Briefe gegen Gewalt

Halt! Gewalt!

Papst Franziskus bittet um Verzeihung für die Verbrechen pädophiler Priester im Zusammenhang mit dem Buch „Ich verzeihe Ihnen, Vater“ des Schweizer Ex-Priesters Daniel Pittet, für das er ein Vorwort verfasste.

In diesem Satz kommt viermal die Silbe „ver“ vor.

Laut Wiktionary markiert diese Vorsilbe das betreffende Wort als negativ oder schwierig oder sie beschreibt ein Fehlverhalten (da ist wieder „ver“ enthalten!) oder eine Veränderung (noch einmal!) bis hin zur Zerstörung (und anderes mehr). Jedenfalls lohnt es, zwischen dem blanken Wort und der Neubildung mit „ver“ sinnentschlüsselnd zu differenzieren – denken wir nur an sprechen und versprechen, trauen und vertrauen, lieben und verlieben usw.

Und jetzt das Wort verzeihen.

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Halt! Gewalt!

Es gibt Wissenschaftler, die Begriffe wie Entfremdung, Heteronomie (Fremdherrschaft) oder Gewalt als Empfindung mangelnder Übereinstimmung mit dem eigenen Ich bezeichnen, zitiert der Wiener Philosoph Robert Pfaller z. B. Richard Sennett. Ich sehe darin eine Äußerung dessen, was Irenäus Eibl-Eibesfeldt als „Dogmatismus-Quotient“ nennt (ausführlicher von mir erklärt in meinem Text „Die Palmström-Doktrin“ auf meinem Blog www.taofrau.at): Akzeptiert wird nur, was zum eigenen Wahrheitsanspruch passt.

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Halt! Gewalt!

Heute wurde ich niedergeschlagen.

Nein – nicht auf der Straße vom „großen Unbekannten“, sondern von einem jungen ORF-Redakteur im Festsaal der Wirtschaftskammer Burgenland.

Was war geschehen?

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Halt! Gewalt!

Frei nach Marx und Engels könnte man formulieren: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Radikalisierung.“

Das Wort Gespenst leitet sich von dem althochdeutschen „spanan“ – reizen bzw. anspannen – ab. Entkleidet man den Begriff seiner bildlichen Vorstellung, so zeigt er sich als Auslösereiz für Furcht oder Angst oder umgekehrt für Neugier und Entdeckerlust.

Ähnlich ergeht es den meisten mit dem „Gespenst“ Radikalisierung: Die einen wählen aus Angst „Ranghohe als Fluchtziel“ (Irenäus Eibl-Eibesfeldt) – beispielsweise machtdröhnende Politiker – die anderen meinen, die generelle Analyse der Entstehungsgeschichte reiche, Schlüsse und Handlungen daraus sollten wiederum andere – Politiker – ziehen. Sinnvoll ist aber vor allem, individuelle Genealogien „in Beziehung“, d. h. im Dialog, auf Gemeinsamkeiten zu vergleichen und Präventivstrategien zu entwickeln. Das ist die zeitaufwändigste Methode. Sie hat aber den Vorteil, dass damit Vorbildverhalten für den Alltag entwickelt und für viele „Nachbarbetroffene“ nachvollziehbar gemacht werden kann.

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Halt! Gewalt!

Innenminister Sobotka, so lese ich heute in orf online, will das Versammlungs- bzw. Demonstrationsrecht einschränken oder gar verbieten, wenn „Geschäftsinteressen“ bedroht sind. Das zeigt ein Dilemma auf: Welches Gut ist das höherwertige? Das Recht, als demokratische Bürger die Wichtigkeit einer Ansicht oder Forderung durch die Vielzahl der Unterstützenden zu beweisen – oder das Profitinteresse Einzelner, kundgemacht durch deren Interessenvertretungen, die meist noch über Repräsentanten in den gesetzgebenden Körperschaften verfügen?

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Halt! Gewalt!

