Horrorclowns

Halt! Gewalt!

Clowns sind dadurch charakterisiert, dass sie die Ordnung des alltäglichen Zusammenlebens ad absurdum führen: Hervorgegangen aus der Figur des mittelalterlichen Hofnarren, dessen Aufgabe es war, den von Speichelleckern umgebenen Herrscher immer wieder daran zu erinnern, dass er auch nur ein Mensch sei und kein Gott, durften sie all das tun, was anständige Menschen unterlassen mussten, wollten sie nicht mit Schimpf und Schande aus der Gesellschaft ausgestoßen werden. Manchmal trieben sie es auch zu bunt und erlitten dann ein gleiches Schicksal …

Jede Kultur hat ihre Narrengestalten: Bei uns sind vor allem der Liebe Augustin und Till Eulenspiegel vertraut oder der umtriebige Barbier Figaro, der es sich ebenso mit der Obrigkeit anlegt. Der türkische Nasreddin ist es schon weniger … aber alle eint, dass man ihre Grenzüberschreitungen schmunzelnd toleriert, sprechen sie doch wie die Kinder in Andersens Märchen von „Des Kaisers neue Kleider“ das aus, was sich Erwachsene nur insgeheim zu denken trauen. Tätlich werden sie nicht – höchstens zu ihrem eigenen Pech.

Das hat sich nun schlagartige geändert, seitdem – meist jugendliche – Männer in Clownkostümen Schrecken verbreiten und sogar Körperverletzungen auslösen, ein Trend, der aus den USA nach Europa überschwappt, wie Medien erklären, und mit Halloween zusammenhängt. Ich meiner: Zumindest mit den wirtschaftlichen Interessen der Maskenverkäufer – und jene Zeitungsmacher, die gerne mit großaufgemachten Schreckensmeldungen die Auflagen steigern wollen.

Es ist ein Unterschied, ob kleine Kinder in Verkleidung „Süßes oder Sauers“ erbetteln wollen – was wiederum dem Süßwarenhandel lieb ist – oder ob frustrierte Halbwüchsige oder solche, die es lange bleiben wollen, ihre Ressentiments gegenüber denjenigen, von denen sie vermuten, dass sie es besser haben als sie selbst, in sadistischen Inszenierungen äußern und sich dabei womöglich noch filmen.

Andere Menschen mutwillig zu erschrecken, ist sadistisch. Es versetzt diese in Stress, Hochstress sogar, und das kann nicht nur zu Panikhandlungen führen, sondern auch zu organischen Veränderungen im Gehirn, wie die computergestützte Hirnforschung nachweisen kann. Aber auch sich zu vermummen, um in der phantasierten Sicherheit der Anonymität Straftaten begehen zu können, zeigt von der Art Sadismus, die sich an der Verwirrung und Angst anderer delektiert. Das beginnt bereits mit den zu Totenschädelimitationen zusammengeschnitzten im dunklen Umfeld erleuchteten Kürbisköpfen und führt bis zu den Krampus-Übergriffen. Beides ist nicht lustig, sondern mehr oder weniger Gewalt – auch wenn das „War doch nur Spaß!“-Argument als Schutzbehauptung immer aufs Neue wiederholt wird.

Damit das begriffen wird, braucht es klare Konsequenzen – und die müssen publiziert werden.

So wie der Bericht von dem pflichtgetreuen Rottweiler, der sein Frauchen gegen solch einen Clown-Gewalttäter erfolgreich verteidigt hat (krone.at, 25. 10. 16).