„Konzentration“

Zu den Signal-Systemen des Unbewussten zählen nicht nur Träume, Witze, Fehlleistungen oder Störungs- bzw. Krankheitssymptome sondern auch das „Wording“.

Innenminister Kickl sprach davon, Aufenthaltswerbende in Großzentren „konzentrieren“ zu wollen – eine bedenkliche Wortwahl. Unabhängig davon, dass der Begriff Konzentration politischen Gegnern eine bequeme Angriffsfläche bietet, indem man ihn mit den Konzentrationslagern faschistischer Regimes in Verbindung bringt, bleibt die Frage offen: Geschah dies aus mangelnder Sensibilität? Geplanter Anbiederung an den „rechten Rand“? Gezielter Provokation? Oder nur Unachtsamkeit? Letztere fordert allerdings auch zu Wortspielen heraus (wie “Konzentrieren Sie sich mehr!“). Es gibt sicherlich noch mehr Assoziationsmöglichkeiten, aber mir reichen diese naheliegenden Phantasien … denn Phantasie ist alles, was wir an geheimen Motiven und Absichten anderen unterstellen.

Konzentration hat aber nicht nur die Bedeutung von „zusammenfassen“ sondern auch von „verdichten“.

Verdichten engt ein und schafft Dichtestress, und der wiederum löst Anstrengungen aus, den Dichtedruck zu sprengen. Das mag für berechenbare „triviale Maschinen“ wie einen Computer nichts ausmachen – schlimmstenfalls gibts ein Tilt wegen Überlastung, und dann haben Techniker die Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. Aber Menschen sind „nicht-triviale Maschinen“ (Heinz von Foerster) – und wenn es bei ihnen zu einem „Blackout“ kommt, hat das vielfache Negativfolgen, nicht nur für diejenigen, die „ausgerastet“ sind (wieder ein Maschinenausdruck!), sondern auch für alle, die deeskalierend intervenieren, und auch für alle, die zu Zeugen wurden, ja sogar für anscheinende Unbeteiligte, die „im sozialen Feld“ – also in der Einrichtung – arbeiten. Es „bedrückt“. Bis die Negativ-„Energie“ verflüchtigt ist – sich quasi „entdichtet“ hat – kann das Wochen dauern.

In den 1970er Jahren wurde das Wiener Großkinderheim „Stadt des Kindes“ nicht nur zwecks Kostenersparnis durch therapeutische Wohngemeinschaften ersetzt, sondern auch, weil familienähnliches Zusammenleben bessere „Kontrolle“ bietet; dabei war aber nicht an Disziplinierung aus Vorurteil und Misstrauen gedacht, sondern prosozial an sozialpädagogischen Beistand zur besseren Anpassung (Konfliktregelung) an die Erfordernisse friedlichen Zusammenlebens.

Im Falle von Asylwerbenden oder Einwanderungswilligen käme noch ein anderes Argument dazu: Der Werbeeffekt für Österreich als Kulturnation, wenn diese Personen weiterziehen oder in ihre Herkunftsländer zurückkehren (oder auch nur berichten) und das in Österreich Gelernte bzw. Ausgeübte als Kompetenzen multiplizieren können. (Außerdem wäre das ein alternativer Beitrag zur Entwicklungs- bzw. Wiederaufbauhilfe und könnte dort verbucht werden!)

Allerdings absolvierten die Fachleute (aus Bildungs-, Gesundheits- und Sozialberufen, darunter auch ich), die sich damals in den 1970er Jahren für diese Form von (regionaler) Integration engagierten, eine Sonderausbildung („Psychoanalytische Sozialtherapie“) – vor allem auch, um sich nicht im „Helfersyndrom“ (Wolfgang Schmidbauer) als „Zu-gut-Menschen“ in kontraproduktivem Altruismus zu verlieren.