
|
|
|
Themenschwerpunkte
Gewalt in den Medien
Wir freuen uns, dass wir Frau Mag. Aga Kwiecinski (Studium der Publizistik- & Kommunikationswissenschaft in Wien, arbeitet seit Jahren als Journalistin; seit 2004 Studienassistentin an der Fakultät für Sozialwissenschaften / Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Wien) als Expertin in diesem Themenbereich gewinnen konnten.
Publikationen:
-
„Frauen Alter Medien. Bestandsaufnahme eines Spannungsfeldes“ Studie (Juli/2005)
-
„Businessfrau & Märchenprinz. Der Geschlechterdiskurs im Übergang“ Reader (mit Beiträgen von, Dr. Petra Gruber, Mag. Aga Kwiecinski, Prof. Dr. Rotraud Perner, Dr. Barbara Schweder, Prof. Dr. Adam Zielinski, Markus Kravanja) 2005
-
„Die Frauenbewegung ist tot, es lebe die Frauenbewegung. Weibliche Identitätskonstruktion am Beispiel der TV-Serien Ally McBeal und Sex and the City sowie des Films Bridget Jones“ (2004)
Kontaktmöglichkeit, Information & Anregungen: über unseren „Dialog“
Halt Gewalt – in den Medien
Das Wort „Gewalt“ kommt aus dem Althochdeutschen, „walten“ bzw. „waltan“ stand für stark sein, beherrschen. Ursprünglich hat der Begriff also bedeutet, dass jemand eine Handlung durchzuführen vermag, ohne gleich darüber zu urteilen, ob diese rechtmäßig war oder nicht. Im heutigen Gebrauch steht „Gewalt“ meist in Verbindung mit Aggression und Machtmissbrauch.
Wer also wissen möchte, wie es um das Thema Gewalt in den Medien bestellt ist, der muss mindestens zwei Blickwinkel betrachten: „Gewalt in den Medien“ und „Gewalt durch Medien“ bzw. „Gewalt an Medien“.
Gewalt in den Medien
Gewaltdarstellungen in den Medien haben eine lange Tradition. Viele Zeitungen lebten vor allem in den Anfangsjahren von den Berichten der hiesigen Polizeistationen, und damit natürlich vor allem von Mord und Totschlag. Auch heute finden sich in den Zeitungen entsprechende Meldungen. Mit dem Fernsehen, dem dominantesten Medium der heutigen Zeit, hat die bunte Welt der bewegten Bilder Einzug in unsere Wohnzimmer gefunden. Und mit der Frage danach, wie wirklich all das ist, was wir sehen, hat sich immer stärker auch die Frage gestellt, inwieweit Gewalt einen Einfluss auf den Zuschauer hat. Sehen wir etwa Bilder von einem Kriegsschauplatz im Fernsehen, müssen wir glauben, dass das Bilder vom Krieg z.B. im Irak sind, und dass all das, was der Sprecher dazu sagt, auch stimmt. Nachprüfen können wir das in den seltensten Fällen. Unabhängig von Nachrichtensendungen schenken wir vielfach dem Glauben, was wir im Fernsehen sehen. („Ich habe es doch mit eigenen Augen gesehen!“ lautet vielfach die beweisführende Argumentation, wenn wir schier Unglaubliches berichten, was jemand anderer nicht gesehen hat und daher in Zweifel zieht.) Was wir im Fernsehen sehen ist für uns Wirklichkeit. Gewalt sehen wir allerdings nicht nur in Nachrichten sondern auch in Filmen.
In den vergangenen Jahren haben sich viele Wissenschafter mit der Frage auseinandergesetzt, inwieweit diese Gewalt auch den Menschen verändert, der vor dem Bildschirm sitzt. Werden harmlose Fernsehzuschauer durch Gewaltdarstellungen zu aggressiven Tätern, oder sehen sich eher aggressionswillige Menschen gerne Gewalt im Fernsehen an? So unterschiedlich die Ergebnisse mancher Studien waren, eine Wechselwirkung ist die wahrscheinlichste.
