Briefe gegen Gewalt

Halt! Gewalt!

Gibt es das wirklich, dass die Mutter nichts gemerkt hat vom Missbrauch ihrer Kinder, fragt mich die Journalistin im Interview. Ja, das gibt es, bestätige ich – und denke dabei an eine Kollegin, auch Psychotherapeutin, die in der Supervision verzweifelt geklagt hat, „Wieso habe ich nichts gemerkt? Warum hat mir meine Tochter erst nach der Scheidung erzählt, was der Vater mit ihr angestellt hat? Ja, da gab es einmal etwas vor vielen Jahren – in der Sommerfrische, mit einem Nachbarskind … aber ich habe seinen Beteuerungen geglaubt … Ich war so fest überzeugt: mein Mann doch nicht! Der tut so was nicht …“ Ich habe damals in etwa gesagt: „Weil es geplante Verbrechen an sich haben, dass sie im Verborgenen geschehen – dass sie versteckt werden – und dass alle, die einen Verdacht äußern, empört als Spinner zurück gewiesen werden …“

Das ist aber nur eine Sichtweise auf diese besondere Form des Nicht-wahrnehmens. Es gibt die Hilflosigkeit gegenüber dem Unvorstellbaren, die Anzeichen falsch deuten lässt.

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Halt! Gewalt!

Am 30. April moderierte Martin Ferdiny in „Mittag in Österreich“ einen Bericht über den tragischen Unfall einer 43jährigen Frau und ihres 45jährigen Freundes. Er sprach von einem „Pärchen“. Auch im Beitrag wurden die zwei als Pärchen bezeichnet. Bei diesem Alter finde ich das unpassend – aber eigentlich ist es das immer: Es verkürzt, verharmlost, verniedlicht, nimmt Ernst. Ich vermute, dieses Klein-machen stammt aus Schlagertexten, in denen Pärchen auf Märchen gereimt wurde, und die sich als Ohrwürmer dauerhaft ins Gedächtnis eingeschlichen haben. Politische Korrektheit wäre angebracht …

Allerdings können zuviel politische Korrektheitsforderungen den Sinn dieser Forderung zuwider laufen.

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Halt! Gewalt!

Es ist gut, wenn Parlamentspräsident Sobotka, studierter Historiker, eine Forschungsarbeit zu „belasteter Sprache“ anregt (Kurier, 06.05.2018, S. 5). Ich würde allerdings präzisieren: Es sollte erforscht werden, wer heute – zum Beispiel innerhalb der letzten drei Jahre – wann und zu welchem Anlass solche Ausdrücke des „Neusprech“ aus der NS-Zeit verwendet hat – und auch andere gezielt diskriminierende oder verwirrende, denn diese Methoden der Sprachsuggestion wurden ja zwischenzeitlich perfekt weiterentwickelt. Das hat der langjährige Linzer Wirtschaftsprofessor und NLP-Master Walter Ötsch in seinen Büchern „Haider light“ und dessen Neubearbeitung „Populismus für Anfänger“ klar verständlich aufgezeigt. Sprachbewusste Politiker sind sprach-trainiert – oder „Naturtalente“. Derzeit kann das medienträchtige Spiel mit solchen Sprachbildern exzellent bei Ex-Kanzler Christian Kern, vom Studium her Kommunikationswissenschaftler, beobachtet werden (jüngstes Beispiel: die Regierungsspitze als „russische Pyramide“ – zwei Betrunkene stützen einander – zu bezeichnen).

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Halt! Gewalt!

In Indien sind Vergewaltigungen seit 2012 um 60 % angewachsen. (http://orf.at/stories/2434939/2434940/) Und es werden Kinder – nicht nur Kinder – zu Tode vergewaltigt oder gleich getötet. Ein neues Gesetz sieht daher für Vergewaltigungen von Kindern unter 12 Jahren die Todesstrafe vor (bisher gab es maximal nur lebenslange Haft). Das Gesetz sieht vor – aber werden Polizei und die Richterschaft diese „Absichtserklärung“ auch verinnerlichen? Immerhin stehen für die Vergewaltigung und Ermordung der 8jährigen Muslima Asifa Bono 5 hinduistische Männer unter Verdacht, darunter 4 Polizisten und ein Hindupriester. Als Schuldige werden aber das (zwar abgeschaffte dennoch lebendige) Kastenwesen zitiert, das die Diskriminerung von Frauen gestatte,  die Vorbilder der Gewalt als angebliche Leidenschaft in Bollywood-Filmen, die Langeweile, Frustration sowie übermäßiger Alkoholkonsum – und ein Männerüberschuss von 37 Millionen. Dass auch dieser mit der verbreiteten Abtreibung weiblicher Föten wie der getarnten Ermordung von Frauen durch „Küchenunfälle“ zusammenhängt, wird verschwiegen.

