Briefe gegen Gewalt

Halt! Gewalt!

Beim heutigen Europa Forum Wachau im Stift Göttweig wurde darüber diskutiert, ob und wie „Regionen“ in Krisensituationen bei Krisenbewältigungen hilfreich sein könnten, und flugs entstand eine Diskussion darüber, ob man „Länder“ wie in Österreich als „dritte Ebene der Verwaltung“ brauche oder vielleicht doch mit nur zwei – Kommunalverwaltungen und einer einzigen Zentralverwaltung – auskommen könne. Nur Österreich, Deutschland und Belgien hätten „Bundesländer“ – alle anderen EU-Staaten nicht …

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Halt! Gewalt!

Der von mir – wegen seiner vorbildlichen Art in Anwesenheit der Delinquenten voll Respekt seine Gutachten zu referieren – sehr geschätzte Gerichtspsychiater Reinhard Haller – in der Zeitung Kurier von heute zum „Kriminalexperten“ erhöht obwohl er kein Jurist ist – erklärt den Amoklauf des 27jährigen, der „nach einem Streit“ mit seiner Freundin eine Waffe aus dem Auto geholt und wild in die Besuchermenge der Nenzinger Bikerparty geschossen und zwei Menschen getötet und etliche schwer verletzt hatte, mit „Kränkung“ (dazu hat er ja auch sein jüngstes Buch verfasst) und „Ärger“. Und er verwendet den Begriff „das Abnorme“.

Ich finde diese Formulierungen in die Irre führend.

So abnorm ist blinde Wut leider nicht – das zeigen die vielen „blindwütigen“ Kindesmisshandlungen, Rachevergewaltigungen oder auch Folter als Strafe für „mangelnden Gehorsam“. Denn auch wenn Selbstbeherrschung als Norm vorgegeben wird, ist sie doch nur ein Ideal, für das Vorbilder und Anleitungen fehlen.

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Halt! Gewalt!

In der ersten Klasse Volksschule, irgendwo in Niederösterreich, erzählt mir eine Mutter (Namen sind mir bekannt), gibt es bei ihrem Kind einen Mitschüler, der Drogen ins Schulhaus bringt und der Mitschülerschaft sagt, wenn ihre Eltern etwas brauchen sollten – sein Vater kann es besorgen.

Ein unschuldiger Nachwuchsdealer, der vermutlich brav Vaters Befehlen folgt.

Die Mutter fragt die Direktorin, was sie dagegen zu unternehmen gedenkt – aber diese scheint für solche Situationen kein Modell zu besitzen. Zumindest das Jugendamt wäre doch zu verständigen, meint die Mutter. Eigentlich schon, räumt die Direktorin ein. Auch weil der Junge von seinem Vater verdroschen wird – das wissen auch die anderen Mütter. Naja, schwierige Familienverhältnisse, seufzt die Direktorin, und: Was solle man da denn machen?

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Halt! Gewalt!

Eine Journalistin hat mich zu den aktuell zugenommenen massiven sexuellen Übergriffen auf Frauen befragt – und mich dahingehend korrekt zitiert, dass ich Intuition als ein wesentliches Präventionsinstrument weiß – und hat sofort einen empörten – vermutlich deshalb auch wortverdrehenden – Leserinnenbrief mit „Warum sollen wir unsere Freiheiten einschränken?“ bekommen.

Das wurde in dem Artikel auch nicht gefordert – sondern nur, Gefahren wahrzunehmen.

Aber offensichtlich war die Schreiberin „blind“ vor Wut – und hat frei nach Paul Watzlawicks Hinweis, dass es außerhalb der Macht des „Senders“ liegt, wie der „Empfänger“ einer Botschaft  diese interpretiert, Aussagen hineinfantasiert, die nicht drin standen.

Was ich nun aber gerne aufgreifen will, ist der deutliche Wissensmangel der Schreiberin – und wahrscheinlich vieler Menschen – weswegen Intuition keine esoterische Traumtänzerei ist sondern eine wissenschaftlich nachgewiesene und nachweisbare Wahrnehmungsform, die aber leider von vielen Menschen weder genutzt noch trainiert wird.

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Halt! Gewalt!

