Demut

Da lese ich doch heute im Kurier (S. 5), dass Ex-Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer im Zusammenhang mit dem „Jubel“ um den neugekürten ÖVP-Obmann Sebastian Kurz warnt: „Vorsicht mit dieser Hype! Ein bissl mehr Demut wäre angebracht.“

Bei wem?, frage ich mich. Leider haben die beiden Innenpolitikredakteurinnen, die den zweiseitigen Artikel verfasst haben (Daniela Kittner und Raffaela Lindorfer) nicht gleich nachgefragt. Offensichtlich hat ihnen allein der kritische Ausspruch schon genügt um einen Kontrapunkt zu setzen.

Ich vermute, Mödlhammer hat nicht sich selbst, nicht die Parteitagsdelegierten und auch nicht die beiden Journalistinnen gemeint, sondern den nunmehr nicht nur als Parteiführer designierten sondern effektiv gewählten knapp 31jährigen Kurz, so ganz im Sinne seiner, Mödlhammers Generation – Mödlhammer ist Jahrgang 1951, also bald 66 Jahre alt: „Die Bäume sollen nicht in den Himmel wachsen!“ Den Satz habe ich – Jahrgang 1944, also bald 73 Jahre alt – auch lange gehört, viel zu lange, denn die Angehörigen meiner Familie (mütterlicherseits) zeichnen sich dadurch aus, dass sie alle viel jünger aussehen als sie sind (meine Kinder auch). Als ich mich einmal Mitte der 1980er Jahre bei Johanna Dohnal beklagte, dass mir immer gesagt würde, ich könne „ruhig“ (=schweigend!) noch warten, ich sei ja doch so jung, sagte diese trocken: „Das ist ja das Schöne an unserer Partei, dass man so lange ,Nachwuchs‘ bleibt!“

Ja, manche würden gerne menschliche Bonsais züchten, deren Äste sich zu Boden krümmen, damit sie ihr Potenzial nicht frei entfalten dürfen. Der Demuts-Appell ist eine der dazu geeigneten Methoden – nur verkennt man damit den Sinn der Demut, denn in ihrem Ursprung bedeutet sie das Wissen und Anerkennung von etwas Höherem. Beispielsweise Gott. Oder der Schöpfung (womit ich auch die von Menschen geschaffenen Schöpfungen meine, etwa in Kunst und Wissenschaft).

Und wohin bitte sollen Bäume wachsen, wenn nicht dem Himmel (der Sonne) entgegen?

Meine Mutter zitierte oft „Empor sollst du dich pflanzen, nicht nur fort!“ Das Originalzitat von Friedrich Nietzsche lautet: „Nicht nur fort euch zu pflanzen sondern auch hinauf …“ und bezieht sich auf die Ehe, aber ich meine, es bezieht sich auf alle Beziehungen: Wir sollen immer daran denken, unsere Anlagen zu vervollkommnen, und wenn möglich auch die anderer Menschen. Daher habe ich in meinem Buch „Mut“ ja auch darauf hingewiesen, dass Demut bedeutet, eigenen Hochmut erkennen und los zu lassen – aber  nicht Gewalt gegen andere auszuüben, indem man ihnen anschafft, sich zu erNIEDRIGen.