Als ich Jus studierte (1962–1966), lernten wir viel, wie Gesetze zustande kommen – formal. Wie sie tatsächlich zustande kommen, nämlich von der Idee bis zur legistischen Ausformulierung, Abstimmung in der gesetzgebenden Körperschaft und Ratifizierung, erfuhr ich erst in der Zeit als ich Mandatarin einer politischen Partei war. Ich lernte die Strategien und Taktiken wie Gesetzesvorhaben propagiert werden – und ich verspürte die Gegenwinde und -stürme, mit denen psychologische Kriegsführung betrieben wurde (besonders Anfang der 1970er Jahre, als es um die Gesetzwerdung der Fristenlösung ging).

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Minister Sebastian Kurz hat die niedrigeren Strafen bei Gewalt- im Vergleich zu Vermögensdelikten kritisiert und wurde sofort von Bundeskanzler Christian Kern zur Besonnenheit aufgefordert.

Offensichtlich weiß Kern nicht, dass diese Forderung, körperlich-seelisch-geistige Unversehrtheit müsse das größere Schutzgut sein als Besitz und Eigentum, eine langjährige Forderung von SPÖ-Frauen ist, Weiterlesen

Es ist für mich oft enttäuschend, wenn ich wie gestern ein langes Interview gebe (für Servus TV zum Martyrium der entführten, misshandelten und vergewaltigten Frau im Waldviertel) und dann wird keiner der Sätze gebracht, die mir wichtig gewesen wären … und heute lese ich im Kurier, dass der Bezirkshauptmann von Scheibbs, wohin der nunmehr in Untersuchungshaft Genommene und mehrfach einschlägig Vorbestrafte die Gepeinigte gebracht haben soll (die Beweisaufnahmen sind ja noch nicht abgeschlossen), meint: „Selbst wenn man solche Infos hat, wie hätte man diesen Fall verhindern können?“

Diese Frage kann und will ich nochmals beantworten: Weiterlesen

Eigentlich wäre Selbstermächtigung ein Verhalten, dass darauf verzichtet, sich immer einer Elternfigur zu unterwerfen, die „erlaubt“, was man möchte — oder eben nicht. Also ein Ausstieg aus den Sado-Maso-Spielen, wie sie in dem „Witz“ thematisiert werden, in dem der Masochist devot den Sadisten anbettelt „Quäle mich!“ und der grinst sadistisch (wie denn anders?) und sagt „Nein!“

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„Ehe für alle wertet Ehe auf“, lautet der Titel eines Gastbeitrags von Ulrich Körtner in der PRESSE (04.07.2017). Ich finde diese Kurzformel irrig. Aus meiner Sicht wertet „Ehe für alle“ Lebensgemeinschaften auf – aber die Ehe wertet sie ab.

Damit kein Missverständnis entsteht: Ich bin sehr dafür, dass es keine rechtlichen Unterschiede zwischen Ehepaaren und eingetragenen PartnerInnen geben soll. Ich bin auch dafür, beide Formen liturgisch gleich zu behandeln und den Fruchtbarkeitszuspruch für beide wegzulassen. Denn wie ich in meiner theologischen Masterarbeit (2015 bei Ulrich Körtner! In Buchform „Sexuelle Reformation – Freiheit und Verantwortung“, LIT Verlag Berlin 2017) ausgeführt habe, nehme ich mir (unter Bezug auf Umberto Eco) die Freiheit aller Übersetzenden, nach eigenem Empfinden zu dolmetschen, Genesis 1,28 daher nicht quantitativ sondern qualitativ zu interpretieren: Nicht „Seid fruchtbar und mehret euch!“ sondern „Seid kreativ und fördert einander“, daher auch Adam und Eva nicht als Prototyp eines Ehepaares sondern als Prototypen für alle Männer und alle Frauen, die aus ihrer Gegensetzlichkeit zur Paarung, damit zur Einigung und Einheit finden sollten (und ob ergänzend oder in welcher Form von Angleichung ist ja offen geblieben – das gibt Freiheit aber auch Verantwortung).

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Peter Pilz wurde vor allem medial vorgeworfen, er wäre beleidigt, weil er nicht auf den von ihm beanspruchten vierten Platz sondern „nur“ auf den sechsten der konkreten „grünen“ Nationalratsliste „basisdemokratisch“ gewählt wurde. So habe ich ihn allerdings im TV bei seiner quasi Abschiedsrede nicht wahrgenommen, eher schnell gefasst und mit Humor parierend.

Üblicherweise projiziert eine (nicht psychoanalysierte, daher eigene Seelenanteile nicht unmittelbar wahrnehmende) Beobachterschaft ihre eigenen gewohnten Reaktionsweisen auf andere: Dort, wo sie selbst beleidigt wären, unterstellen sie das den anderen.  Weiterlesen

Vor vielen Jahren titelte das Nachrichtenmagazin profil ein Interview mit Bürgermeister Helmut Zilk mit seinem Ausspruch „Ich grapsche gern“. Damit war nicht die aus der Kindheit kultivierte „unkontrollierte Baby-Hand“ gemeint, mit der das Kind im Manne – lustiglustig – gern auf Mammis Brüste tatscht, sondern die schamlose Aneignung fremden geistigen Eigentums. Diese Enteignungen nicht schamhaft zu verschweigen sondern konkret zuzugeben, würde das Unrecht aufheben – es wäre dann Anerkennung und Bestätigung für die Urheber.

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Üblicherweise wird unter „Mythos“ eine alte Mär – eine Sage, Legende etc. oder auch eine Person, die darin beispielhaft geworden ist – verstanden. In der systemischen Psychotherapie taucht dieser Begriff hingegen als „Glaubenssatz“ auf, also eine weitgehend irrationale Vorstellung zur Erklärung von unhinterfragten Phänomenen. So gibt es beispielsweise sexuelle Mythen wie „Männer wollen immer nur das eine“ oder „Jede Frau will Mutter werden, und wenn ihr das nicht gelingt, ist sie traurig“. Oder auch der Mythos vom asexuellen Kind – wie auch der Mythos vom total sexuellen Kind. Die kindliche Sexualität ist aber eine andere als die „erwachsene“, das hat der Neurologe und Psychoanalytiker Sándor Ferenczi (1873–1933) in „Sprachverwirrung zwischen dem Erwachsenen und dem Kind“ betont.

Solch ein Mythos ist auch der von den „harmlosen“ Doktorspielen kleiner Kinder. Weiterlesen

Da lese ich doch heute im Kurier (S. 5), dass Ex-Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer im Zusammenhang mit dem „Jubel“ um den neugekürten ÖVP-Obmann Sebastian Kurz warnt: „Vorsicht mit dieser Hype! Ein bissl mehr Demut wäre angebracht.“

Bei wem?, frage ich mich. Leider haben die beiden Innenpolitikredakteurinnen, die den zweiseitigen Artikel verfasst haben (Daniela Kittner und Raffaela Lindorfer) nicht gleich nachgefragt. Offensichtlich hat ihnen allein der kritische Ausspruch schon genügt um einen Kontrapunkt zu setzen.

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Üblicherweise wird unter mentaler Gewalt die Art von Gehirnwäsche verstanden, wie sie in totalitären Staaten oder Sekten geübt wird: Körperliche Schwächung zwecks Herabsetzung der Widerstandskräfte, Zerstörung der Selbstachtung samt Verpönung der bisherigen Werthaltungen und Einstellungen bei gleichzeitiger permanenter Propaganda für das eigene Tun. Nach den Menschenrechten fällt dies unter das Folterverbot.

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