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Halt! Gewalt!

„Erschieß mich!“ soll der 25jährige Softwareentwickler den Polizisten zugerufen haben, der ihn nach dessen Amokfahrt in Toronto, bei der 10 Menschen getötet und 15 schwer verletzt wurden, gestellt hatte. Ziel „Suicide by cop“? Oder ein Ausbruch jahrelang aufgestauter Aggression – oder Verzweiflung?

Wie so oft melden sich nun ehemalige Schul- bzw. Studienkollegen zu Wort: Der Täter wäre nicht gesellig gewesen, in eine Schule für Menschen „mit besonderen Bedürfnissen“ gegangen, seine Körpersprache hätte auf eine geistige Behinderung schließen lassen … und er hätte beim Gehen vor sich hin miaut. Weiterlesen

Halt! Gewalt!

Wertschätzung erkennt man unter anderem daran, dass echtes Engagement, konkreter Einsatz, ernsthaftes Bemühen, auch Anstrengung und Ausdauer anerkannt und positiv bewertet werden – Betonung auf „echt“ und „ernsthaft“. Immerhin gibt es ja auch bloße Lippenbekenntnisse. Wenn sich also George Bush sen. mit der Beschwörung „Read my lips!“ als quasi Eid, es werde keine neue Steuern geben, in der Geschichte verewigt hat, wusste er wohl, weshalb er die Aufmerksamkeit von seinen Augen – bekanntlich die Fenster zur Seele – abgelenkt hat.

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Halt! Gewalt!

Menschenwürde hängt nicht von Eigenschaften ab: Sie steht uns allen zu. Anders ist das bei Verhalten, das sehr wohl kritisiert, abgelehnt oder auch bestraft werden kann und auch soll, denn wie sonst soll jemand verstehen und lernen, dass wir, die Gesellschaft, bestimmte Aktionen –  Sprechen mitgemeint – nicht dulden wollen.

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Halt! Gewalt!

Sozialministerin Hartinger-Klein wolle die Allgemeine Unfall Versicherungs Anstalt „aus persönlichen Rachegelüsten“ auflösen, meldete der neue „Bundesgeschäftsführer“ der SPÖ (vor Vranitzky hieß diese Funktion „Zentralsekretär“, aber das klang dem „Sozialisten im Nadelstreif“ (SN 04.10.2012) zu sehr nach Sowjetunion), Max Lercher, weil sie sich 2017 „vergeblich um eine AUVA-Führungsposition beworben habe“. (Kurier, 08.04., S. 2). In der Psychoanalyse nennen wir so etwas „Projektion“: Weiterlesen

Halt! Gewalt!

Stefan Zweig (1881–1942), nicht nur hochangesehener Schriftsteller sondern auch promovierter Philosoph, beschrieb in „Heilung durch den Geist“ anschaulich den wechselhaften Lebensweg des Arztes und Entdeckers des „animalischen Magnetismus“ Franz Anton Mesmer (1734–1815) – vor allem die Verleumdungen und Skandalisierungen durch konkurrierende Kollegen, die den erfolgreichen Heiler aus Wien weg haben wollten. „Wer heilt, hat Recht“ sagt zwar der Volksmund, nicht aber das Spottmaul, das jenseits kritischer Überprüfungen nur selbsterhöhende Aufmerksamkeit akquirieren will.

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Halt! Gewalt!

Im heutigen Pressedienst der Evangelischen Kirche für Österreichs lese ich den Protest des niederösterreichischen Superintendenten (entspricht protokollarisch dem katholischen Diözesanbischof) Mag. Lars Müller-Marienburg zu den Worten des gestern als FPÖ-Landesrat neu angelobten Gottfried Waldhäusl, wonach dieser zu dem Ansinnen einen Gefängnisstandort im niederösterreichischen Waldviertel zu errichten, gesagt habe: „Jetzt soll der Abschaum zu uns abgeschoben werden? Das bringt keinerlei Wertschöpfung für die Region!“

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