Mit Terror leben?

Halt! Gewalt!

Warum ich mich noch nicht zu den letzten Terroranschlägen zu Wort gemeldet hätte, wurde ich gefragt.

Weil ich mich nicht gleich in die Reihe der Verschwörungstheoretiker einreihen mag sondern erst abwarten will, bis offiziell bestätigte Fakten vorliegen – denn natürlich fantasiere ich ebenso wie die meisten am Zeitgeschehen Interessierten, wer und welche Absichten im Einzelfall dahinter stecken. Aber ich versuche auch, eine Zukunftssicht zu wagen, aus der heraus ich Konzepte entwickeln kann, wie wir alle dieser globalen Gefahr begegnen könnten.

Zuerst, so denke ich, müssen wir uns wohl von dem Anspruch auf friedliche Sicherheit, den wir uns seit Ende des Zweiten Weltkriegs – vor allem auch dank des Friedensprojekts Europäische Union! – erworben haben, weg hin zu einer realistischeren Weltsicht entscheiden. Zumindest in den Großstädten muss man mit latenter Terrorgegenwart rechnen – wie im Mittelalter, als die Meuchelmörder hinter jeder Ecke lauerten.

Wie im Flugverkehr und im Datentransfer materiell wurden auch mental immer mehr Grenzen geöffnet – und damit viele Profite ermöglicht (wobei ich auf die damit verbundenen Ungerechtigkeiten vorerst nicht weiter eingehen will) – gleichzeitig aber auch die Möglichkeiten subversiver Geheimstrategien zur Vernichtung all dessen, was oppositionellem „Gewinn“ – d. h. Siegesstreben widerspricht.

Wer hat schon in den letzten Jahren an die Rote Armee Fraktion (RAF) gedacht? Kein Thema mehr – oder doch?

Terror – das war bis jetzt weit weg – so wie 9/11 etwa.

Wer erinnert sich an den Terror zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft und wie er sich immer weiter auswuchs? Ohne die heutigen technischen Möglichkeiten …

In der westlichen Welt wurde ignoriert, dass es Menschen gibt, deren Ideal nicht im Kapitalgewinn und -besitz liegt, sondern für die Geld primär Mittel zum Zweck zur Durchsetzung ideeller Ziele bedeutet. Politologen werden ja noch immer nur als „Pausenclowns“ bei Wahlberichterstattungen zu Wort gebeten und nicht zur Analyse des Zeitgeschehens im Vergleich mit historischen Parallelerscheinungen. Das würde nämlich bedeuten, die Wurzeln des Faschismus des 20 Jahrhunderts ernsthaft zu entschlüsseln: Wer ins soziale Out geraten ist (bzw. gedrängt wurde), wer sich ungerecht behandelt fühlt, wer nichts mehr zu verlieren hat – genau der (männlich) ist radikalisierungsbereit. Das macht Angst – und Angst führt eher zur Unterwerfung als zu Gegenhandlungen. Wundert es, wenn Outlaws die (scheinbar) etablierten „In-laws“ hassen und sich dort ihren Anteil an der Welt zurück holen wollen, wo es am leichtesten erscheint? Und mit Aussicht auf Rache und Gewinn verführbar sind …

Bruno Kreisky mahnte den AZ- und ORF-Journalisten Ulrich Brunner – „Lernen Sie Geschichte, Herr Redakteur!“ Wir sollten wohl alle mehr Geschichte lernen …

Es sind die Schriftsteller und Drehbuchautoren (vermutlich wiederum männlich), die seit Jahren Horrorszenarien beschreiben und damit die „Meme des Bösen“ multiplizieren. (Ein Mem ist ein quasi gedankliches Samenkorn.) Wie wäre es, wenn sie realistische (Nicht nur utopische!) Gegenstrategien vor Augen führen würden?