
|
|
|
Veranstaltungen
Archiv
"HALT GEWALT!" – Podiumsdiskussion
Mo, 11.7.2005
mit
- Frau BM Maria Rauch-Kallat
- BM Mag. Karin Miklautsch
- Frau BM Liese Prokop und
- Frau Prof. Dr. Rotraud Perner
Moderatorin: Karin Eder.

Bei einer Informationsveranstaltung im Österreichischen Gewerbeverein wurde im Rahmen einer von der Projektorganisatorin Karin Eder geleiteten Podiumsdiskussion mit den unterstützenden Ministerinnen Rauch-Kallat, Prokop und Miklautsch und der Initiatorin der Kampagne, Prof. Dr. Rotraud A. Perner, die Homepage www.haltgewalt.at präsentiert. Hier werden vor allem gewaltverzichtende Handlungsmodelle propagiert. Die anwesende Kammerpräsidentin KR Brigitte Jank begrüßte die Initiative und sagte spontan ihre Unterstützung zu.
Prof. Perner umriss in ihrem Grundsatzreferat die Entstehung von Gewalt aus Konkurrenz- und Kleinheitsgefühlen. Wer also bereits im Entstehen wahrnehmen könne, wo er / sie sich nicht respektiert fühle oder wen anderen nicht respektiere, könne bereits der Eskalation Einhalt gebieten - bei sich selbst wie bei anderen. Dazu brauche es aber gezielter verbaler wie nonverbaler und auch energetischer Techniken zur Selbst- wie Fremdberuhigung. Perner wies auch darauf hin, dass es strukturelle und darin beinhaltet auch finanzielle Gewalt gäbe: Anliegen von Frauen würden gesamtgesellschaftlich nicht ausreichend respektiert und finanziert, daher ist ihr wichtig, auch ihre Solidarität für mehr Finanzmittel für Präventions- und Interventionsstellen sowie Frauenhäuser zu betonen.
BM Rauch – Kallat berichtete von Maßnahmen aus ihrem Ressort und betonte dass Gewalt immer eine psychische Gesundheitsschädigung bewirke. Mit breit gestreuter Friedenserziehung wie sie durch den Fonds Gesundes Österreich erarbeitet werde, soll vor allem Autonomie für gesundheitsförderndes Verhalten gefördert werden. Denn Gewalt entstehe oft aus Hilflosigkeit und Abhängigkeitsverhältnissen. Selbstsichere Frauen werden nachgewiesenermaßen kaum körperlich attackiert. Perner warnte jedoch, denn in Österreich gibt es bereits das neue Phänomen des "happy slapping", wobei Passanten spontan "des Spaßes halber" verprügelt oder niedergetreten werden. Man muss daher auch für Zivilcourage Handlungsanleitungen geben. Perner - im Fachbeirat des Fonds Gesundes Österreich für die seelische Gesundheit der ÖsterreicherInnen zuständig - rief in Erinnerung, dass es Menschen, die weg schauen, auch nicht seelisch gut geht, weil sie oft lange Zeit von Gewissensbissen geplagt werden.
Alle sechs österreichischen BundesministerInnen - Rauch-Kallat, Prokop, Plassnik, Miklautsch, Gehrer, Haubner - arbeiten in Hinblick auf die Österreischische EU-Präsidentschaft gemeinsam an einer Initiative gegen "harmful traditional practices" - Zwangsheirat, Genitalverstümmelung, Frauenhandel und Prostitution, Verbrechen im Namen der Ehre ("honor crimes") oder aus Aberglauben (z.B. Geschlechtsverkehr mit Jungfrauen könnte AIDS heilen) und Steinigung. Rauch-Kallat betonte, dass außer der Steinigung alle anderen Taten auch in Österreich vorkommen.
BM Prokop warnte vor allem vor Mythen wie "Zum Streiten gehören immer zwei" und betonte die große Vielzahl der Anlauf - und Informationsstellen in ihrem Ressort: der Kriminalpolizeiliche Beratungsdienst stehe für alle Fragen der Verbrechensverhütung und -bekämpfung zur Verfügung. Allerdings müsse diese Arbeit auch konkret von den Medien mehr unterstützt werden. So geschehen 1/3 der Vergewaltigungen durch Unbekannte in Stiegenhäusern - für Prof. Perner, die lange Zeit auch ein kommunalpolitisches Mandat bekleidete, auch eine Herausforderung für Bauträger und GemeindevertreterInnen.
BM Miklautsch kündigte für 2006 Neuregelungen zwecks verbessertem Opferschutz an: Dolmetscher nicht nur für Beschuldigte, sondern auch für Opfer, ebenso Belehrungspflicht der ExekutivbeamtInnen über Opfereinrichtungen, gefährliche Drohungen im Familienbereich nicht nur als "privates" Ermächtigungsdelikt, sondern als "staatliches" Offizialdelikt, Stalking (angstmachende "verfolgende" Belästigungen) als Straftatbestand und Information der Verbrechensopfer, wenn die Täter aus der Haft entlassen werden. Außerdem kündigte die Justizministerin an, dass Richter ausdrücklich verpflichtet werden, dafür zu sorgen, dass Verbrechensopfer mit Achtung behandelt werden.
|
|