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Betroffenheit - Empörung ... aber auch Hilflosigkeit der Situation gegenüber.
Dass ist das was in der Luft hängt im

"Kriminalfall Amstetten"

 

Dazu zitieren wir aus der ORF-Homepage vom 27-04-2008:
(http://noe.orf.at/stories/273925/)

Psychologe: "Ein spezieller Fall"
Der Psychologe Cornel Binder-Krieglstein vom Berufsverband der österreichischen Psychologen spricht in Zusammenhang mit den Inzestvorwürfen in Amstetten von einem "speziellen Fall".

Dunkelziffer ist sehr hoch
Für den Experten ist die Überlagerung von mehreren Faktoren erschreckend. Es dürfte sich hier nicht nur um einen Missbrauch im eigenen Umfeld am eigenen Kind über längere Zeit handeln, sondern auch um das zusätzliche Einsperren des Opfers. "Das ist sehr auffällig", sagte Binder-Krieglstein im APA-Gespräch.

Bei Fällen von körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt sei die Dunkelziffer sehr hoch. Vieles werde gar nicht bekannt. "Mädchen und junge Frauen trauen sich auch Jahre danach nicht, etwas zu sagen", sagte der Psychologe. Das Opfer ist vom Täter psychisch abhängig. "Hier wird mit Geheimnissen gearbeitet: 'Du darfst niemandem etwas sagen, was zwischen uns passiert ist.'"

"Er ist nicht selbstbewusst"
Was bei diesem Fall auffällt, ist, dass es sich hier um eine spezielle Form der Gewaltausübung, nämlich das Einsperren, handelte. Der mutmaßliche Täter wollte laut Binder-Krieglstein so seine Macht zeigen.

Der Mann dürfte eine unsichere Persönlichkeit, gepaart mit einer starken kriminellen Energie, haben. "Er ist nicht selbstbewusst. Er geht mit seiner Bedürfnisbefriedigung nicht nach draußen, sondern sucht sie im unmittelbaren Kreis, in der Familie."

Der Triebimpuls dürfte bei dem mutmaßlichen Täter so stark gewesen sein, dass er durch alle Instanzen der Vernunft, des Über-Ichs, des Gewissens und der Moral gegangen sei. "Es ist auffällig, dass hier mehrere pathologische Strukturen durchkommen", so Binder-Krieglstein. "Das macht es um eine Spur dramatischer."

Starkes Abhängigkeitsverhältnis
Opfer von häuslicher und körperlicher Gewalt haben ein starkes Abhängigkeitsverhältnis. "Das Kind hält sich zurück, etwas zu sagen. Das Kind liebt den Vater ja auch sehr. Es will nicht verantwortlich sein, dass er die Familie verlässt. Es hat aber höllischer Qualen zu erleiden."

In vielen Fällen spielen dabei auch die Mütter mit, so Binder-Krieglstein. "Und die Kinder allein sind nicht stark genug, dagegen aufzutreten."

"Manche brechen nie aus"
Für die Opfer ist Gewalt auch die Form des sehr nahen Kontaktes. "Auch wenn das für Außenstehende unglaublich klingt, aber die Opfer denken, wenn er herhaut, ist er wenigstens mit mir beschäftigt. Zumindest so bekomme ich Aufmerksamkeit", so Binder-Krieglstein.

"Und so entscheiden sie sich für diesen Weg, solange sie noch in der Abhängigkeit sind und wenn sie sonst keinerlei Unterstützung bekommen." Erst wenn sie die Stufen zur Normalität bemerken, brechen sie aus. "Manche sehr spät und manche nie", sagte der Psychologe.

Jetzt sei für die Kinder eine psychologische Betreuung unbedingt wichtig. "Sie brauchen ein stabiles soziales Umfeld und Unterstützung in der Verarbeitung."

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Weiteres aus der ORF-Homepage vom 27-04-2008:
(http://noe.orf.at/stories/273949/)

Tabu Inzest: Weil es ganze Familie betrifft
Inzest - darüber spricht man nicht. Oder doch? "In den vergangenen Jahren hat sich vieles verändert", weiß Ursula Schober-Selinger von ihren Erfahrungen als Psychotherapeutin in Graz zu berichten.

"Auch Opfer haben Schuldgefühle"
Früher habe man z. B. weniger Berichte in Medien über solche Fälle gefunden - und dabei würden sexuelle Übergriffe häufiger in der Familie stattfinden als mit Fremden. Warum Inzest tabuisiert werde, habe viel mit Schuld zu tun, so Schober-Selinger.

Inzest sei ein Tabuthema, "weil es die ganze Familie betrifft", erklärte die Psychotherapeutin der APA. Man habe nicht nur einen Bösen, sondern alle seien in irgendeiner Art und Weise beteiligt.

"Auch die Opfer haben Schuldgefühle, weil sie das mit sich haben machen lassen", so die Expertin. Selbst, wenn Kinder sich nicht wehren und "nein" sagen könnten, würden sie dies anders empfinden und sich als Beteiligter - meist an einem "Geheimnis" zwischen Täter und Opfer - fühlen. "Sie haben auch das Gefühl, dafür etwas bekommen, z. B. Liebe. Da entsteht dann Schuld."

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Dieser Fall mag nach dem "Fall Kampusch" wieder einmal die Spitze eines Eisberges sein, jedoch trotz allem kein Einzelfall, so Univ.Prof. Dr. Rotraud A. Perner. Daher empfiehlt die in Österreich einzige Universitätsprofessorin für Prävention (Donauuniversität Krems) ihren dafür eigens kreierten Lehrgang Präventionsmanagement, bei dem es unter anderem auch darum geht wie man in solchen Krisensituationen umgeht. Präventionsarbeit und auch aktuelle Unterstützung brauchen in solchen Fällen auch nicht unmittelbar betroffene Menschen. In so einem Fall wäre eine "Plattform" z.B. für Anrainer oder einfach engagierte Mitmenschen ein Möglichkeit des Austausches, Informationstransfers aber vor allem auch der Diskussion zu möglichen präventiven Modellen. Dies alles (von der Organisation bis hin zur Durchführung) lernt ein "Präventionsmanager". "Mittelfristig wäre es sehr sinnvoll in jeder Gemeinde eine/n PräventionsmanagerIn vor Ort zu haben" erklärt Univ.Prof. Dr. Rotraud Perner. Diese Einrichtung wäre natürlich auch eine Forderung an die politischen & kommunalen VertreterInnen.

 


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