Briefe gegen Gewalt

Halt! Gewalt!

Ein 5jähriger Bub habe eine Gleichaltrige im Kindergarten sexuell belästigt, teilt mir ein Journalist am Telefon mit und fragt, wie man mit “so etwas” umgehen sollen.

Zuerst einmal klären, was konkret vorgefallen sei, sage ich, denn sonst bleibe es der individuelle Phantasie überlassen, was manfrau sich darunter vorstelle. Er habe ihr einen Legostein in den Slip gesteckt, lautete die Antwort.

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Halt! Gewalt!

“FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache forderte via Facebook ein radikales Vorgehen gegen ,radikale Islamisten’ ”, lese ich heute im Kurier, „,Räuchert die ,Islamisten-Nester aus’, ermunterte er seine zahlreichen Internetfreunde.”

Das hat mich schockiert. Lese ich doch gerade das Buch “Selbststeuerung – Die Wiederentdeckung des freien Willens” des Freiburger Neurobiologieprofessors Joachim Bauer. Darin schreibt der renommierte Arzt und auch Psychotherapeut über die sogenannten Resonanzphänomene:

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Halt! Gewalt!

Wenn ein Nichtarzt wagt, öffentlich medizinische Diagnosen zu stellen, reagiert die Ärztekammer üblicherweise mit Anzeigen wegen Verletzung des Ärztegesetzes. Nun hat ein dazu nicht lizensierter Arzt gewagt, eine psychotherapeutische Diagnose zu stellen – und es bleibt zu befürchten, dass ihm diese Kompetenz nicht abgesprochen wird.

Ich will das hiermit tun!

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Halt! Gewalt!

Üblicherweise denkt man bei mentaler Gewalt an chinesische Geirnwäsche-Folter … oder auch an die geistige Gleichrichtung, wie sie in der Propaganda des Dritten Reichs oder anderen autoritären Staatsformen eingesetzt wurde.

Aber auch in der Politpropaganda findet man Beispiele, wie geistige Inhalte „eingetrichtert“ werden – z. B. wenn auf Plakaten Botschaften in der Ich-Form zur Identifikation verführen sollen. Ich erinnere mich da an SPÖ-Plakate … Gewaltverzichtend wären hingegen Formulierungen wie „Wir setzen uns für … ein“ oder „Wir stehen für …“ – aber da muss man dann auch Inhalt vorweisen können.

Wer anderen etwas einzureden versucht, will damit gedanklichen Gehorsam erzwingen – und sich kritisches Infragestellen ersparen.

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Halt! Gewalt!

Nein – es geht nicht um das legendäre Bronner-Merz-Qualtinger-Kabarett dieses Namens.

Es geht um Vorurteile.

Wir haben sie alle – und grundsätzlich sind sie auch nicht schlecht. Sie verhelfen uns zu blitzschnellen spontanen Distanzierungen – oder aber auch zu, leider vielfach unberechtigtem, Vertrauen (beispielsweise bei HeiratschwindlerInnen). Sie gehören immer unter Einsatz von Vernunft überprüft – denn sonst bleiben sie Phantasiegebilde. Sie bilden dann oft die Wurzel von Verfolgungsideen – aktiven (Stalking) wie auch passiven (paranoide Wahnvorstellungen).

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Halt! Gewalt!

Fasching bedeutet Narrenfreiheit – dennoch zeigt sich: Der Schelm ist wie er denkt. Daran musste ich denken, als ich heute, zwei Tage nach dem Opernball, in der Zeitung ÖSTERREICH las: Großer Titel: “Scherz am Opernball wird zu Polit-Eklat”, kleiner Titel: “ORF-Star spottet über FPÖ-Politikerin live im TV” und noch kleiner: “ORF entschuldigt sich halb für Weichselbraun”, denn “In der FPÖ fühlt man sich gemobbt und wittert ein Vorsatzdelikt.”

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Halt! Gewalt!

