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Plattform Halt! Gewalt! | Themenschwerpunkte | Adressen | Kooperationen
















 

HALT! GEWALT! >> Zielsetzung

Dieses Projekt gibt Handlungsanleitung zur Gewaltfreiheit. Wenn wir das Thema Gewalt enttabuisieren und thematisieren ist dies ein erster Schritt. In weiterer Folge dient das Projekt als Anstoß zum gewaltfreien Denken und sodann als Anleitung zum gewaltfreien Handeln.

Interessierte Mensche erhalten im Rahmen der Aktivitäten, Veranstaltungen und Seminare Hilfestellungen und Informationen zur Abwicklung eines gewaltfreien oder zumindest gewaltreduzierten Alltags.

Beratung und Hilfe ist unser Anliegen. Dies wird transportiert durch
- Informationen
- Handlungsanleitungen und –modelle
- Vorbilder
- Übungsmöglichkeiten
- Feedback & positive Verstärkung

Gewaltprävention heißt eine Vision der Gewaltfreiheit als geistiges Bild zu entwickeln und zu besitzen, welches auch in der Sprache kommunizierbar ist.
Gewaltvorbeugung beginnt daher auch in der Sprachkultur.

Was können SIE tun?

ALLE Personen können mitmachen, denn Gewaltprävention können alle leisten. ´

Je mehr Menschen sich entschließen teilzunehmen, desto stärker wird die Plattform Gehör finden und ihre Anliegen vertreten können.

Es geht um Ideelles – nicht um Materielles!

Zu den klassischen Assoziationstests, wie auch ich sie oft zum Start von Unterrichtseinheiten einsetze, gehört es, zu fragen: "Woran denken Sie, wenn Sie den Begriff ... hören?" Ich frage in meinen Lehrveranstaltungen an der Universität Wien immer nach den Gedankenblitzen zu Gewalt oder Formen der Gewalt – und meist kommen von den Männern Assoziationen zu Handlungen und "Tatbeständen", von den Frauen aber Gefühle. Wenn ich hingegen in Trainings den Begriff "Mobbing" zur Gedankenreise präsentiere, denken Männer an Spaß oder Racheaktionen, Frauen an Spießrutenlauf und Arbeitsplatzverlust. Manche Assoziationen kommen nie. Beispielsweise die zu "Gesundheitsschädigung" – ein Begriff, der weitgehend tabuisiert ist.

Rotraud A. Perner

Doch auch SIE wollen Ihre Gesundheit nicht bewusst und vorsätzlich schädigen. Nehmen Sie sich Zeit, schärfen Sie Ihre Wahrnehmung für das was Ihrer Gesundheit nicht förderlich ist und agieren sie salutogen.

Die Zivilcourage will das Leben bereichern

Die Zivilcourage kämpft gegen die Nichtachtung des Lebens und schützt vor moralischen Erosionen. Aber nicht jeder Überwindet die innere Hemmschwelle, verlässt die schützende Atmosphäre der Anonymität und traut sich im Licht der Öffentlichkeit einem Starken aber ungerechten Gegner Einhalt zu gebieten.
Ein Artikel von Reinhard Krenn.

1955 waren die ersten vier Reihen in öffentlichen Bussen der Stadt  Montgomery in den USA für  Weiße reserviert, hinten saßen die Schwarzen. Da sie drei Viertel der Passagiere im öffentlichen Nahverkehr von Montgomery ausmachten, durften Schwarze auch in der Mitte Platz nehmen. Sollte aber auch nur ein einzelner Weißer Anspruch darauf erheben, mussten alle Andersrassigen weichen, nämlich hinten stehen. Am 1. Dezember 1955 be-gehrte ein Weißer in der Mitte zu sitzen, und der Fahrer forderte die vier Schwarzen auf, ihre Sitzplätze zu räumen, damit sich der Weiße ungestört seines Weißseins erfreuen konnte. Drei Männer gehorchten und rückten nach hinten, eine Frau weigerte sich und blieb sitzen, und das war Rosa Parks. Sie hatte es satt, ständig nachgeben zu müssen. Der Busfahrer rief die Polizei. Parks wurde wegen Störung der öffentlichen Ordnung und Ruhe verhaftet und zu einer Strafe von vierzehn Dollar verurteilt.

