Anleitung zum Verbrechen

Halt! Gewalt!

Soeben lese ich in orf online die genaue Beschreibung, wie der Täter eine Frau in einem Favoritner Park vergewaltigt hat.

Ich werde diese Beschreibung hier nicht wiederholen. Ich bin nämlich der Ansicht, dass diese Details nicht veröffentlicht gehören. Es reicht der Hinweis, dass die Frau ins Krankenhaus gebracht werden musste, um die Brutalität erahnen zu können.

Vergewaltigungen spielen sich nämlich selten so ab, wie sie in Filmen gemildert „dargestellt“ werden. Sie sind immer eine lebensgefährliche Situation. Denn selbst wenn sich die bedrohte Person aus Überlebenstaktik unterwirft besteht die Gefahr, dass sie im Nachhinein zum ewigen Schweigen gebracht wird.

Außerdem lösen die durch Sprache inszenierten Gedankenbilder Empfindungen und Gefühle aus: Bei den Menschen, die solche Erlebnisse überlebt haben, sind es oft subtile oder gar massive Retraumatisierungen – bei anderen hingegen unspezifische Erregungsqualitäten zwischen Angst, Grauen oder aber sexuellen Sensationen. Es hängt immer davon ab, mit wem man sich identifiziert – und das ist meist nicht die verletzte Person. Aber selbst wenn man sich aus biographischer oder mentaler Solidarität in die Opferposition hinein wagt, kann sich die aggressive Energie der Täterperson (und die kann auch weiblich sein) übertragen, quasi „anstecken“ und als Zwangsgedanke noch tagelang aufflackern.

Alles, was wir sehen – egal ob real oder virtuell – bildet Neurosignaturen, d. h. ein Repertoire von Modellen möglichen Verhaltens, die im konkreten Fall unbedacht „nachgespielt“ werden.  Deswegen ist es so wichtig, sich immer wieder zu fragen, woher wir unsere Verhaltensanleitungen beziehen, wen wir imitieren, und vor allem: was uns das bringt – und ob es nicht bessere, prosoziale Verhaltensweisen gibt, mit denen wir dieselben Ziele erreichen können (und wenn geht ohne Negativfolgen).

Deswegen fordere ich seit Jahrzehnten kurze Infospots nach den unzähligen Krimis im Fernsehen, in denen beliebte Werbeträger aus Kultur und Sport erklären, welche Strafrechts- oder auch Verwaltungsstrafrechtsparagraphen im Film verletzt wurden und was das an Strafe bringt. Dabei denke ich an die Autoraser, die sich freuen, wenn am Highway die Hölle los ist und sie selbst die devil driver sind.

Und ich habe schon in meiner Zeit als Bezirksrätin und Landtagskandidatin in Wien Favoriten (1973–1987) gefordert, das Stadtgartenamt möge Gehwege einsehbar gestalten (damals dachte ich an den Eisenstadtplatz) und ebenso auch die Nischen für Fahrräder oder Mistkübel – alles Plätze, in denen man gut lauern kann. Man muss nur die Filmszenen kritisch beobachten, um ihren potenziellen Anregungscharakter zu entdecken.