Drei jugendliche afghanische Asylwerber haben eine türkische Austauschstudentin nächtens auf der Damentoilette am großen Wiener Verkehrsknotenpunkt Praterstern brutal vergewaltigt – und in den Zeitungen wurde die Frage erhoben, wieso die Burschen um diese Zeit unterwegs sein durften und nicht, wie vielfach verpflichtend vorgeschrieben, in ihren Unterkünften waren. Weiters wurde die Polizei kritisiert, die trotz angeblicher hoher Präsenz an diesem bekannten Gefahrenort erst auf die Hilferufe der Begleiterin der Studentin, die diese verletzt am Boden liegend vorgefunden hatte, aktiv geworden sei … Wer allerdings das Areal des Bahnhofs kennt, weiß, dass damit Unmögliches eingemahnt wird: Man müsste vor jede WC-Anlage einen Security stellen, und auch der kann attackiert, verletzt, überwältigt werden, wie die Erfahrungen von Nachtlokalen immer wieder zeigen.

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Halt! Gewalt!

Man müsse Böhmermann in Aktion erlebt haben, dann wäre wohl klar, dass seine Erdogan-Schmähungen bloßer „Schmäh“ wären, sagte mir eine Freundin, und da ich nur das in der letzthin zitierten Boulevard-Zeitung kenne, wäre meine Kritik übertrieben – sehr wohl kritisieren müsse man aber den „Kniefall“ von Kanzlerin Merkel am gewünschten Helfer gegen den Flüchtlingsstrom.

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Halt! Gewalt!

Die Zeitung ÖSTERREICH hat heute das inkriminierte Böhmermann-Gedicht abgedruckt. Ich war entsetzt.

Zwar hatte ich in den Zeitungen der letzten Woche gelesen, dass der türkische Staatspräsident Erdogan von Deutschland die strafrechtliche Verfolgung dieses „Satirikers“ verlange und nunmehr die Freiheit der Kunst diskutiert werde … und war da natürlich klarerweise für Meinungsfreiheit und Schutz von Künstlern. Nun kenne ich den Text – nur von Kunst merke ich nichts – außer im äußersten Wohlwollen vielleicht, dass der Text gereimt ist.

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Halt! Gewalt!

Das Wort Ausgrenzung hat einen verpönten Beigeschmack – es ist zu oft politisch missbraucht worden: Einerseits nütz(t)en es die sogenannten Rechtspopulisten, um sich damit zu beklagen, dass sie nicht in Entscheidungsgremien zur Mitgestaltung eingeladen worden waren und auch um Schuldgefühle zu ihren Gunsten zu erregen; andererseits wird es zum Beweis der Notwendigkeit von Selbstschutz vor Eindringlingen herangezogen.

Überprüft man die jeweilig beabsichtigte Botschaft, zeigt sich, dass es an der Kürze dieses Schlag-Wortes liegt, weshalb seine Verwendung so oft einen Aufschrei der Empörung auslöst – und an der Person, die es gebraucht. Ist diese nämlich sozial hoch anerkannt – oder verfügt über Funktionen oder wenigstens Titel, die Autorität vermuten lassen – werden deren Grenzziehungsversuche nicht mehr kritisch beobachtet.

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Halt! Gewalt!

Ein 5jähriger Bub habe eine Gleichaltrige im Kindergarten sexuell belästigt, teilt mir ein Journalist am Telefon mit und fragt, wie man mit “so etwas” umgehen sollen.

Zuerst einmal klären, was konkret vorgefallen sei, sage ich, denn sonst bleibe es der individuelle Phantasie überlassen, was manfrau sich darunter vorstelle. Er habe ihr einen Legostein in den Slip gesteckt, lautete die Antwort.

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Halt! Gewalt!

“FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache forderte via Facebook ein radikales Vorgehen gegen ,radikale Islamisten’ ”, lese ich heute im Kurier, „,Räuchert die ,Islamisten-Nester aus’, ermunterte er seine zahlreichen Internetfreunde.”

Das hat mich schockiert. Lese ich doch gerade das Buch “Selbststeuerung – Die Wiederentdeckung des freien Willens” des Freiburger Neurobiologieprofessors Joachim Bauer. Darin schreibt der renommierte Arzt und auch Psychotherapeut über die sogenannten Resonanzphänomene:

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