Ich bin eine bekennende Legasthenikerin. Konkret: Mein Hirn kann zwar rechtschreiben – oder heißt es Recht schreiben? flüstert mein Fehlerteufel, und die Juristin in mir (das ist ja mein Erstberuf von bislang sieben ordentlich erlernten) beschwichtigt, das gehöre zu meinen legistischen Initiativen, aber nicht in den Alltag – nur meine rechte Hand („das schöne Handi“ hieß es in meiner Volksschulzeit) stellt gerne Buchstaben um. Zahlen sowieso. Ich habe daher eine Schul-Biographie des Ausgespottetwerdens, wenngleich ich schon während des Schreibens auf der Tafel (oder heute auf Flipcharts) zu korrigieren pflege. „Pass besser auf!“ und „Bemühe Dich mehr!“ hieß es damals andauernd – immerhin bin ich ein doppeltes Lehrerkind.

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Geplante Verbrechen haben es an sich, dass sie getarnt werden – sonst könnte man sie ja verhindern.

Wir werden uns also daher daran gewöhnen müssen, selbst wieder auf die „wilden Tiere“ im Großstadt- und Internet-Dschungel zu achten – und nicht (nur!) nach Schutzleuten und -einrichtungen zu rufen.

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Zuerst: Ich finde es gut, dass die Medienfrauen – ein österreichweites Netzwerk schreibender Frauen – zu einem Flashmob gegen sexistische Hasspostings in sozialen Medien vor der Wiener Karlskirche aufgerufen haben.

Und es ist typisch, dass es Frauen sind, die aktiv werden – denn Hasspostings betreffen auch Journalisten – nur neigen Männer dazu, als „standhafte Soldaten“ viel zu viel von eigentlich Unerträglichem auszuhalten, um Stärke und Unverwundbarkeit zu demonstrieren.

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Auch ich war früher – als ich noch Kommunalpolitikerin, Mandatarin und Landtagskandidatin einer politischen Partei in Wien Favoriten (das damals als „die drittgrößte Stadt Österreichs“ politischen Führungsanspruch erhob) an Wahlen eingesetzt, allerdings nie als Wahlbeisitzerin. Das war mein Ehemann, einige Male sogar Wahlleiter, denn er war Gemeindebediensteter – und daher bekam er auch eine finanzielle Abgeltung für diese Arbeit, und das war damals gar nicht so wenig (und für uns junges Ehepaar mit kleinen Kindern eine große Wohltat). Ob er dafür eingeschult worden war, weiß ich nicht … ich jedenfalls saß ungeschult aber angeleitet in den Räumen der Bezirkspartei und musste regelmäßig in den Wahllisten abstricheln, wer von den Parteimitgliedern bereits gewählt hatte. Das wurde uns regelmäßig von Kolleg_innen, die in die Wahllokale nachfragen gingen, mitgeteilt – und um 16 h, eine Stunde vor Wahlschluss, begannen dann die „Schlepper“ diejenigen Parteimitglieder aufzusuchen, die noch nicht zur Wahl gegangen waren. Dass sie natürlich „die Partei“ wählen würden, galt als unbestritten … war es aber nicht, wie ich immer wieder vertraulich erfuhr.

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Es wären vor allem die Älteren in ländlichen Umgebungen Englands gewesen, die für den Austritt Großbritanniens aus der EU gestimmt hätten, meldeten die Zeitungen nach dem „Sieg“ der EU-Gegner nach der Volksabstimmung. Junge, Städtische und Gebildete hingegen hätten für den Verbleib gevoted.

Das wundert mich nicht: Es ist ein Unterschied, ob man im Austausch mit anderen Gleichaltrigen aus ganz Europa und darüber hinaus aufgewachsen ist – oder mit den traditionellen Feindbildern des 20. Jahrhunderts, die durchgängig von Nationalismus geprägt waren.

Nationalismus betrachtet die WIR als überlegen und die ANDEREN als all das, was man bei sich selbst nicht wahrnehmen will.

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Nach dem Mord an der britischen Labour-Abgeordneten und Brexit-Gegnerin Joanne Cox wird gerätselt, ob der „Britannien zuerst!“- Ruf des Mörders drauf schließen lässt, dass dieser ein Werkzeug der gleichnamigen Politgruppe sei. Fanatiker hat es immer schon gegeben – und manche hielten sich für ein auserwähltes Werkzeug Gottes, was auch immer sie unter Gott verstanden haben mögen. Vielleicht nur ihren inneren Zwang.