Üblicherweise sind Ultimaten die letzte Zuflucht verzweifelter Eltern oder Ehepartner, wenn sie sich nicht verstanden, nicht unterstützt oder nicht respektiert fühlen – oder wenn sie ihren Willen nicht durchsetzen konnten. Sie unterscheiden sich nur minimal von echten Drohungen.

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Halt! Gewalt!

Logischerweise erfüllt es eine/n mit Nationalstolz, wenn ein österreichischer Schauspieler in Oscar-Nähe rückt, und aktuell: Peter Simonischek ist ein wunderbarer Mime.

Dennoch halte ich meine Kritik an der „Tragikkomödie“ „Toni Erdmann“ – wie auch in meinem Buch „Heilkraft Humor“ — aufrecht. Schon der Wortteil „Tragik“ lässt ahnen, dass es gar nicht lustig zugeht. Und der Wortteil „Komödie“ weist darauf hin, dass irgendwelche Leute veräppelt werden – im Gegensatz zu einem Lustspiel, wo es „lustig“ zugeht, wenn „gespielt“ wird.

Andere Personen mit selbstdefiniertem Humor zu bedrängen, wie es die Titelfigur Herr Erdmann im Film nicht lassen kann, ist nicht humorvoll sondern ziemlich gewalttätig.

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Halt! Gewalt!

Es gibt sie nicht nur in der hohen Politik – aber Politik ist es immer, wenn jemand angepatzt werden soll.

Von Carl von Clausewitz (1780–1831) stammt der Satz, Krieg sei Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln – man kann den Satz aber auch umdrehen: Politik kann zu Krieg mit anderen Mittel ausufern, dann nämlich, wenn  man jemand anderen schwächen oder vernichten will. Manche Menschen sind sehr erfinderisch, wenn es gilt, jemand anderem fundamental zu schaden – denken wir nur an Jago, der sich listig ein Taschentüchlein Desdemonas erschleicht, um ihren Gatten Othello in Eifersuchtsraserei und Gattenmord zu hetzen. Oder denken wir an den boshaften Basilio in Rossinis „Barbier von Sevilla“, der sein Expertenwissen kundtut indem er singt „Die Verleumdung, sie ist ein Lüftchen … kaum vernehmbar im Entstehen …immer näher, immer näher kommt es her …“ bis es stark wird „wie das Brüllen von Kanonen“ mit dem schlussendlichen Effekt: „… und der Arme muss verzagen, den Verleumdung hat geschlagen – schuldlos geht er dann ermattet als ein Ehrenmann zu Grund …“

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Halt! Gewalt!

Möglicherweise wird es das Unwort des Jahres 2017: „Kompromat“ – die Kurzfassung für „kompromittierendes Material“.

Aufgetaucht ist es im Zusammenhang mit der Nachricht, der sowjetische Geheimdienst besäße Filmaufnahmen von Donald Trump „in action“ bei einer Sexorgie. Als ob ihm so was schaden würde … da hat es doch schon viel Peinlicheres gegeben! Denn selbst im prüden Nordamerika imponiert es dem „kleinen Mann auf der Straße“, wenn sich seine Identifikationsfigur „was traut“, was er selbst erträumt – und wenn sich seine Ehefrau darüber aufregt, wird sie einfach als altmodisch oder verzopft abgekanzelt.

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Halt! Gewalt!

In dem italienischen Kultfilm „La Strada“ von Federico Fellini aus dem Jahr 1954 spielt seine Ehefrau Giulietta Masina die kindlich-naive Gelsomina, die als Ersatz für seine verstorbene Frau dem Publikum als quasi Adjutantin den Kettensprenger Zampano, gespielt von Anthony Quinn, anzukündigen hat: „Jetzt kommt der große Zampano!“ Mehr darf sie nicht – und schlecht behandelt wird sie überdies.

Auch wenn dieses erschütternde Melodram wie viel Filme des italienischen Verismo heute kaum mehr gespielt wird, hat sich der Name Zampano trotzdem verselbständigt.

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