Teilweise als Antwort auf ihre Verhaftung organisierte Martin Luther King, zu diesem Zeitpunkt ein relativ unbekannter Baptistenprediger, den Montgomery Bus Boycott, der später die Behörden dazu zwang, die Segregation innerhalb von Bussen und Zügen auf-zugeben, und der als Auslöser vieler anderer Proteste der Bürgerrechtsbewegung in Ame-rika gilt. Rosa Parks starb 92 jährig, am 24. Oktober 2005. Die Todesnachricht ging um die Welt, ich erfuhr von ihrem Tod in den Radionachrichten.

Die Zivilcourage hofft nicht auf Publizität und lechzt nicht nach Erfolg. Sie entsteht oft unwillkürlich im Augenblick, in hautenger Berührung mit den tiefsten seelischen Regun-gen. Dort unten hat die „Fiktion der Gerechtigkeit“ ihre Quelle, die sich allmählich auf dem Weg ins Bewusstsein zu jener Gefühlsäußerung mausert, die so wichtig ist für die Zivilcou-rage: die Empörung über das Starke, aber ungerechte. Jener Mut aber kleidet sich in Zivil, er ist schlagfertig und liefert Ideen, um die Situation gewaltfrei zu lösen. Ohne die Verbun-denheit mit beiden Seiten, Opfer wie Täter, zu vergessen. Jemand, der in seiner Entrüs-tung den Ungerechten vernichten will, handelt nicht zivilcouragiert. Kain wurde von Gott höchstpersönlich durch das Kainsmerkmal vor der Lynchjustiz geschützt. Der zivile Mut hat seine Prinzipien, er erkennt das Würdige im Unwürdigen und verweigert auch jenem das Menschenrecht nicht, der es mit Füßen tritt.
 
Fortitudo – Seelenstärke braucht der Mensch der zivilcouragiert handeln will. Er handelt im Vertrauen darauf, dass das Leben immer nach dem Höherwertigen, also Lebensberei-chernden strebt. Auch wenn bis zur Verwirklichung eine lange Durststrecke zu überwinden und viel Opferbereitschaft erforderlich ist. Ebenso wie Eltern darauf vertrauen, dass ihre Kinder nach ersten tollpatschigen und hilflosen Versuchen allmählich den aufrechten Gang beherrschen, dass nach dem Stammeln und Stottern irgendwann Wörter und später ganze Sätze folgen werden. Zivilcouragierte Menschen glauben an eine lebensbereichernde Ge-rechtigkeit und an die geistige Evolution des Menschen. Ihre Lust am Leben zu sein, verdrängt die zynische Resignation angesichts einer ungerechten Welt, die sie in ihrer oftmals brutalen Totalität wahrnehmen und an der sie leiden. Ihre Schlussfolgerungen und Reaktionen darauf sind aber andere, als weg zu schauen, sich abgrenzen oder Verantwortung leugnen.

Weil Zivilcourage von der Öffentlichkeit so hochstilisiert wird und die Geschwister Scholl, Franz Jägerstätter und Rosa Parks als Helden gefeiert werden, identifizieren wir uns mit dieser Tugend und glauben sie zu besitzen – bis wir sie einmal unter Beweis stellen müs-sen. Unsere Selbsteinschätzung betrügt uns oft und daher kann man die Eigenschaft „Zi-vilcourage“ nicht mit Papier und Bleistift Tests untersuchen. In meiner Diplomarbeit „Zivil-courage im Reisezug – eine psychologische Untersuchung mit Hilfe des unsichtbaren Theaters nach Augusto Boal“ versuchte ich dem Mut in Zivil in einer szenischen Inszenie-rung in einem Zugabteil auf die Spur zu kommen und  die Reaktionen der Fahrgäste auf einen rassistisch motivierten Übergriff sichtbar zu machen. Ein Fazit dieser Studie: Ebenso wie alle übrigen Eigenschaften und Fähigkeiten wird die Zivilcourage umso sichtbarer, je geübter man darin ist. Einige Fahrgäste waren überrascht, dass sie in der konkreten Situa-tion ganz anders reagiert haben, als sie das von sich selbst erhofft hatten. Es fehlten ihnen Ideen und die Schlagfertigkeit um den Tätern Einhalt zu gebieten. Zivilcourage ist aber auch trainierbar. ZARA beispielsweise, der Verein für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit, bietet einschlägige Workshops zu diesem Thema an. Rosa Parks war schon An-fang der 1950er Jahre in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung aktiv. Ihr ziviler Ungehorsam gegen die rassendiskriminierende Sitzplatzverteilung war also nicht ganz überraschend.