So berichtete auch der Bruder des verhafteten Mörders von dessen langwährenden psychischen Problemen. Dennoch erkennen wir bei diesen Überlegungen das Denkmuster, eine einzige Ursache für solch eine Untat zu suchen, zumindest aber Auslöser in der Vergangenheit. Würden wir diese erkennen, so wähnen wir, könnten wir uns schützen.

Aber das können wir nicht. Leider.

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Die körperlichen Effekte des Sprechens überschreiten die Absichten des Sprechers, betont die amerikanische Philosophin und Philologin Judith Butler in ihrem Buch „Hass spricht“ (aus 1997!), und sie würden die Frage nach dem Sprechakt selbst als einer Verbindung von körperlichen und psychischen Kräften aufwerfen. Sie zitiert auch Pierre Bourdieu, wonach Normen den Habitus des Körpers stilisieren und kultivieren – den kulturellen Stil seiner Gestik und seines Verhaltens.

Jeder Dirigent kennt seine energetische Körpermacht, Kraft zu lenken (deswegen waren ja auch Frauen so lange vom Dirigat ausgeschlossen – sie könnten zu viel „Magie“ des stummen Führens mitbekommen) und die Wirkung von Schauspieler_innen (oder auch Lehrer_innen, Pfarrer_innen und Politiker_innen) hängt auch davon ab, ob sie „über die Rampe“ – oder über den Bildschirm –  „rüber kommen“. Wer das kann, löst Begeisterung, Gefolgschaft oder aber Angst und Abwehr aus.

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Es gibt Phänomene, die hält man in Zeiten der political correctness für längst  verschwunden, „No go“ sozusagen.

Dazu gehören verächtliche Bezeichnungen für Menschen, die den von den dominanten Gesellschaftsschichten missachteten Minderheiten zugehörten – schwarze Sklaven in Amerika, nichtsesshafte Roma und Sinti in Europa. Dazu zählen aber auch gleichgeschlechtlich orientierte Menschen; die wehrten sich in der gay-pride-Bewegung gegen diskriminierende Bezeichnungen dadurch, dass sie diese einfach mit umgekehrt selbstbewusster Betonung verwendeten: „Ich bin schwul und das ist gut so!“ Ebenso suchten Menschen mit Handicaps nach neuen Worten; ich erinnere mich noch, wie der Diplomsozialarbeiter Manfred Srb – in den 1980er Jahren mein Kollege im Verein Jugendzentren der Stadt Wien und später Nationalratsabgeordneter der Grünen – hinten auf seinem Rollstuhl ein Transparent „Ich bin behindert“ angebracht hatte, wobei „bin“ durchgestrichen und durch „werde“ überschrieben worden war.

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Beim heutigen Europa Forum Wachau im Stift Göttweig wurde darüber diskutiert, ob und wie „Regionen“ in Krisensituationen bei Krisenbewältigungen hilfreich sein könnten, und flugs entstand eine Diskussion darüber, ob man „Länder“ wie in Österreich als „dritte Ebene der Verwaltung“ brauche oder vielleicht doch mit nur zwei – Kommunalverwaltungen und einer einzigen Zentralverwaltung – auskommen könne. Nur Österreich, Deutschland und Belgien hätten „Bundesländer“ – alle anderen EU-Staaten nicht …

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Der von mir – wegen seiner vorbildlichen Art in Anwesenheit der Delinquenten voll Respekt seine Gutachten zu referieren – sehr geschätzte Gerichtspsychiater Reinhard Haller – in der Zeitung Kurier von heute zum „Kriminalexperten“ erhöht obwohl er kein Jurist ist – erklärt den Amoklauf des 27jährigen, der „nach einem Streit“ mit seiner Freundin eine Waffe aus dem Auto geholt und wild in die Besuchermenge der Nenzinger Bikerparty geschossen und zwei Menschen getötet und etliche schwer verletzt hatte, mit „Kränkung“ (dazu hat er ja auch sein jüngstes Buch verfasst) und „Ärger“. Und er verwendet den Begriff „das Abnorme“.

Ich finde diese Formulierungen in die Irre führend.

So abnorm ist blinde Wut leider nicht – das zeigen die vielen „blindwütigen“ Kindesmisshandlungen, Rachevergewaltigungen oder auch Folter als Strafe für „mangelnden Gehorsam“. Denn auch wenn Selbstbeherrschung als Norm vorgegeben wird, ist sie doch nur ein Ideal, für das Vorbilder und Anleitungen fehlen.

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