Briefe gegen Gewalt

Halt! Gewalt!

Dass es im Sportbereich nicht gerade zimperlich zugeht, kann als wohlbekannt vorausgesetzt werden. Ob Disziplin und Härte jedoch die einzigen, vor allem aber auch die richtigen pädagogischen Herangehensweisen darstellen, um zögerliche Kinder oder Jugendliche zu motivieren, Bedenken, Scheu oder Angst zu überwinden, kann aus salutogener – d. h. der Gesundheitsförderung verpflichteter – Sicht heftig kritisiert werden.

Weiterlesen

Halt! Gewalt!

Damit kein Missverständnis entsteht: Ich bin für die Trennung von Kirche und Staat.

Und ich bin für das Menschenrecht der Religionsfreiheit, was auch das Recht auf Freiheit von jeglicher Religion bedeutet. Religion oder Nichtreligion ist Privatsache – und soll das auch sein. Sie ist damit aber auch Bestandteil von Selbstbestimmung, spiritueller Gesundheit und Selbstachtung.

Nun schlägt der „Integrationsexperte und Regierungsberater“ Heinz Faßmann (studierter Geograph und Wirtschaftshistoriker und derzeit Vizerektor der Universität Wien) ein Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst vor (www.orf.at/#/stories/2373908/) – das Kreuz in den Klassenzimmern sieht er hingegen „historisch“ gewachsen“, das darf bleiben, sagt er. (Ich denke: Ohne das seinerzeitige Morgengebet hat es seine Funktion verloren.)

Weiterlesen

Halt! Gewalt!

Von Paracelsus stammt der Hinweis, dass die Dosis das Gift ausmacht.
Auch zuviel politische Korrektheitsforderungen können vergiften.

Das neue Jahr beginnt mit der Erregung darüber, dass bei der Kölner Polizei die Verkürzung „Nafri“ für Nordafrikaner gebräuchlich sei. Auf Befragen philosophierte Rafael Behr, Professor an der Hamburger Polizeiakademie, es wäre in der Polizeikultur üblich, der Öffentlichkeit verborgene Abkürzungen zu verwenden, und das „i“ am Schluss könne für „Intensivtäter“ stehen. Eine mögliche Stigmatisierung wäre dabei nicht auszuschließen, so der Polizeiwissenschaftler. (Der Standard, 3. 1. 2017, S. 6)

Weiterlesen

Halt! Gewalt!

Gewalt besteht nicht nur im physischen, psychischen, sexuellen, verbalen, finanziellen oder strukturellen feindlichen Agieren, sondern schädigt ebenso wie Ignorieren oder Unterlassen. All das löst Stress oder gar Hochstress aus und diese Stresshormonausschüttungen bleiben im Organismus, sofern sie nicht aus-gedrückt werden: durch Wehrkraft oder Flucht, Kunst oder Sprache. Spontanes Totstellen – Schockstarre – hilft zwar bei Käfern, nicht aber bei Menschen: Die Energie, die im Körper zum Kämpfen / Verteidigen aufgebaut wird, verfestigt sich dann im Inneren und kommt in Symptomen zum Ausdruck, ausgenommen hat man hat sich bewusst in den absolut passiven Zustand begeben und sich selbst im „inneren Dialog“ rehabilitiert.

Weiterlesen

Halt! Gewalt!

In Brüssel haben eine 31jährige Mutter und ihr 21jähriger Partner ihren 6jährigen Buben 15 Stunden – von 5 h früh bis 20 h abends – bei eiskaltem Wetter auf dem Balkon ausgesperrt, lese ich soeben in orf online. Der Knabe war bereits ohnmächtig, unterkühlt, unterernährt und in Lebensgefahr. Dennoch wurden beide nur wegen Folter angezeigt, hieß es da, aber allein der Mann sei geständig.

