewalt.at) – werden nicht ernst genommen bzw. ignoriert, was nur zeigt, wie wenig Laien- oder Profirichterschaft von Anatomie weiß: Der Körper hat überall dort zarteste Haut, wo die schutzbedürftigsten Stellen sind – man braucht sich doch nur vorstellen, was passiert, wenn jemand anderer mit einem übergroßen Gegenstand in die Nase hineinstößt. Da sich aber eine große Anzahl von Männern mit der regelmäßigen „Action“, sprich Gewalt, in Pornofilmen identifiziert und dieses Verhalten als normal verteidigt (und Ehefrauen oft „um des Friedens willen“ schweigen und nur in der geschützten Therapie-Situation ihre Wahrheit zu sagen wagen), wissen sie das nicht und wollen es auch gar nicht wissen.

„Die Frau kann ja immer – haha!“ Weiterlesen

Halt! Gewalt!

Wer die Medienberichterstattung der letzten Tage verfolgt hat, wird vermutlich kaum bemängelt haben, dass nur oppositionelle Kritik (auch von den sogenannten Experten, die in der Task Force Strafrecht des BMI mitgearbeitet und dort Gelegenheit genug dazu gehabt haben) veröffentlicht wurde – aber keine Alternativen oder zumindest Erklärungen der konkreten Ziele dieser Verschärfungen. Stattdessen wurde Generalprävention (Abschreckung potenzieller Täter) und Spezialprävention („Besserung“ bereits manifester Täter) angeführt und dass es dazu keine Strafverschärfungen brauche.

Der Ansicht bin ich nicht: Wie ich schon mehrfach betont habe, gibt das Strafrecht nicht allein Anleitung für Urteilsfindungen, sondern macht deutlich, was wir, die Gesellschaft wollen bzw. nicht wollen UND was wir für leichte oder schwere Straftaten halten. Mit der Behauptung – vor allem von Personen, die nicht der gegenwärtigen „Ozean-Regierung“ (türkis-blau!) zuzurechnen sind sondern der Opposition – es brauche keine strengeren Strafen, werden sexualisierte Gewalttaten – das sind (laut dem Profiler Thomas Müller) solche, die mit oder an Genitalien verübt werden – in ihrer Schwere verharmlost.

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Halt! Gewalt!

Es gibt allseits gegenwärtige Schlagworte, die eigentlich die Realität verzerren. Dazu zähle ich Worte wie „Beziehungstaten“ – denn jede Interaktion zwischen Lebewesen beruht auf einer Beziehung, egal ob es sich um einen Blick handelt, einen Wortwechsel oder einen Angriff (letzteres fürs Erste wortwörtlich noch neutral gemeint). Selbst ein Diebstahl beruht auf einer Beziehung – der Dieb „bezieht“ sich auf sein Objekt und damit auch auf dessen Eigentümer oder Besitzer. Ohne Bezug – ohne Einschätzung, Planung (und sei sie noch so minimal bzw. routinemäßig), Durchführung samt mehr oder weniger Wachsamkeit und Kontrolle – geschieht nichts.

Was sei denn die „Ursache“ für „Beziehungsmorde“ wie den heutigen in Wien Meidling (https://wien.orf.at/news/stories/2964300/), fragte mich zu Mittag eine Journalistin und gab sich gleich selbst die Antwort: patriarchale Kulturen?, und meinte damit den bosnischen Täter … denn zu dieser Zeit wurde vermutet, dass die attackierte Serbin tot wäre, dabei war es aber er selbst. („Eifersucht“ ist auch so ein vielzitiertes Schlagwort – aber das bearbeite ich erst demnächst.)

Das Patriarchat sei nicht von vornherein als frauenfeindlich einzustufen, korrigierte ich die Suche nach dem „Schuldigen hinter dem Schuldigen“, denn Machtstrukturen wären nicht gleichzusetzen mit Machtmissbrauch.

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