--> Amnesty

--> NÖ Landesregierung

--> NÖ Landes-Akademie

--> Institut für Stressprophylaxe & Salutogenese

--> ORF NÖ

--> NÖ Nachrichten

ecoplus

Plattform Halt! Gewalt! | Themenschwerpunkte | Adressen | Kooperationen
















GEWALT -
im Alltag
in der
Gesellschaft
in den Medien
in der Politik
in der Wirtschaft
im Beruf
gegen Frauen
gegen Kinder
und Jugend
gegen Außenseiter
gegen Ausländer
gegen Tiere
 

Themenschwerpunkte
Gewalt im Alltag


Sprachgewalt

Unsere deutsche Sprache strotzt von martialischen Gleichnissen, daher erfordert es mühevolle Arbeit, sich Kampfmetaphern abzugewöhnen. Z. B. habe ich mir angewöhnt, statt "Lasst uns für den Frieden kämpfen!" zu sagen, "Lasst uns doch die Mühe auf uns nehmen!" Mühe ist es nämlich, auf die versteckten Verbalattacken zu achten, und es ist auch nicht leicht, auf sprachliches Kriegsgetöse zu verzichten, wo doch die meisten von uns – früher nur die Buben, heute auch die Mädchen – von klein auf gehört haben: Lass dir nichts gefallen! Und: Da muss man doch in die Luft gehen! Und wenn dann fürchterliche Dinge passiert sind, heißt es: Hätt's eahm net g'razt! (hochdeutsch: Hätte sie ihn nicht gereizt!)

Wir neigen dazu, im Konfliktfall die Schuld irgendwem anderen zuzuschieben. Egal, ob wir selbst als Unschuldslämmer dastehen wollen oder als Märtyrer/innen, konkret geht es immer darum, sich jemand anderen – eine wertende, urteilende, rachsüchtige, richtende, strafende Person – vom Leibe zu halten. Das wird dann so zur Gewohnheit, dass selbst friedfertige, versöhnliche Menschen sicherheitshalber von vornherein als gefährlich skizziert oder gleich bedroht oder attackiert werden, in der Hoffnung, sie würden dadurch so eingeschüchtert, dass sie von sich aus den ängstlichen Rückzug antreten ... oder Gleiches mit Gleichem vergelten.

Appelle zur Friedfertigkeit, wie sie in dem zitierten Buch aus den zahlreichen Reden von Friedensnobelpreisträger/innen entnommen werden können, sind sicherlich sehr hilfreich, wenn man sich auf eine "übergeordnete Autorität" berufen will, andere zum friedlichen Denken und Handeln zu motivieren. Nur: wie konkret man sich friedlich verhält, wenn man von anderen "gereizt" wird, steht nicht in dem "Arbeitsbuch". (Meines Wissens bin ich die einzige Autorin, die publiziert hat, wie man das operativ bewerkstelligt – nachzulesen in meinem Buch "Schaff' dir einen Friedensgeist – Gewaltprävention im Alltag.

Rotraud A. Perner


Wie oft sind wir mit Gewaltaktionen im Alltag konfrontiert?

Eine sehr interessante Frage, denn hier ist zu hinterfragen welche „Gewaltgrenze“ jeder von uns persönlich hat. Was wir jeweils unter Gewalt verstehen ist sehr subjektiv und abhängig von den persönlichen Erfahrungen, Erziehungsmustern, Wahrnehmungssensibilität, Toleranzgrenze – ja sogar vom täglichen Wohlbefinden. So wird es uns vielleicht schon sehr nahe gehen wenn wir im Straßenverkehr unter Druck gesetzt, beim Autofahren geschnitten, beim Einkaufen angerempelt, beim Spazierengehen angepöbelt werden. Für manche Menschen (an manchen Tagen) eine übersehbare, nicht der Aufregung wert sein wollende Tatsache – aber anders, nämlich objektiv wissenschaftlich, gesehen ein Akt der Gewalt! Nun gehen wir davon aus, dass wir solchen „Gewaltaktionen“ eines Mitmenschen nicht unbedingt aus böser Absicht ausgeliefert sind. Dieser Mitmensch leidet möglicherweise gerade unter großem Stress,  Druck, Ängsten und Sorgen und agiert so völlig bedachtlos was er dabei gerade an einem anderen Menschen auslöst!

Haben Sie sich unter diesem Aspekt schon einmal gefragt wie oft SIE dadurch – natürlich völlig unbewusst, ohne dass Sie dass wollen – auf einen anderen Menschen „Gewalt“ ausüben könnten???

Jetzt könnten Sie natürlich darauf antworten: „DAS ist doch nicht Gewalt!“ – Nun, das ist eben Ansichtssache, oder besser gesagt Sache der Wahrnehmung und des jeweiligen momentanen körperlichen, seelischen und geistigen Zustands.

Wie verwundbar und angreifbar man selbst gerade ist wenn es einem schon generell nicht gut geht, haben Sie wahrscheinlich auch schon oft erlebt. Wenn gerade hier eine (auch noch so klein erscheinende) Attacke von außen kommt, kann es schon passieren, dass man den Boden unter den Füßen verliert oder Tränen vergießt. Ist das dann nicht Gewalt – Gewalt an Ihrer seelischen Gesundheit???

Gerade hier – im alltäglichen Leben – wollen wir mit Prävention vor Eskalation ansetzen! Die meisten Eskalationen sind unter diesem Gesichtspunkt vermeidbar. Eine der Handlungsanleitungen dafür ist die Wahrnehmung (nach dem Motto „ Was Du nicht willst tu auch keinem anderen an!“) und eine (zielorientierte) Kommunikationskultur. In Eskalationen liegen keine Lösungen!

Beobachten Sie sich selbst, Ihre körperlichen Veränderungen,  Ihre geistige Haltung und Ihren Seelenzustand wenn Ärger aufzieht, wenn eine „Explosion“ droht. Der Stresspegel steigt sofort stark an, das Herz klopf schneller, die Aufregung lässt Sie zittern, der Kopf wird rot, die Stimme überschlägt sich….alles Anzeichen die für Sie selbst nicht angenehm sind. Dann die „Explosion“ wo Sie nicht nur „abgeben“ sondern als Reaktion Ärger zurückbekommen. Wie lange bebt der Ärger nach? Wie lange ist dadurch Ihr Tag verdorben? Was wurde erreicht?

Aber Sie haben immer eine Alternative: Wenn Sie spüren dass Ungemach anzieht, fragen Sie sich selbst ob Sie das nun annehmen wollen. Wollen Sie sich den Tag verderben lassen?  Wollen Sie diesem Zustand Aufmerksamkeit und Energie widmen, oder haben Sie nicht Wichtigeres und Schöneres zu tun? Fragen Sie sich selbst was genau Sie in diesem Moment ärgert oder irritiert. Sehen Sie es für einen kurzen Moment mit den Augen Ihres Gegenübers. – Was könnte der Grund für dieses Tun sein?

Wie Sie mit dem täglichem Ärger und Gewalt im Alltag umgehen können, weitere Handlungsanleitungen und viele Tipps zum Gewaltverzicht und damit zur Erhöhung des persönlichen Wohlbefindens erfahren und erarbeiten Sie in unseren Seminaren & Trainings.

(Karin Eder, Autorin u.a.: ’“Krisenmanagement“ im Buch „Schamlos professionell – unverschämt erfolgreich“)


zurück