Ich überlege: Viele Menschen sehen es als zulässige Form von Strafe an, „ungehorsame“ oder „nervende“ Kinder auszusperren. Sie verstehen nicht, dass das Folter sein soll. Bei Folter denken sie an Filmszenen von Marterpfahl und Bastonade (das Dauerschlagen der Fußsohlen mit dünnen Gerten), vielleicht noch an Waterboarding (simuliertes Ertränken) – aber sie denken nicht an Nahrungsentzug oder das Aussetzen in enormer Hitze oder Kälte, vor allem aber Einsamkeit. Isolation. „Niemand reagiert auf dich.“ und „Niemand wird dir helfen!“

Weiterlesen

Halt! Gewalt!

Wir leben in einer dualen Welt – in einer Welt, die wir in Abgrenzungen und Gegensätzen wahrnehmen. Der Sündenfall – Sünde von sondern, absondern – besteht im Herausfallen aus der paradiesischen Einheit. Die kann man Gott nennen oder auch Mutterleib oder auch Mutter Erde, aus der in der poetischen Sprache des Ersten Testaments JHWH den Menschen formt und in die unser aller Körper in unterschiedlicher Form zurück sinken, egal ob in einer Erd-, Feuer- oder Wasserbestattung.

Weiterlesen

Halt! Gewalt!

Als ich 2003 medial heftig gegen das angeblich so lustige „Pastern“ als Aufnahmeritual im GAK protestierte, wurde ich einige Zeit mit Drohanrufen (Facebook und Twitter waren noch nicht „in“) belästigt. Man wollte mich einschüchtern, der Lächerlichkeit preisgeben oder auch mundtot machen. Verständlich: Wer erträgt schon die plötzliche Einsicht, missbraucht worden zu sein in einer Umwelt, die dazu neigt, persönliche Betroffenheit als Einzelreaktion herunter zu spielen?

Weiterlesen

Halt! Gewalt!

Ich habe es aufgegeben zu zählen, wie oft das Wort Streit bzw. streiten in den letzten Wochen in den Zeitungen, die ich täglich lese, vorgekommen ist. Aber sehr sehr oft. Vor allem in Bezug auf die Regierungspartner, die politischen Parteien, hingegen wesentlich weniger in Hinblick auf Familienkonflikte oder Männerkämpfe.

Ich versuche das Wort Streit so gut es geht zu vermeiden. Es schafft nämlich allein durch das Aussprechen oder Lesen bereits eine Atmosphäre von Intoleranz und erhöht damit die Gewaltbereitschaft. Weiterlesen

Halt! Gewalt!

In letzter Zeit wurde oft die Frage gestellt, ob die Medien mit schuld seien an Hasspostings oder auch der Verrohung der Sprache. Teils ja, teils nein, lautet meine Antwort.

Sprache orientiert sich grundsätzlich am gesprochenen Wort und daher an den Bezugspersonen, die wir als Kleinkinder imitieren, und da schon fällt es vielen schwer, grammatikalisch halbwegs korrekte Sätze zu bilden, wenn daheim nur im Befehlston „gebellt“ wird. Zur Erinnerung: Immer wieder werden Zeitangaben veröffentlicht, wie erschreckend wenig beziehungsorientiert Paare miteinander reden – so zwischen 5 und 10 Minuten täglich, Tendenz abnehmend. Statt dessen wird nunmehr gesimst … Doch was man nicht übt, verkümmert – davor warnt ja auch der Volksmund mit „Wer rastet der rostet“ oder auf Englisch „use ist or loose it“.

Weiterlesen

Halt! Gewalt!

Der 10. Dezember ist der Tag der Menschenrechte. Zu diesen gehört das Recht auf die Unversehrtheit der Person, das in manchen Verfassungen ausdrücklich formuliert ist, in anderen sich aus dem Verbot von Folter, grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe ergibt (Art. 5 der Allgemeinen Erklärung der der Menschenrechte der UNO).

Leider werden in manchen Kulturen weibliche Menschen aber nicht als Menschen, sondern als Sachen angesehen, die man(n) im Eigentum oder Besitz hat. Weiterlesen