Lügendetektor

„Der umstrittener Partner von Tal Silberstein, Peter Puller, hat via Standard wissen lassen, dass er einen Lügendetektor-Test bestanden hat.“, lese ich am 12. Oktober im Kurier (Seite 5), und dass Staatsanwalt Gerhard Jarosch dazu festhält, dass diese Tests in Österreich bei Gericht nicht zugelassen sind.

Früher, als ich noch „nur“ Juristin war, habe ich das darauf zurückgeführt, dass die Rechtsanwaltskammer vermutlich bei irgendeiner Gesetzesbegutachtung dagegen war um sich nicht mit biologisch begründeten Gegenbeweisen herumschlagen zu müssen. Heute, als auf Stress spezialisierte Gesundheitspsychologin und Psychotherapeutin weiß ich es jedoch besser.

Erstens hängt es wie bei jedem Test immer davon ab, welche Fragen gestellt werden – und ob auch Kontrollfragen vorgesehen sind. Denn zweitens wird mit dem Galvanometer – so die wissenschaftliche Bezeichung des flapsig als Lügendetektor bezeichneten Biofeedback-Geräts – nur die Veränderung des elektrischen Hautwiderstands sichtbar gemacht, die stattfindet, wenn jemand in Stress gerät. So gab es im Handelskammerwahlkampf 1985 ein „give away“, das aus einem kleinen Streifen bestand, den man sich (ähnlich wie bei Fieberschnelltests) nur auf den Handrücken legen musste, und wenn man entspannt war, wechselte die Farbe von mittelblau bis zu tiefblau, war man aber angespannt, schnellte die Färbung über lila bis zu feuerwehrrot immer heller, immer röter – je nach Stresspegel. Mit solchen Biofeedback-Instrumenten kann man trainieren, den eigenen Stress-Level bewusst abzusenken.

Ähnliches durfte ich in meiner NLP-Ausbildung erleben: Da hatte der unvergleichliche Peter Schütz amerikanische Biofeedback-Programme herbeigezaubert, in denen man, nur mit dem kleinen Finger mit dem Computer verbunden, ebenfalls seinen Ehrgeiz sprich sein Stress-Niveau wie auch seine Gemütslage ersehen und beeinflussen konnte. Im Programm „Ikarus“ galt es, den legendären Flugpionier von einem Ufer zum anderen schweben zu lassen. War man zu eifrig, raste man schnurstracks in die Sonne und stürzte ins Meer – war man aber zu lässig, plumpste man gleich vom Ufer hinab ins Nasse. Beim anderen Programm „Magic Mirror“ konnte man je nachdem, ob man an etwas Trauriges, Lustiges, Ärgerliches etc. dachte, das Gesicht am Bildschirm zum Weinen, Lachen oder in Zornmimik verändern.

Wer diese Methoden kennt und beherrscht, wird den Lügendetektor mit Gelassenheit („Wurschtigkeit“) besiegen. Wer sie nicht kennt, wird ähnlich wie meist bei Blutdruckuntersuchungen zur Führerscheintauglichkeit, kaum anders als mit Stress reagieren und verlieren. Eine klare Form von struktureller Gewalt. Es macht also Sinn, solche Tests nicht zuzulassen.