Briefe gegen Gewalt

Halt! Gewalt!

Kindstötungen

Wieder hat eine Mutter ihr Kind getötet und vermutlich werden wieder viele fragen, wie so etwas geschehen kann – ob da eine psychische Krankheit vorliegt oder eine Verzweiflungstat, möglicherweise in Zusammenhang mit einer Trennung vom Partner. Ich beschränke mich auf die Einschätzung: Psychische Ausnahmesituation – denn vermutlich werden sich die auslösenden Faktoren nur bruchstückshaft (wenn überhaupt) eruieren lassen. Was sich aber sagen lässt, ist: Vielen Menschen geht in hohen Erregungssituationen die Selbstwahrnehmung verloren – sie merken nicht, dass sie dabei sind, ihre „Fassung zu verlieren“. Das ist etwas anderes als der Zustand, die eigene Erregung „gefasst“ wahrzunehmen und die daraus folgenden Handlungsimpulse, und sich dann eventuell blitzartig zu „entscheiden“, dem Impuls nachzugeben [...]
Halt! Gewalt!

Menschlichkeit

Was zählt, ist Menschlichkeit – und die besteht zumindest zu 25 % aus der Fähigkeit zu fühlen, vor allem aber auch mitzufühlen. (Die anderen 75 % entfallen – entsprechend der Bewusstseinsquadrinität von C. G. Jung – auf körperliches Empfinden, Unbewusstes wie z.B. Ahnungen oder Phantasien und zuletzt erst auf kognitives Denken, welches man allerdings „dressieren“ kann – denken wir nur ans Lernen des „Kleinen 1 x 1“.)
Halt! Gewalt!

Verzeihen

Papst Franziskus bittet um Verzeihung für die Verbrechen pädophiler Priester im Zusammenhang mit dem Buch „Ich verzeihe Ihnen, Vater“ des Schweizer Ex-Priesters Daniel Pittet, für das er ein Vorwort verfasste. In diesem Satz kommt viermal die Silbe „ver“ vor. Laut Wiktionary markiert diese Vorsilbe das betreffende Wort als negativ oder schwierig oder sie beschreibt ein Fehlverhalten (da ist wieder „ver“ enthalten!) oder eine Veränderung (noch einmal!) bis hin zur Zerstörung (und anderes mehr). Jedenfalls lohnt es, zwischen dem blanken Wort und der Neubildung mit „ver“ sinnentschlüsselnd zu differenzieren – denken wir nur an sprechen und versprechen, trauen und vertrauen, lieben und verlieben usw. Und jetzt das Wort verzeihen.
Halt! Gewalt!

Mentale Gewalt

Es gibt Wissenschaftler, die Begriffe wie Entfremdung, Heteronomie (Fremdherrschaft) oder Gewalt als Empfindung mangelnder Übereinstimmung mit dem eigenen Ich bezeichnen, zitiert der Wiener Philosoph Robert Pfaller z. B. Richard Sennett. Ich sehe darin eine Äußerung dessen, was Irenäus Eibl-Eibesfeldt als „Dogmatismus-Quotient“ nennt (ausführlicher von mir erklärt in meinem Text „Die Palmström-Doktrin“ auf meinem Blog www.taofrau.at): Akzeptiert wird nur, was zum eigenen Wahrheitsanspruch passt [...]
Halt! Gewalt!

Bystander-Effekt?

Heute wurde ich niedergeschlagen. Nein – nicht auf der Straße vom „großen Unbekannten“, sondern von einem jungen ORF-Redakteur im Festsaal der Wirtschaftskammer Burgenland. Was war geschehen? [...]
Halt! Gewalt!

Radikalisierung

Frei nach Marx und Engels könnte man formulieren: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Radikalisierung.“ Das Wort Gespenst leitet sich von dem althochdeutschen „spanan“ – reizen bzw. anspannen – ab. Entkleidet man den Begriff seiner bildlichen Vorstellung, so zeigt er sich als Auslösereiz für Furcht oder Angst oder umgekehrt für Neugier und Entdeckerlust.

Anfragen zum Thema Gewalt

Gewalt geht uns alle an – im Doppelsinn des Wortes.
Immer wieder werden wir damit konfrontiert, oder wir werden zu Opfern – und manchmal auch zu Tätern. Aber wie anders handeln als wiederum nur mit Gewalt?
Friedfertigkeit ist eine Fertigkeit – und die kann man lernen – und weitergeben.

Hier haben Sie die Möglichkeit, Anfragen zum Thema Gewalt zu stellen >>>

Rotraud A. Perner | Gewaltprävention im Alltag

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