Gewalt durch die Medien / an den Medien
Während Gewalt in den Medien relativ eindeutig auszumachen ist, stellt der Blickwinkel auf Gewalt durch die Medien bzw. an den Medien selbst teilweise einen Graubereich dar. Gewalt kann hier indirekt spür- und wahrnehmbar sein. So ist eine Verletzung der Grundfreiheiten der Presse und der freien Meinungsäußerung auch eine Form von Gewalt, die nicht immer objektiv auszumachen ist. (Ist nicht ein Journalist, der eine Geschichte aus Sorge davor, seine Karriere mit einer Reportage zu hemmen, eine Geschichte nicht bringt, bereits Opfer von Gewalt?) Aber auch die diskriminierende Darstellung einzelner Bevölkerungsgruppen ist Gewalt. Frauendiskriminierende Filme und Serien, Altersdiskriminierende Werbung, rassistische Äußerungen politischer Parteien – Gewalt findet sich in Medien in unterschiedlichster Variation und Intensität wieder, vielfach unbewusst, oft aber auch bewusst eingesetzt.
Sprache und Bilder als Waffe
Medien und Gewalt ist aber nicht nur eine Frage der Bilder, sondern auch eine Frage der Sprache. Kurt Tucholsky hat etwa gemeint "Die Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf." Worte können verletzen, und Worte können vernichten. (Die Affäre um den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton und seine Praktikantin war ein Musterbeispiel von Gewalt mit vielen Gesichtern.)
Wenn wir uns in die Zeit zurückversetzen, als Meinungsverschiedenheiten einfach mit einem Keulenschlag entschieden wurden, dann könnte man zu dem Schluss kommen, dass Sprache ein Zeichen von Zivilisation und in weiterer Folge auch Handeln ist (also Kommunikation statt Schädel einhauen). Wo Sprache allerdings zur Waffe wird, und über die Medien ihre Verbreitung findet, werden aus Flüchtlingen Vertriebene und Ausländer, und aus vollschlanken Frauen plötzliche fette Monstren. Der Maßstab, mit dem gemessen wird, ist denkbar willkürlich.
Filme, die Gewalt verherrlichen, oder auch nur verharmlosen, tragen so zu einem Klima bei, in dem Gewalt alltäglich wird. Medien, die ein Ideal von Schönheit und Aussehen propagieren, stellen alles, was von dieser Norm abweicht, an den Rand. In einem Zeitalter der ewigen Jugendlichkeit und der makellosen Schönheit sprechen die steigenden Zahlen von verzweifelten Menschen, die beim Schönheitschirurgen vorsprechen eine eindeutige Sprache. Die Diskriminierung von Frauen hat in den Medien eine lange „Tradition“. Nicht selten werden Frauen dabei Opfer von Frauen. Und auch wenn die Intensität der Gewalt, die über den Einzelnen hereinbricht, variieren mag, Gewalt bleibt Gewalt. Alte Menschen, Migranten, Frauen, Behinderte, etc. sie alle werden täglich mehrfach öffentlich angegriffen – und können sich kaum wehren, solange nicht das Bewusstsein für diese Art von Gewalt auch in der Öffentlichkeit vorhanden ist.
Werbung, die sich über alte Menschen und ihre eventuellen körperlichen oder geistigen Unzulänglichkeiten lustig macht, ist genauso gewalttätig, wie ein Kampfspiel für den PC. Vielleicht ist sie sogar noch gefährlicher, weil sie wie ein Wolf im Schafspelz daherkommt, und uns vorgaukelt, besonders witzig und innovativ zu sein.
Gewalt macht Stress
Gewalt lässt sich in den Medien auch daran erkennen, dass sie Druck macht, auf den einzelnen Zuschauer, Hörer oder Leser. Der Rezipient, der feststellen muss, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmt, und das Bedürfnis verspürt – oder vielmehr den Zwang – einer Forderung nachzugeben, ist bereits Opfer von Gewalt geworden. (Frauen, die meinen, eine komplette Persönlichkeitsänderung in eine Figur aus „Sex and the City“ vornehmen zu müssen sind genauso gefährdet, wie Mädchen, die meinen, das Schönheitsideal von Kate Moss sei verpflichtend für Erfolg beim anderen Geschlecht und damit auch in der Liebe.) Wo Gewalt ausgeübt wird, dort gibt es immer auch Opfer.
|
|