Kopftuch-Männer

Es ehrt Bundespräsident Van der Bellen, dass er den Mut besitzt, seine Aussage zur Zivilcourage nicht stur gegen die vermeintlichen Besserwisser zu verteidigen, sondern bedächtig zu relativieren – aber ein wenig enttäuscht bin ich schon, auch wenn mir vermutlich auch nichts Gescheiteres eingefallen wäre. Ich hätte vielleicht nicht auf den Dänenkönig Christian X. Bezug genommen sondern auf den Film „Spartacus“, wenn dort in der Schlussszene die Gefangenen in Solidarität nicht nur mit der Person mit Spartacus (gespielt von Kirk Douglas) sondern mit seinem Mut, sich gegen das Regime zu stellen, alle „bekennen“: „Ich bin Spartacus!“ (Die Parodie in Monty Pythons „Das Leben des Brian“ hätte ich hingegen nicht gewählt – dazu ist echte Solidarität, nämlich die gegenüber Verfolgten, viel zu ernst, finde ich.)

Parodien gehören den Comedians, daher auch Andreas Gabalier – aber bei den „Stinos“ (= „Stinknormalen“, eine Wortschöpfung aus der Libertine Wien, von mir zitiert in meinem – vergriffenen – Buch „Ungeduld des Leibes“ aus 1997), die sich jetzt als Trittbrettfahrer anhängen, wirkt es zunehmend emetisch. Außerdem werden dadurch jetzt alle Kopftuchträgerinnen verblödelt – seien es nun die eigenen Omas, oder die sich in der Feldarbeit vor Sonnenglut Schützenden, oder „Fashionistas“, wie Hobby-Modeschöpferinnen neuerdings heißen, oder die Queen, die ja privat auch mit Kopftüchern abgelichtet wird.

Interessanterweise werden Kopftuch-tragende Männer von Spott verschont: Gottfried Helnwein beispielsweise. Oder die Wrestler. Auch die Piraten im „Fluch der Karibik“,  Jonny Depp und Co., werden von Hells Angels und solchen, die es gerne sein wollen, den neuzeitigen Rittern und Radlern also, fleißig imitiert.

„Quod licet Jovi non licet bovi“ – Was Jupiter gestattet ist, ist dem Rindvieh nicht erlaubt – hieß es auf fließend Latein bei den alten Römern.

Im Endeffekt geht es um Freiheit: Darf mannfrau (eine Wortbildung des renommierten deutschen Sexualwissenschaftlers Volkmar Sigusch) sich kleiden und „be-haupt-en“ wie er/sie will? Und wenn es ein Nudelsieb ist wie bei dem angeblichen Pastafarianismus-Anhänger und Ex- Nationalratsabgeordneten Niko Alm? Diese „Spassreligion“ der Anhänger des „fliegenden Spaghetti-Monsters“ ist ja auch eine Parodie, und sogar Otto Waalkes hat ein (protestantisches) „Wort zum Sonntag“ parodiert, nämlich das frömmelnde Salbadern. Es kommt immer darauf an, was konkret ihrer Pseudo-Ernsthaftigkeit entkleidet wird – und wie und von wem.

Ich meine: Öffentlich gemachte Parodien soll man denen überlassen, die das können – Künstlern eben – und auch die können manchmal zu weit gehen (siehe Böhmermann). Alle anderen möchte ich motivieren, ernsthaft Kritik zu üben, wenn es etwas Sachliches ernsthaft zu kritisieren gibt (und nicht nur eine Person oder viele Personen lächerlich gemacht oder eingeschüchtert werden sollen).

Dass im Zeitalter des Narzissmus  viele, die sich für gleich begabt halten, ihre Selbstdarstellungen via Facebook und Co. verbreiten um ihre Bedürftigkeit an Applaus zu stillen, sei ihnen gegönnt – aber man muss das ja nicht gleich liken. Viel wichtiger wäre nämlich, eine ernsthafte Debatte darüber, wen weshalb Kopftücher – oder vielleicht auch Lederhosen, Wadelstutzen usw. bei ältlichen Politikern? stören … und warum man meint, Eigenartiges gleich verdammen und verbieten zu müssen, wo hingegen doch selbstverstümmelnder Körperschmuck bei Halbwüchsigen ignoriert wird.

Gewalt kann immer auch im Gewand der vorgeblichen Gewaltbekämpfung daher kommen.