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Aktuell


Wenn Angst und Schwäche verboten und geächtet sind ...
schaffen wir GEWALT!

Dr. Peter Kien
Leiter der Schulpsychologischen Beratungsstelle Gmunden

Konflikte, zornige Blicke und Tränen haben immer nur die "Anderen". Für die Angst und Schwäche der "Anderen" haben wir bestenfalls die Therapeuten. Wenn unsere Kinder "bloß" gut sind, dann werden sie ja nicht unter den Ersten, Besten und Stärksten sein. Gegen unsere damit verbundenen elterlichen Depressionen gibt es, Gott sei Dank, Trainings für die Erhaltung der Illusion einer Kultur der Fehlerlosigkeit und Perfektion.

All diese "unmenschlichen" oder zumindest ungesunden Einstellungen tragen dazu bei, dass für unsere Kinder und Jugendliche "aggressive Verhältnisse" geschaffen werden, welche die Gewaltbereitschaft erhöhen.

Wie anders ist die Äußerung eines gewalttätig gewordenen Schülers zu verstehen, der unter seinen Misserfolgen leidet: "Ich möchte lernen, mich vor nichts im Leben fürchten zu brauchen!"?

Vorbilder fand er in einem Video, das die Ideologie vertritt: Wer nicht schlägt, wird geschlagen. Wer satanistische Rituale vollzieht, kann nicht selbst Opfer des Bösen werden. Nur der Starke ist o.k.

Diese unangemessenen Versuche der Angstbewältigung werden noch wahrscheinlicher, wenn gleichzeitig mangelnde Bewährungs- und Bestätigungsmöglichkeiten bei Gleichaltrigen, in der Schule oder durch die Erwachsenenwelt gegeben sind. So bleiben zumindest aggressive Grenzüberschreitungen eine Möglichkeit, Stärke und auch Solidarität in der Gleichaltrigengruppe zu leben.

Gerade bei aggressiven Delikten ist die Betroffenheit so groß, dass dem einseitigen Täter-Opfer-Denken schwer zu entkommen ist. So geraten auch noch die Helfer, Erzieher und "Beschützer" unserer Kinder, nämlich Eltern und Lehrer, miteinander in einen Konflikt, der leider nur selten ehrlich zugegeben und ausgetragen wird.

Beide Seiten machen jedoch offensichtlich den Fehler, dass sie jeweils an die andere Seite unrealistische Erwartungen stellen. Die Eltern etwa, wenn sie verlangen, dass in der Schule alles glattgehen soll, dass dort alles unter einen Hut gebracht werden soll. Gegenfrage: Wo und in welchem Lebensbereich gibt es das?

Ein Haupthindernisgrund für mehr Gelassenheit im Umgang mit Fehlern liegt darin, dass sowohl Eltern als auch Lehrer Angstblockaden erleben, wenn sie dem Gegenüber Fehler rückmelden sollten.

Erich Fromm machte mit seiner Botschaft "Nur die nicht perfekten Menschen sind kreativ!" ein Geschenk an die Menschheit - ein Plädoyer für die Menschlichkeit.

Bei all den oben erwähnten Konflikten zeigt die schulpsychologische Erfahrung, dass in jenen Fällen, in denen Eltern und Lehrer unter Mithilfe neutraler und professioneller Beratung gemeinsame Gespräche führten, positive Entwicklungen eingeleitet werden konnten.

Die Nutzung dieses Weges ist nicht als ein Zeichen von Schwäche, sondern von besonderer Kompetenz zu werten, weil damit gleichzeitig den Kindern und Jugendlichen Entwicklung von Gemeinschaftssinn nicht nur gepredigt, sondern auch vorgelebt wird.

 


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