Ein Polizist in Chicago beanspruche eine Entschädigung aus dem Nachlass eines von ihm “versehentlich” erschossenen Teanagers, weil er durch diese Fehlhandlung seitdem traumatisiert sein, lese ich im Standard vom 1. Februar 2016.

Ja, die Folgen von Schusswaffengebrauch – vor allem auch im Polizeieinsatz – können Traumatisierungen auslösen – wie andere ungewollte Folgen auch. Und es gibt Berufe, bei denen das Risiko einer Traumatisierung hoch ist: Überall dort, wo man mit Hochstress fertig werden muss, der aus Geschehnissen stammt, welche die eintrainierten Bewältigungsstrategien überschreiten. Aber: Die Behebung von berufsbedingten Traumabelastungen betrifft die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers – keinesfalls aber die “Adressaten” von Diensthandlungen, es sei denn, diese hätten absichtlich oder schuldhaft solche herbeigeführt.

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Halt! Gewalt!

Sprache sei ein Schlüssel, habe ich einen Ausspruch des polnisch-amerikanischen Ingenieurs und Linguisten Alfred Korbyzki in Erinnerung: Sie könne aufschließen aber auch einsperren.

Daran musste ich denken, als der “Politkberater” Thomas Hofer in der Talkshow “Im Zentrum” am 17. Jänner 2016 die Wählerschaft der Bundespräsidentschaftkandidaten Hundstorfer, Griss, Van der Bellen und Khol mit der Bezeichnung “Pensionistenkränzchen” etikettierte um auszuführen, dass die vier – alle im Altersbogen von Mitte 60 bis Mitte 70 – für Junge nicht attraktiv wären.

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Halt! Gewalt!

Sprache hat Suggestivkraft. Sie kann behübschen, verniedlichen, dramatisireen, dämonisieren. Verwirren und verdummen.

Denken wir beispielsweise an die Worte Sexualstraftaten oder Sexualstraftäter. Sie konstruieren Trugbilder. Es gibt sie nämlich nicht. Es gibt nur Gewalttaten an oder mittels der Genitalien. Wenn es eine wirkliche Sexualstraftat geben soll, dann ist es die, Sexualität bestrafen zu wollen.

Bestrafen sollte man nach europäischem Rechtsverständnis aber nur Verhaltensweisen.

Was am Kölner Hauptbahnhof vorgefallen ist oder inszeniert wurde, werden wir erst wissen, wenn es Selbstdarstellungen der Täter gibt – oder präzis beobachtbare Wiederholungen – und da wir in Europa in demokratischen Rechtsstaaten leben, haben Täter das Recht auf Verteidigung, daher werden die studierten Strafverteidiger zu beweisen versuchen, dass die „armen unbeweibten“ Männer nicht anders konnten, wenn sie, aus Burka-Ländern stammend, aus ihrem Verständnis „entblößte“ und „enthemmte“ Weiblichkeit für Selbstbedienungsoptionen hielten – auch finanzielle – die man maßregeln musste.

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Halt! Gewalt!

Dass Handspiel in einem Fussballmatch ein schweres Foul ist, wissen wohl alle Männer. Immerhin ist das Fussballfeld ein Arbeitsplatz und es gelten dort wohlbekannte Regeln. Wer sich nicht an diese hält, hat die Folgen zu tragen – bis zum Ausschluss.

Auch die Schule ist ein Arbeitsplatz. Früher waren die Regeln dort autoritär “von oben herab” diktiert und Verstöße wurden sanktioniert. Auch ich fasste einmal 2 Stunden Karzer und die Betragensnote 3 aus, weil ich die Vorgehensweise eines Professors – unbeabsichtigt für ihn hörbar – als “Verbrechen am Kind” bezeichnet hatte. Heute gibt es stattdessen Schulvereinbarungen und mediatorische Konfliktlösungen, und das genügt – vorausgesetzt alle Beteiligten sind sinnverständig und daher kooperationsbereit. Es gibt aber Konflikte, die eignen sich nicht für Mediation. Beispielsweise jemand im Intimbereich anzufassen.

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