Widerstand

Der vietnamesische Arzt hatte sich gewehrt, wie wir den Tagesmeldungen ab 12. April entnehmen konnten: Zuerst dagegen, dass er wegen der Überbuchung aus dem Flugzeug der United Airlines aussteigen sollte, dann gegen seine gewaltsame Entfernung durch drei an Bord gerufene Polizisten. Wegen der Folgen – Gehirnerschütterung, gebrochene Nase, zwei ausgeschlagene Zähne – werde er nun die Fluglinie klagen, hieß es tags darauf. Und kurz darauf wurde publiziert, dass dem alten Mann (69 Jahre!) 10 Jahre lang seine Arztapprobation in den USA entzogen worden war und er wegen illegaler Rezeptausstellung auf Bewährung verurteilt worden war und sich in dieser Zeit als Pokerspieler seinen Lebensunterhalt verdient hatte. (Bei Ex-Tennis-Ass Boris Becker wird dieser Art des Gelderwerbs applaudiert.)

Ich frage mich: Hat sich da jemand mit „anrüchigen“ Vergangenheitsinformationen Geld verdienen wollen – oder schlägt das Imperium Fluglinie untergriffig zurück, um „präventiv“ für die Schadenersatzforderungen den Kläger anzupatzen?

Das wohlbekannte Phänomen, das sich in diesem „Machtkampf“ zeigt, aber üblicherweise nicht enttarnt wird, besteht darin, dass gewalttätige Menschen nicht ertragen, wenn ihnen Widerstand geleistet wird – im konkreten Fall: Widerstand gegen Rechtsbrüche (trotz Bezahlung und Platzeinnahme aus dem Flieger gewiesen zu werden), Widerstand gegen körperliche Attacken (jeder Mensch hat ein Recht auf seine Sicherheit und Unversehrtheit) und Widerstand während des ganzen Prozesses der körperlichen Misshandlung (wie im Video zu sehen). Und all das nur mit Worten des Protests.

Nicht gewalttätige Menschen bremsen sich sofort ein, wenn sie Widerstand erfahren und argumentieren, verhandeln, holen Hilfe von übergeordneten Instanzen. Das wäre in diesem Fall ein Vertreter der Fluggesellschaft gewesen – und der / die hätte wohl eine Mediationsausbildung gebraucht. Die Polizei scheint mir nicht die richtige Adresse gewesen zu sein – der Fluggast hatte ja keine illegale Handlung gesetzt, die Crew aber schon. Ein typisches Schuldvertauschungsagieren – und das kennen wir doch von Gewalt gegen Frauen: Dann heißt es oft „Hätte sie ihn halt nicht gereizt!“

Leider fühlen sich viele gereizt, wenn man ihnen ein „Nein!“ entgegen setzt und werden dann brutal. Und wenn diese das auch von Kindheit an so als „normal“ (im Sinne von „üblich“) erlebt haben – es ist nicht „normal“ im Sinne von „gesund“, sondern unreif. Es entspricht dem Aggressionsverhalten eines zweijährigen Kindes. Mit drei sind diese zumindest theoretisch schon verhandlungsfähig – und auch bereit. Man muss ihnen nur Sprachkompetenz vorleben.