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Themenschwerpunkte
Gewalt gegen Tiere


Halt Gewalt! – auch für Tiere?

Gewalt gegen Tiere? Tiere fallen uns als Opfer von Gewalt nicht unmittelbar ein. Die meisten Begriffe, die mit Gewalt in der Gesellschaft in Zusammenhang stehen, wie Missbrauch, Unterdrückung, Vergewaltigung, Totschlag, Mord usw., scheinen sich auf Tiere gar nicht beziehen zu können. Tiere sind quasi begrifflich bereits aus der Gewaltdiskussion ausgeschlossen.

Bei genauerem Hinsehen ist das aber ein Phänomen der Sprache, der Kultur, und nicht der faktischen Realität. Seit der Aufklärung und ihrem Menschenbild trennen wir strikt zwischen Kultur und Natur, zwischen Mensch und Tier, zwischen soziologischer Gewalt und ethologischem Aggressionsverhalten, zwischen Ethik und natürlicher Auslese. Ja, ein Verwischen dieser Grenzen wurde – und wird auch heute noch – von vielen als Affront gegen den Humanismus empfunden.

Dabei lehrt uns die Biologie spätestens seit Darwin die Mensch-Tier Kontinuität von Bewusstsein, und damit von Empfindung und Gefühl. Die angenommene Kluft zwischen Mensch und Tier ist nur eine soziale Hilfskonstruktion, aufbauend auf der biblischen Vorstellung des Menschen als Ebenbild eines (weißen, männlichen) Menschen-Gottes, mit eingehauchtem Odem des Lebens, also einer Seele, um die Gleichheit aller Menschen trotz ihrer empirischen Verschiedenheiten begründen zu können. Diese grundsätzliche Gleichheit aller Menschen bedingt die Forderung nach Gleichberechtigung und Gerechtigkeit. Die grundsätzliche Verschiedenheit zu den Tieren grenzt diese daher von diesen Begriffen aus. Die Gleichberechtigung aller Menschen, das Erbe der Aufklärung, wurde auf dem Rücken der Tiere erkauft; sie wurden zum anderen schlechthin erklärt, für den es keine Gerechtigkeit gibt.

Diese Ausgrenzung und Minderbewertung wird heute in der modernen Soziologie als „Speziesismus“ bezeichnet, in Anlehnung an Sexismus und Rassismus. Dieser Speziesismus der Aufklärung ist dafür verantwortlich, dass Gewalt gegen Tiere lange Zeit nicht ernstgenommen wurde. Heute ist das Mensch-Tier Verhältnis im Werteumbruch. Jeder Umgang mit Tieren wird jetzt in Frage gestellt und nach Missbrauch oder Notwendigkeit untersucht. Das gesellschaftliche Erbe an Tiernutzung ist groß, die Altlasten aus einer Zeit, in der Tierschicksale vollkommen belanglos waren, sind erheblich. Vieles gilt es aufzuarbeiten, neue Wege der Mensch-Tier Beziehung müssen entwickelt und beschritten werden. Insbesondere:

  • bei der Schweinefleischproduktion
  • bei der Geflügelfleischproduktion
  • bei der Rindfleischproduktion
  • bei der Eierproduktion
  • bei der Milchproduktion
  • am Schlachthof
  • bei Tiertransporten
  • bei Tierversuchen
  • in Tierzirkussen
  • in Zoos
  • bei der Pelzproduktion
  • bei der Daunenproduktion
  • bei der Jagd
  • bei der Haustierhaltung
  • beim Singvogelfang

DDr. Martin Balluch


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