Als 2010 die Katholische Kirchen mit massiven Vorwürfen wegen sexueller Ausbeutung von Heranwachsenden konfrontiert war, wies ich in vielen Vorträgen und Publikationen (z. B. meinem Buch „Missbrauch: Kirche – Täter – Opfer“, LIT Verlag Berlin) darauf hin, dass nicht nur die Institution beschädigt würde sondern alle, die ihr zugehören oder sich mit ihr verbunden fühlen, weil sich so ein Schandfleck ausbreitet.

Jetzt ist die SPÖ mit solch einem Schandmal befleckt Weiterlesen

Da schreibt Michael Simoner am 28. 09. im Standard in seinem Kommentar zu den „menschenunwürdigen Zuständen in einer Einrichtung für pflegebedürftige Menschen“, die Politik müsse „geeignete Rahmenbedingungen“ schaffen: „Mehr Personal, bessere Entlohnung und eine staatliche finanzierte Pflegsicherung, die keinen Unterschied zwischen armen und reichen Patienten mach“ (S.32).

Bei allem Verständnis und Mitgefühl für den Zeitdruck, unter dem Journalisten ihre Texte verfassen müssen (ich bin ja die Witwe eines solchen und habe miterlebt, wie mein Ehemann seinen Magen, sein Herz und zuletzt sein Hirn in diesem Beruf ruiniert hat), sind diese Verbesserungsvorschläge bloß quantitative.

Das Problem der Gewalt in der Pflege ist aber ein qualitatives Weiterlesen

Da sah ich soeben in den heutigen „Seitenblicken“ eine Reportage aus einer Volksschule in Berndorf, wobei anlässlich der Theaterpremiere von „Der Gott des Gemetzels geht in die Schule“ die lieben Kleinen gefragt wurden, was das Ärgste gewesen wäre, das sie daheim angestellt hätten, und ein blondlockiger Knabe sagte nach kurzem Nachdenken: „Daheim, bin ich meistens brav!“, worauf die Redakteurin – vermutlich „verschmitzt“ gemeint – antwortete „Gelt, Du bist schon ein guter Lügner!“ Weiterlesen

Ein 18jähriger Afghane hat laut Medienberichten gestanden, sein 14jährige Schwester erstochen zu haben – „im Streit“. Ich sage: aus Wut. Das Mädchen war vor einer Woche aus eigenem Entschluss in ein Krisenzentrum des Jugendamtes gezogen, weil es sich daheim eingesperrt gefühlt hätte, nicht hätte fortgehen dürfen und sich nicht mit Freundinnen treffen, und immer hätte eine ältere Schwester als Aufpasserin dabei sein müssen (Salzburger Nachrichten, 19. 9. 2017, Seite 10). Und im Standard vom gleichen Tag lese ich (Seite 9), von einem Ehrenmord spräche man nur, wenn  die Familie (oder ein Großteil davon) hinter dem Tötungsvorsatz stehe.

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Da schreibt doch Günter Traxler, im heutigen „Blattsalat“ im Standard in Bezug auf ein Loblied, das Sebastian Kurz auf seine Oma gehalten hat, nachdem er erst dessen Interviewworte aus der letzten „Krone bunt“ („Das ist die Generation, die unser Land nach dem Krieg mit viel Fleiß und Liebe aufgebaut hat; der wir unseren Wohlstand verdanken.“) zitiert, „schwadroniert der dankbare Enkel und lässt dabei geflissentlich unter den Tisch fallen, dass diese Generation unser Land zuerst ruiniert hat, um es wieder aufbauen zu können.“, und er resümiert: „Aber für solche Phrasen kann die Generation Oma sicher nichts.“

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Seit Jahren klagt die Pädagogenschaft über den zunehmenden Mangel an „sinnerfassendem Lesen“.

Ich beobachte zunehmend auch sinnerfassendes Zuhören.

Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere noch an die beiden TV-Spots, wo in dem einen die Steckdose hoch oben an der Wand abgebracht war und sich der Elektriker mit „Aber Sie haben doch 30 cm gesagt!“ verteidigte – nur war diese Maßangabe eben von unten gemeint – und im anderen befand sich das Urinal zwischen Kochherd und Spüle und der Wohnungsmakler sagte in etwa „Ist doch praktisch – da kann man die Essensabfälle gleich wegspülen!“

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Eine Noxe ist etwas „Giftiges“ – etwas, das eine schädliche Wirkung auf die individuelle (z. B. Drogen) oder auch kollektive (z. B. eine Grippe-Epidemie) Gesundheit hat. Die Ursachen können physikalischer, chemischer, bakterieller oder psychosozialer Art sein. Zu den psychosozialen Noxen zählt beispielsweise Armut, Diskriminierung, Einsamkeit, Stress – aber auch die sogenannten iatrogenen, d. h. durch ärztliche Kunstfehler oder Oberflächlichkeiten verursachten Schäden.

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Mit „Sie hab’n a Haus baut“ hat sich Arik Brauer seinen ästhetischen Frust von der Seele gesungen. Sollen wir aktuell singen „Sie woll’n uns a Mauer herbauen“? Oder wäre das nur ein weiterer Beitrag zu dem mentalen Chaos, in dem „catch as catch can“ jeder jedem subtile Gewalt antut?

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Da schreibt Niki Glattauer – trotz achtenswerterweise Schriftstellerkarriere noch immer Lehrer und damit a priori Vorbild – im heutigen Sonntagskurier, wenn ein halbwüchsiger (Altersangabe fehlt, könnte aber ohnedies wie so oft herabgemindert angegeben worden sein) Syrer Frauen ans Geschlecht greife, hätte das nichts mit sexueller Gewalt zu tun. Und dann berichtet er von einem selbst erlebten Über-Griff aus seiner Jugendzeit, und dass seine Mutter sagte, nichts Ärgeres sollte ihm passieren im Leben. Beides ist Verharmlosung.

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Es sei ja nur ein „Schupferl“ gewesen, verharmlost der Leobner Vizebürgermeister Geiger (welcher Partei er angehört, lasse ich als unerheblich weg — das können Interessierte ja im Internet nachschauen) den Stoß, mit dem einer von drei Polizisten eine Frau zu Fall gebracht und die Verletzte anschließend liegen gelassen hat. Das war schon im Mai, stand zu lesen, und weil damals behauptet wurde, die Frau sei wegen ihrer Alkoholisierung gestürzt, wurde ihr Vorwurf der Tätlichkeit nicht weiter verfolgt (Der Standard, 23. 8., S.8).

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