Briefe gegen Gewalt

Halt! Gewalt!

Pizzabotendienst?

Bundeskanzler Mag. Christian Kern lässt sich mit Untertitel „Versteckte Kamera“ als Pizzabote im (vermutlich) Gemeindebau ablichten. Als ich das Video mit Absende-Adresse Georg Niedermühlbichler SPÖ zugespielt bekam, war ich sehr verwundert, ja sogar befremdet: Das ist nicht der Stil, den ich von einem seriösen Politiker erwarte, dachte ich (nicht einmal im Wahlkampf). Wäre diese Aktion am Faschingsdienstag gelaufen, hätte ich gelacht und das als gelungenen Gag empfunden (auch wenn, wie nun aufgedeckt wurde, der Empfänger der Pizza ein SPÖ-Funktionär und Kandidat mit überraschend wohlaufgeräumter Wohnung ist).
Halt! Gewalt!

Religionsunterricht?

Manchmal fühle ich mich an ein Pingpong-Spiel erinnert, wenn „Schlag auf Schlag“ Kopftuch – Kreuz – Bibel – Koran – Thora etc. gegeneinander aufgerechnet werden. Jetzt kommt wieder einmal eine aufgefrischte alte Diskussion dazu: Religionsunterricht gegen Ethikunterricht, Verpflichtung gegen Freiwilligkeit ... alles gut geeignete Themen, um Emotionen hoch gehen zu lassen [...]
Halt! Gewalt!

Widerstand

Der vietnamesische Arzt hatte sich gewehrt, wie wir den Tagesmeldungen ab 12. April entnehmen konnten: Zuerst dagegen, dass er wegen der Überbuchung aus dem Flugzeug der United Airlines aussteigen sollte, dann gegen seine gewaltsame Entfernung durch drei an Bord gerufene Polizisten. Wegen der Folgen – Gehirnerschütterung, gebrochene Nase, zwei ausgeschlagene Zähne – werde er nun die Fluglinie klagen, hieß es tags darauf. Und kurz darauf wurde publiziert, dass dem alten Mann (69 Jahre!) 10 Jahre lang seine Arztapprobation in den USA entzogen worden war und er wegen illegaler Rezeptausstellung auf Bewährung verurteilt worden war und sich in dieser Zeit als Pokerspieler seinen Lebensunterhalt verdient hatte. (Bei Ex-Tennis-Ass Boris Becker wird dieser Art des Gelderwerbs applaudiert.) Ich frage mich: Hat sich da jemand mit „anrüchigen“ Vergangenheitsinformationen Geld verdienen wollen – oder schlägt das Imperium Fluglinie untergriffig zurück, um „präventiv“ für die Schadenersatzforderungen den Kläger anzupatzen?
Halt! Gewalt!

Ideal-Ich

Üblicherweise hat jeder Mensch eine Idealvorstellung von sich selbst, und die hängt weitgehend von der erfahrenen Namensgebung ab. Von dem berühmten Soziologen Norbert Elias stammt der Satz, „Gib einer Gruppe einen schlechten Namen und sie wird ihm nachkommen“ (in „Etablierte und Außenseiter“). So gab ein schwer misshandeltes 4jähriges Mädchen, als es von den Fürsorgebeamten um seinen Namen gefragt wurde, den Namen „Idiot“ an (http://edition.cnn.com/2016/08/18/health/arkansas-abused-child-trnd/). So etwas ist meist ein echter Fluch – was bedeutet, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit in Erfüllung gehen wird.
Halt! Gewalt!

Neutralitätsgebot

Eine freiberufliche Deutschlehrerein am Berufsförderungsinstitut (BFI) der Steiermark will gegen dessen Kopftuchverbot klagen und die Geschäftsführung kontert mit Hinweis, sie stehe zu dem „Neutralitätsgebot“ (lese ich soeben in orf.online). Ich sehe in dieser Art von Neutralität in religiösen oder anderen weltanschaulichen Fragen einen schweren Rückschritt in der mühsam erkämpften Religionsfreiheit (aber auch Meinungsfreiheit). Religionsfreiheit bedeutet – und das kann nicht oft genug betont werden – die Akzeptanz jedes religiösen Bekenntnisses, besonders jedes staatlich anerkannten, und ebenso die Freiheit, keines zu haben. Die Grenze sollte nur das Strafgesetz sein.
Halt! Gewalt!

Handschläge

Donald Trump hätte Angela Merkel den üblichen Händedruck vor Fotografen verweigert, war da in den letzten Tagen zu lesen – aber zuletzt hat er sich dann doch überwunden ... und sein Image als unberechenbarer Revolutionär (zumindest der Benimm-Sitten) erneuert. Einem anderen die Hand zu geben, bedeutet die Überprüfung zu ermöglichen, dass sich darin keine Waffe befindet. Dem diente auch der römische Gruß in der Antike (und der heute verbotene „deutsche“ des Dritten Reichs), und wird schon von kleinen Kindern verlangt – und weil man denen solche Verletzungen ihres Reviers durch fremde Leute nur mit Mahnung bis Drohung beibringen kann (denn liebe Bekannte begrüßen sie anders, auf Kinderart eben), mahnen und drohen diese dann später als Erwachsene, wenn jemand dieser „Etikette“ nicht folgt.

Anfragen zum Thema Gewalt

Gewalt geht uns alle an – im Doppelsinn des Wortes.
Immer wieder werden wir damit konfrontiert, oder wir werden zu Opfern – und manchmal auch zu Tätern. Aber wie anders handeln als wiederum nur mit Gewalt?
Friedfertigkeit ist eine Fertigkeit – und die kann man lernen – und weitergeben.

Hier haben Sie die Möglichkeit, Anfragen zum Thema Gewalt zu stellen >>>

Rotraud A. Perner | Gewaltprävention im Alltag

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